Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Regionale Lebensmittel

Die Förderung regionaler Produkte durch die öffentliche Hand steht noch vor Herausforderungen.

Label "regionales Produkt"
pico / Fotolia.com

(BZfE) – „Das Ziel von Regionalprodukten ist es nicht, aus Geld mehr Geld zu machen, sondern ein gutes Leben zu ermöglichen mit dezentralen Strukturen“, sagte der Kulturgeograf Professor Werner Bätzing auf der Konferenz StadtLandBio in Nürnberg. Der Begriff „regional“ hat allerdings einen großen Wandel durchgemacht, „In meiner Jugendzeit war der Begriff negativ besetzt“, so Bätzing. „In etwa so, als ob man in einem Regionalzug alle 50 km umsteigen müsste.“ Fortschritt hingegen stand für die Überwindung der Begrenzungen einer traditionellen Welt.

Heute ist es anders. Mit dem Trend zu Regionalprodukten versucht man sich abzugrenzen, gegen eine hocharbeitsteilige und globalisierte Produktion. So stehen hinter der Regionalbewegung verschiedene Ziele: Das sind ökonomische Ziele, nämlich der Wunsch, dezentrale Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu erhalten und dezentrale Wertschöpfungsketten zu fördern. Damit verbunden sind aber auch ökologische Ziele. Es geht um die Erhaltung kleinräumlicher Kulturlandschaften, um die Erhaltung der Artenvielfalt. Es geht aber auch darum, Intensivierung zu verhindern, Verbuschung und Verwaldung.

Schließlich gibt es nach Bätzing auch noch ein kulturelles Ziel, nämlich den Erhalt von regionaler Identität und gegen das Verschwinden von Heimat. Die heutige Wirtschaft hingegen setzt die Ökonomie absolut. Sie verfolgt nach wie vor das Hauptziel, aus Geld mehr zu Geld machen. Das widerspricht der Leitidee der Regionalprodukte, so Bätzing. Es ginge nicht darum eine weitere Marke einzuführen, sondern das gute Leben in dezentrale Strukturen zu ermöglichen und dafür eine Verantwortungsgemeinschaft aufbauen.

Wie aber können Kommunen auch in ihren Beschaffungen den Leitgedanken der Regionalität verstärkt berücksichtigen? Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft, wies darauf hin, dass der Begriff der Regionalität einige Fallstricke birgt: „Für öffentliche Vergaben braucht man Kriterien die nachprüfbar sind.“ Bioprodukte beispielsweise sind rechtlich definiert, regionale Produkte nicht. So bleibt die Definition von Regionalität subjektiv und hinterfragbar oder ggf. sogar angreifbar. Die Bevorzugung von regionalen Produkten in Ausschreibungen ist auch deshalb nicht möglich, weil der EU-Binnenmarkt den grenzüberschreitenden Warenverkehr fördern soll. Eine Benachteiligung von Anbietern, die den Vorteil eines regionalen Standortes nicht aufweisen, ist nicht zulässig.

Im Einzelfall lässt sich aber eine Auswahl von regionalen Anbietern begründen, beispielsweise, wenn Schulungen vor Ort erforderlich sind, regelmäßigen Abstimmungen, bei Waren mit kleinem Auftragswert, saisonal angepassten Speisepläne in Kantinen, verbunden mit einer Saisontabelle. Solche Kriterien schließen andere nicht aus. Dafür brauche man dann aber auch regionale Strukturen, sagte Eiden.

Die Förderung regionaler Produkte durch die öffentliche Hand steht also noch vor Herausforderungen. So stellte der Biostadtkoordinator aus Nürnberg, Dr. Werner Ebert, in seinem Abschlusswort fest: „Wenn ich von Regionalität spreche und nicht Wertschöpfung in der Region schaffe, dann ist das für mich eine Worthülse“.

Gesa Maschkowski, www.bzfe.de

Weitere Informationen:
STADTLANDBIO wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert.

Praxisleitfaden „Mehr Bio in Kommunen“:
https://www.biostaedte.de/mehr-bio-in-kommunen/praxisleitfaden.html

als hilfreich bewerten 0 Versenden