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Unverträglichkeiten: „Frei von ..." im Trend

Kekse ohne Gluten, Milch ohne Laktose – "Frei-von-Produkte" füllen ganze Regale. Wer sie kauft, will seiner Gesundheit Gutes tun. Sind sie die bessere Wahl? Für wen sind die Produkte sinnvoll?

Ältere Frau fragend vor Lebensmittelregal mit Milchprodukt in der Hand
gpointstudio / Fotolia.com

Der Weg durch den Supermarkt zeigt: Immer mehr Produkte tragen den Hinweis laktose- oder glutenfrei. Die Produktion und Vermarktung dieser Lebensmittel scheint sich schon seit einigen Jahren zu lohnen. Längst ist es der Lebensmittelindustrie gelungen, die Ware als modernes Lifestyleprodukt zu vermarkten. Dabei werden auch Produkte als „frei von ..." ausgelobt, die natürlicherweise keine Laktose oder kein Gluten enthalten.

Der Gesundheit zuliebe?

Bei so manchem Verbraucher erwecken laktose- oder glutenfreie Lebensmittel den Eindruck, dass sie generell gesünder seien und das Wohlbefinden steigern könnten. „Frei von ..." hat sich zum Qualitätsmerkmal entwickelt. Damit sollen auch Personen zum Kauf dieser Produkte angeregt werden, die dafür gar keinen Bedarf haben. Die Rechnung geht tatsächlich auf: Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Ears and Eyes im Auftrag von SPIEGEL ONLINE in 2014 durchgeführt hat, meiden 23 Prozent der Deutschen ein Lebensmittel, weil sie glauben, es nicht zu vertragen. Von den Befragten gaben 16 Prozent an, wegen der enthaltenen Laktose auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Zehn Prozent der Befragten schränken ihre Kost aufgrund von Fruktose ein und neun Prozent meiden Gluten. Meist ist die eigene Vermutung der Grund hierfür, nur selten liegt eine ärztliche Diagnose vor.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa kommt bei ihrer Befragung von 1.000 Bürgern ab 14 Jahren im Oktober 2015 im Auftrag des Bundesministeriumgs für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu anderen Zahlen: Demnach geben 12 Prozent der Befragten an, wegen Allergien und Unverträglichkeiten Produkte mit Laktose, Fruktose oder Gluten zu meiden. Bei den 19- bis 29-Jährigen sind es 19 Prozent. Für Frauen (14 %) gilt das häufiger als für Männer (10%). Ob 23 oder 12 Prozent, die Frage ist, ob diese Personen tatsächlich von Frei-von-Produkten profitieren.

Teuer und oft überflüssig

Regal mit Schildern "Glutenfrei" und "Laktosefrei"

Keine Frage: Personen mit diagnostizierter Unverträglichkeit bieten laktose- oder glutenfreie Lebensmittel und vor allem das wachsende Sortiment einen hohen Nutzen. Liegt allerdings kein entsprechender ärztlicher Befund einer Zöliakie, Laktoseintoleranz oder Fruktose-Malabsorption vor, besteht keine Notwendigkeit auf diese Lebensmittel zurückzugreifen. Im Gegenteil: Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen im Jahr 2013 hat gezeigt, dass diese Produkte im Durchschnitt teilweise deutlich teurer sind als herkömmliche Lebensmittel. Manche kosteten doppelt so viel, manche um ein Vielfaches mehr. Sie belasten nicht nur den Geldbeutel, sie schränken auch die Lebensmittelauswahl unnötig stark ein. Für gesunde Verbraucher haben diese Produkte keine Vorteile.

Wer also den Verdacht hat, dass er bestimmte Inhaltsstoffe nicht verträgt, wendet sich am besten erst an seinen Arzt und lässt es medizinisch abklären. Erst bei entsprechender Diagnose ist das Meiden bestimmter Inhaltsstoffe erforderlich. Welche Lebensmittel dann tatsächlich sinnvoll bzw. verträglich sind, lässt sich in der Ernährungsberatung klären.

Quellen:

Weber N: Gluten, Laktose, Histamin Fast jeder Vierte meidet bestimmte Lebensmittel

Verbraucherzentrale Hamburg: Laktosefreie Lebensmittel: 24 Produkte im Preisvergleich

Dr. Claudia Müller, Bonn

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