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Wissenschaft trifft Ketchup

Wie kommt – ohne zu kleckern – die richtige Menge Ketchup aus der Glasflasche? Ketchup hat eine besondere Konsistenz. Es ist keine Flüssigkeit, sondern ein „weicher Festkörper“.

Ketchup
Judith Pulg | Fotografie

(BZfE) – Wie kommt – ohne zu kleckern – die richtige Menge Ketchup aus der Glasflasche? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler von der Universität Melbourne in Australien beschäftigt. Denn Ketchup hat eine besondere Konsistenz. Es ist keine Flüssigkeit, sondern ein „weicher Festkörper“, erklärt Dr. Anthony Stickland. In der zähen Masse sind Tomatenstückchen, die sich berühren und eine Art Netzwerk bilden. Daher braucht es eine gewisse Kraft, um Ketchup zum Fließen zu bringen. Experimente haben gezeigt, dass die optimale Fließgeschwindigkeit bei 0,045 km/h liegt. Das sind 1,25 cm pro Sekunde.

Flüssigkeiten wie Wasser bewegen sich umso schneller, je mehr Kraft auf sie ausgeübt wird. Bei Ketchup, Erdnussbutter und Mayonnaise ist das anders. Sind sie einmal in Fluss gekommen, sinkt die Zähflüssigkeit ab einem bestimmten Punkt sehr schnell ab. Das nennt der Physiker „Strukturviskosität“. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten kann die Viskosität ähnlich wie bei Wasser sein. Dann ist es leicht passiert, dass der Ketchup unkontrolliert aus der Flasche schwappt.

Die Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, wie der Ketchup fleckenfrei auf den Teller gelangt: Zunächst wird die Flasche mit verschlossenem Deckel ordentlich geschüttelt, um wässrige Anteile und feste Partikel zu vermengen. Dann stellt man sie auf den Kopf, um die Soße in den Hals zu befördern. Ist nur noch ein kleiner Rest vorhanden, braucht es mehr Schwung als bei einer gut gefüllten Flasche. Nun fehlt noch etwas Kraft, um den Ketchup auszuschenken, aber nicht zu viel. Dafür entfernt man bei aufrechter Flasche den Deckel und kippt sie sofort wieder. Bei vollem Inhalt reicht das Gewicht der Soße aus, um sie zum Fließen zu bringen.

Wenn das nicht funktioniert, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das offene Ende wird in einem Winkel von 45 Grad auf den Teller gerichtet – eine Hand am Flaschenhals, die andere am Boden. Mit leichtem Klopfen oder Schütteln lässt sich die Kraft vorsichtig steigern, bis die Soße zu fließen beginnt. So kann der Ketchup mit ein bisschen Physik gezähmt werden. Eine weit verbreitete Methode ist, ein Messer in die Flasche zu stecken. Dadurch wird die Viskosität des Ketchups an der Öffnung verringert, und eine gewisse Menge löst sich.

Die bahnbrechende Entdeckung für fleckenfreien Ketchup-Genuss ist offenbar eher Freunden der praktischen Physik gewidmet. Die Küchentauglichkeit obliegt hier jedem einzelnen Leser. Und ob die australischen Wissenschaftler weiter an diesem Phänomen forschen wollen, ist nicht übermittelt.

Heike Kreutz, Harald Seitz www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://pursuit.unimelb.edu.au/articles/getting-tomato-sauce-out-of-the-bottle-minus-the-mess

http://www.aid.de/inhalt/tomaten-6293.html

http://www.aid.de/inhalt/was-gibt-s-zur-wurst-ketchup-selbstgemacht-6829.html

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