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Wie bekomme ich das auf?

(aid) - Produktverpackungen informieren über den Inhalt, dienen als Präsentationsfläche für den Hersteller und schützen das Produkt. Was aber häufig fehlt, ist ein funktionierender und leicht bedienbarer Öffnungsmechanismus. Während das einem Großteil der jüngeren Menschen gleichgültig ist, stehen Senioren hier häufig vor Problemen.

Bereits im Jahr 2003 befragte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) rund 350 Personen nach ihren Erfahrungen. Mehr als 90 Prozent gaben dabei an, gelegentlich Probleme beim Öffnen von Verpackungen zu haben - nahezu 50 Prozent sogar mehrmals pro Woche. Rund der Hälfte der Befragten fehlte schlicht die nötige Kraft, um die Verpackungen zu öffnen. Ärger verursachten bei drei Vierteln der Befragten nicht funktionierende Öffnungsmechanismen. An zweiter Stelle beklagten sie sich über nicht aufzufindende Laschen oder Aufreißfäden. Besonders eingeschweißte Produkte verursachten Probleme beim Öffnen.

Neue Daten der Hochschule Fulda bestätigen die Probleme der Senioren im Umgang mit Produktverpackungen. In einer Situation wie zu Hause am Küchentisch sollten die Versuchspersonen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren den handelsüblichen Umkarton von Teebeuteln, eine dosenähnliche Verpackung für Fertigteig mit Öffnungslasche und ein Senfglas mit aufgestülptem (nicht schraubbarem) Metalldeckel öffnen. Dabei wurde untersucht, wie gut ihnen das Öffnen gelang, wie lange es dauerte und ob die Personen mit dem Öffnungsvorgang zufrieden waren.

Meist kamen die Senioren ans Ziel, oft jedoch mit dem einen oder anderen Problem: Den Teekarton konnten zwar alle öffnen, jedoch erkannte ein Drittel der Personen die vorgestanzte Perforierung zum Öffnen nicht und rissen den Karton irgendwo auf. Die Verpackung des Fertigteigs war den meisten Probanden unbekannt, so dass das Öffnen länger dauerte. War der Mechanismus oder die Lasche dann erkannt, kam das nächste Problem dazu: Die meisten Probanden konnten die kleine Lasche nicht richtig greifen. Besonders der Stülpdeckel des Senfglases sorgte für Unmut. Einige Versuchspersonen vermuteten einen Schraubdeckel und entsprechend verlängerte sich die Zeit bis zum erfolgreichen Öffnen. Vielen fehlte aber auch die nötige Kraft, den Deckel problemlos zu öffnen.

Die Anzahl der sogenannten "Silver Ager" umfasst in Deutschland schon heute mehr als 18 Millionen Menschen und wird weiter wachsen, wenn man den Demographen glaubt. Da mehr als die Hälfte der von der BAGSO befragten Senioren bereit ist, bei Unzufriedenheit mit der Verpackung das Produkt zu wechseln, verschenken Hersteller hier offenbar leichtfertig Umsatz. Um sich die Kaufkraft dieser wachsenden Gruppe zu sichern, scheint es unternehmerisch mehr als ratsam, in leicht zu öffnende Verpackungen zu investieren.

Julia Icking, www.aid.de


Stand: 28.05.2014
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