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Rechtfertigung ist keine Öffentlichkeitsarbeit

Je freiwilliger besondere Werte im Allgemeinen umgesetzt werden, desto anerkannter sind die Tätigkeiten durch die Gesellschaft.

Drei junge Landwirte stehen mit einem Laptop im Kuhstall
aid

(aid) – In der Landwirtschaft steht vor allem die Fleischproduktion unter Druck. Das Fachforum Fleisch auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin hat sich Gedanken über die Zukunftsfähigkeit der Branche gemacht. Dass Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit wichtig sind, zeigte Harm Böckmann, der sich selbst als „Wurstnerd“ bezeichnet und zusammen mit seinen Partnern über „Super Meat Boy“ offensiv Fleisch und Wurst verkauft. Das Team setzt sich intensiv in den sozialen Medien mit Veganern und Vegetariern auseinander. Dazu gehört viel Selbstbewusstsein und es braucht viel Zeit.

Dennoch muss sich jeder einzelne Landwirt fragen: „Passe ich meine landwirtschaftliche Produktion den gesellschaftlichen Wünschen an oder versuche ich das Verbraucherbild der bäuerlichen Landwirtschaft zu entmythologisieren?“ Für Professor Dr. Alfons Balmann aus dem Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik ist diese Frage ein natürlicher Prozess. Die Landwirtschaft befindet sich in einer Transformation mit zunehmender Technologie und Produktivität. Selbst die „kleinen Betriebe“ verändern sich, hin zu „biologischen Manufakturen“, wie Balmann es nannte. Der Anteil an Fremdarbeitskräften steigt, ein Arbeitsplatz in der Landwirtschaft kostet rund eine halbe Million Euro. Zudem entsteht ein Rechtfertigungsdruck, weil Landwirte über die erste Säule Direktzahlungen erhalten und Privilegien im Bau-, Erb- und Umweltrecht besitzen.

Sich aber nur zu rechtfertigen und zu verteidigen sei gegenüber der Öffentlichkeit wenig zielführend. Die Landwirtschaft kann Image hinzugewinnen, wenn sie freiwillige Leistungen herausstellt. Je freiwilliger besondere Werte im Allgemeinen umgesetzt werden, desto anerkannter sind die Tätigkeiten durch die Gesellschaft. Balmann kritisiert, dass die Landwirtschaft zu sehr auf Gesetze wartet, bevor sie etwas ändert und aus ihrer Opferrolle heraus muss.

Landwirte öffnen landauf und landab ihre Hoftore und stellen sich der Öffentlichkeit. Seit November 2016 zeigt das Schlachtunternehmen Vion auf einer Internetseite sogar den Prozess des Schlachtens, veröffentlicht Schlachtbefunde und erntet dafür viel Lob. Defizite gibt es nach Clemens Tönnies im Verbandsbereich. Er plädierte im Fachforum für eine selbstbewusste „Gegenbewegung“, um die Deutungshoheit über die Landwirtschaft wieder zurück zu gewinnen.

Roland Krieg, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://supermeatboy.de/

http://www.vion-transparenz.de/

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