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Dem Gemüse geht’s wie den Menschen: Es gibt die hippen und herausgeputzten Typen, die sich super verkaufen können und immer im Mittelpunkt stehen, und es gibt die unauffälligeren bis nerdigen Charaktere, die aber auf den zweiten Blick oft die interessanteren sind.

Ungefähr in diesem Verhältnis stehen Tomate und Staudensellerie. Die Tomate ist das Party-Girl unter den Gemüsearten – attraktiv, beliebt, immer ein Thema. Der Staudensellerie (Apium graveolens var. dulce) ist der verpeilte Strubbelkopp mit der Comicsammlung – oder noch schlimmer, derjenige, bei dem es später heißt „äh, wer soll das noch mal sein?“

Staudensellerie im Beet
Löwenzähnchen

Also, bevor ihr die Chance verpasst, einen echt coolen Typen kennenzulernen, mache ich euch kurz mal bekannt – sozusagen aus aktuellem Anlass, denn gerade hat bei uns wieder eine Tomatensuppe vom Sellerie aus eigener Ernte profitiert.

Vor allem wäre da natürlich der wirklich geniale Geschmack: Für Versuche, Chips durch Rohkost zu ersetzen, habe ich normalerweise nur mitleidiges Kopfschütteln übrig – das Wort Rohkost klingt nicht zufällig so, als hätte man die Gemüsesticks samt Glas an die Wand gepfeffert – aber für Staudensellerie könnte ich fast eine Ausnahme machen!

„Aromatisch“ wäre nicht ganz treffend, würzig schon eher, denn die Stiele der ursprünglich von salzhaltigen feuchten Böden stammenden Pflanzen schmecken tatsächlich auch ein wenig salzig.

Darüber hinaus hat der Staudensellerie ein Herz für Spätzünder und lässt sich nicht hetzen: Man kann ihn natürlich schon im März vorkultivieren und etwa acht Wochen später auspflanzen – man kann aber auch bis Mai warten und direkt ins Beet säen.

Man kann den Boden gut mit Kompost versorgen und immer wieder wässern, wie es empfohlen wird – man kann es aber auch sein lassen und positiv überrascht werden: Obwohl wir sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr keinen Kompost im Gemüsebeet verteilt hatten und trotz der extremen Trockenheit ließ sich der Staudensellerie nicht beirren.

Es dauerte zwar ein paar Wochen, bis man die kleinen Pflänzchen halbwegs ernst nehmen konnte, dafür zeigten sie sich aber völlig unbeeindruckt von allen Widrigkeiten und wuchsen bis zur ersten Ernte im Oktober stoisch vor sich hin. Da sich vor allem der Oktober aber auch der November ja nicht so richtig entscheiden konnten, zur welcher Jahreszeit sie nun eigentlich gehören wollten, haben wir in den ersten kalten Nächten auf unser Großstadtklima vertraut und die frostempfindlichen Pflanzen lediglich mit einem Vlies abgedeckt. Den Restbestand haben wir erst Mitte November geerntet und eingefroren.

Kulturinfos

Vorkultur:                                      März*
Auspflanzen:                                Mai
Direktsaat:                                    Mai bis August
Abstand in der Reihe:                   25 cm
Abstand zwischen den Reihen:    50 cm
Ernte:                                            ab September
*Achtung, Lichtkeimer, Samen nicht mit Erde bedecken, nur andrücken!

Durch das langsamere Wachstum und die späte Ernte sind die Pflanzen deutlich kleiner geblieben und die Stiele haben etwas mehr harte Fasern gebildet. Die Fäden waren aber rasch gezogen (macht sogar Spaß!) und taten dem Geschmack absolut keinen Abbruch. Dafür bot unser Gemüsebeet zusammen mit dem Palm- und Grünkohl erfreulich lange einen wunderhübschen Anblick – ein Augenschmaus, dem nun der Gaumenschmaus folgt :-).

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Kommentare (1)

Staudensellerie
Ulrike Wörrlein / 05.01.2019 / 16:49 Uhr

Vielen Dank für den Beitrag.Ich bin Fan von Staudensellerie und werde dieses Jahr mal selbst den Anbau versuchen.

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