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Verstädterung verschärft Mangelernährung

 Durch die rapide Zunahme der weltweiten Urbanisierung werden Armut, Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung zunehmend zu Problemen in den Städten.

Ansammlung von maroden Wellblechhütten
pixabay

(BZfE) – Je unwirtlicher die Lebensbedingungen auf dem Land werden, desto mehr Menschen machen sich auf den Weg, ihr Auskommen in der Stadt zu suchen – sei es durch die Folgen des Klimawandels oder durch unterlassene Bemühungen zur Landentwicklung. In vielen Entwicklungsländern sind die Folgen auf den ersten Blick auszumachen: an den Stadträndern bilden sich Slumsiedlungen aus Wellblech- oder Lehmhäusern, und die zugezogenen Bewohner sehen sich mit der harten Realität konfrontiert: Nahrungsmittel und Wasser sind in der Stadt teuer und schwer zu beschaffen. Auch wenn die Hoffnung der Menschen eine andere war: Mangelernährung ist unter diesen Umständen ein ernstzunehmendes Problem. Nicht umsonst ist die Urbanisierung und ihre Folgen eins der zentralen Themen des soeben erschienenen „Global Food Policy Reports“.

In der Rückschau auf das Jahr 2016 stellt die Internationale Food Policy and Research Organization (IFPRI) in Washington D.C. fest, dass durch die rapide Zunahme der weltweiten Urbanisierung Armut, Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung zunehmend zu Problemen in den Städten werde. Aber auch jenseits von Armut und Nahrungsknappheit verändere der rapide Wandel nicht nur die Ernährungsgewohnheiten, sondern auch die Nahrungsmittelkette – weg von kleinen Subsistenzfarmen in ländlichen Regionen hin zu Supermärkten in den Städten. Um dennoch den Bedürfnissen der ärmeren Bevölkerung Rechnung zu tragen, sei es nötig, ländliche Erzeuger stärker mit den städtischen Märkten zu vernetzen, um beiden Gruppen gerecht zu werden: der ländlichen und der städtischen Bevölkerung.

Insgesamt hält der Bericht aber auch gute Nachrichten bereit: Zum ersten Mal in der moderneren Geschichte sei der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, unter die 10-Prozent-Marke der Weltbevölkerung gefallen. Beispielsweise seien in Ländern wie Bangladesch oder Äthiopien die Zahlen hungernder Menschen stark rückläufig. Umfassende Strategien und Programme, um Hunger und Mangelernährung zu bekämpfen, hätten im Zusammenhang mit den Anstrengungen zur Vielfalt der angebauten Nahrungsmittel erfolgreich zu den Verbesserungen beigetragen. Gleichzeitig hätten die Konsumenten von insgesamt fallenden Nahrungsmittelpreisen durch erhöhte Produktion profitiert. Angesichts der aktuellen Hungerkatastrophe, v.a. in Ostafrika, dürfte es allerdings für eine allgemeine Entwarnung zu früh sein. Der Bericht für das Jahr 2017 kann also schon wieder ganz anders aussehen.

Friederike Heidenhof, aus Washington D.C., www.bzfe.de

Weitere Informationen:
http://ebrary.ifpri.org/utils/getfile/collection/p15738coll2/id/131095/filename/131306.pdf

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