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Winterschäden an Gehölzen

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 Optimismus ist der Schere vorzuziehen, denn vermeintliche Winterschäden sind oft nur halb so wild.

Gibt es eigentlich pessimistische Gärtner? Ich glaube nicht, aus meiner Sicht zumindest schließt sich das gegenseitig aus. Die positive Erwartungshaltung, die Vorfreude und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen, machen ja geradezu das Wesen des Gärtnerns aus – ob es nun darum geht, ob und wann aus schlummernden Samenkörnern kleine Pflänzchen werden oder um die (statistisch haltlose, aber dennoch gelegentlich bestätigte) Hoffnung, die Schnecken könnten nach Jahren der Völlerei einfach mal keinen Bock auf Salat haben.

Rebe im Spätwinter
Löwenzähnchen

Optimismus ist auch das Mittel der Wahl, wenn es um den Umgang mit vermeintlichen Frostschäden geht. Mancher stöhnte schon im Januar, es seien ja sooo viele Pflanzen den Minusgraden zum Opfer gefallen. Aber ist das wirklich so?

Mal abgesehen davon, dass ich persönlich Väterchen Frost ja für jeden vernichteten Kirschlorbeer anerkennend auf die Schulter klopfen würde: Gerade immergrüne Hecken- und Kübelpflanzen nehmen meist nicht direkt durch die Kälte Schaden, sondern weil sie zu wenig gewässert wurden. An sonnigen Tagen wird über die immergrünen Blätter nämlich auch im Winter Wasser verdunstet, ergo sollte man an frostfreien Tagen gelegentlich den Vorrat auffüllen und gießen. Das betrifft vor allem Pflanzen in Gefäßen sowie Hecken, die ja oft nur in einem schmalen, von Beton umgebenen Erdschacht wurzeln.

Vor allem aber steckt auch in Pflanzen mit braunen oder scheinbar vertrockneten Trieben oft noch erstaunlich viel Leben. Es lohnt sich, nicht vorschnell zur Schere zu greifen, sondern erst mal abzuwarten.

Nagelprobe

Begründete Hoffnung besteht zum Beispiel, wenn man mit dem Fingernagel ein klein wenig Rinde abkratzt und das darunterliegende Gewebe grün erscheint. Mitunter überraschen einen die Pflanzen aber selbst dann, wenn diese Nagelprobe enttäuschend verläuft.
Bestes Beispiel sind für mich unsere beiden Weinstöcke. Die Reben sehen jedes Jahr so übertrieben tot aus wie schlechte Schauspieler und würde ich versuchen, ein Stück abzubrechen, hätte ich scheinbar strohtrockenen Reisig in der Hand. Und trotzdem entfalten sich mit schöner Regelmäßigkeit auch an solchen scheintoten Trieben doch noch Blätter.

Daher lautet mein Credo: Ob Obst- oder Ziergehölz, man vergibt sich nichts, wenn man mit dem Rückschnitt bis zum Austrieb wartet. Im Gegenteil sogar, denn in frische Schnittflächen dringt der Frost besonders leicht ein, im ungünstigsten Fall fördert man Frostschäden durch einen frühen Rückschnitt also auch noch aktiv.

Dort, wo sich nach dem Austrieb tatsächlich kein Blättchen zeigen will, schneide ich bis ins lebende Holz zurück (also bis zu der Stelle, an welcher der Trieb innen wieder saftig-grün ist). Aber dazu kommt es letztlich nur in einem Bruchteil aller Verdachtsfälle, die meisten Scheintoten haben es sich bei uns bislang noch als äußerst lebendig erwiesen.

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