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Der Nutri Score gibt über eine Skala von A bis E eine Orientierung zum Gesamtnährwert eines Lebensmittels. Er vereinfacht damit den Nährwertvergleich innerhalb einer Produktgruppe.

Nährwertkennzeichnungsmodell Nutri-Score
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  • Der Nutri Score informiert vereinfachend über die Nährwertqualität eines Lebensmittels in fünf Stufen – von A bis E, farblich unterlegt von Dunkelgrün bis Rot.
  • Das Modell erleichtert den Nährwertvergleich unterschiedlicher Produkte innerhalb einer Lebensmittelkategorie.
  • Deutschland unterstützt, wie auch eine Reihe anderer EU-Mitgliedsstaaten, die Verwendung des Nutri Score als erweiterte Nährwertkennzeichnung.
  • Der Nutri-Score erleichtert beim Einkauf von Lebensmitteln eine ernährungsphysiologisch günstigere Wahl.

Früchtemüsli oder Cornflakes? Raps- oder Olivenöl? Pizza Hawaii oder lieber Pizza Salami? Beim Einkauf von Lebensmitteln gibt es viel zu entscheiden. Dabei ist der Nährwert von Lebensmitteln für viele Verbraucherinnen und Verbraucher ein wichtiges Auswahlkriterium. Gut daher, dass fast jedes verpackte Lebensmittel heute eine Nährwerttabelle trägt. Doch für einen schnellen Produktvergleich auf einen Blick eignet sich diese nur bedingt. Deshalb ergänzt der Nutri-Score die verpflichtende Nährwertkennzeichnung.

Was der Nutri-Score leistet

Der Nutri-Score zeigt die Nährwertqualität eines Lebensmittels in fünf Stufen an und ermöglicht dank seiner einheitlichen Bezugsgröße den direkten Produktvergleich innerhalb einer Lebensmittelkategorie. Das funktioniert beispielsweise bei Erfrischungsgetränken, Joghurts oder bei Tiefkühl-Pommes frites unterschiedlicher Produktmarken. Genauso können Bratöle unterschiedlicher Sorten oder verschiedene Snackartikel miteinander verglichen werden – und im Grunde alle Produkte, die einander so ähnlich sind, dass sie gegeneinander ausgetauscht werden können.

Wie der Nutri-Score ermittelt wird

Der Nutri-Score basiert auf einem von Wissenschaftlern entwickelten Rechenmodell, bei dem ausgewählte Nährstoffe, bestimmte Zutaten wie Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und ausgewählte Öle sowie der Energiegehalt mit Punkten bewertet und zu einem Gesamtnährwert miteinander verrechnet werden. Je nachdem, ob den berücksichtigten Bestandteilen ein positiver oder weniger positiver Einfluss in der Ernährung zugeschrieben wird, schlagen sie auch bei der Berechnung des Nutri-Score zu Buche. Angezeigt wird das Ergebnis in Farben und Buchstaben. Der Buchstabe A und die Farbe Grün stehen für die höchste Nährwertqualität. Der Buchstaben E und die Farbe Rot bezeichnen Produkte mit der niedrigsten Nährwertqualität.

Wo der Nutri-Score zu finden ist

Der Nutri Score ergänzt die verpflichtende Nährwerttabelle nach der EU-Lebensmittel-informationsverordnung. Praktisch jedes Lebensmittel kann das Logo tragen –
vorausgesetzt, das Unternehmen hat sich für die Verwendung registriert und das Lebensmittel trägt eine Nährwerttabelle. Der Nutri-Score muss auf der Produktvorderseite im unteren Drittel der Packung platziert werden. Entscheiden sich Hersteller für den Nutri-Score, müssen sie ihn auf all ihren Produkten einer registrierten Marke nutzen. Er darf nicht nur auf den Produkten mit günstiger Nährwertqualität stehen.

Auch in der Werbung, zum Beispiel auf Flyern, darf der Nutri-Score zusätzlich genutzt werden. Lediglich für Lebensmittel, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind, wird er nicht empfohlen, da seine Berechnung nicht auf diese Zielgruppe angepasst ist. Für Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent ist die Verwendung des Nutri-Score nicht erlaubt.

Gut verständlich, leicht erkennbar und erwünscht

Der Nutri-Score wird allgemein gut verstanden, das zeigen zahlreiche Studien. So wurde etwa untersucht, wie leicht es Verbrauchern und Verbraucherinnen anhand unterschiedlicher auf der Packungsvorderseite befindlicher Nährwertkennzeichnungsmodelle gelingt, die gekennzeichneten Lebensmittel anhand ihrer Nährwertqualität zu sortieren. Hierbei schnitt der Nutri-Score am besten ab, sowohl unter französischen Probanden als auch unter deutschen.

Außerdem wird der Nutri-Score von Verbrauchern und Verbraucherinnen besonders gut wahrgenommen, zudem leitet er sie intuitiv. Verhaltensstudien geben dafür zwei Gründe an: Die Farben Rot und Grün werden vom menschlichen Auge besonders schnell erkannt und stellen intuitive Stopp-Weiter-Signale dar. Menschen, die Schwierigkeiten mit der Unterscheidung von Farben haben, können sich anhand der Buchstaben-Bewertung ein schnelles Bild vom Nährwert machen.

Die deutschen Verbraucher haben sich in einer repräsentativen Befragung 2019 mehrheitlich für den Nutri-Score ausgesprochen. Danach gefragt, welches von vier Modellen in Deutschland unterstützt werden sollte, entschieden sich 57 Prozent der Befragten für den Nutri-Score. In der Untersuchung, die auch Testaufgaben beinhaltete, ging es um die Wahrnehmung, das Verständnis und die Verständlichkeit von vier erweiterten Nährwertkennzeichnungs-Modellen. Zur Auswahl standen der Nutri-Score, das skandinavische Keyhole-Modell, ein Vorschlag aus der Wirtschaft und ein Vorschlag des Max Rubner-Instituts (MRI). Insgesamt schnitt der Nutri-Score am besten ab.

Freiwillige Verwendung, weite Verbreitung erwünscht

Die Verwendung des Nutri-Score ist aufgrund des EU-Rechts freiwillig. Für den Erfolg des Systems ist es daher wichtig, dass möglichst viele Lebensmittelunternehmen das Logo verwenden. Je mehr Lebensmittel das Logo tragen, desto mehr Produkte können Verbraucherinnen und Verbraucher in ihren schnellen Nährwertvergleich einbeziehen.

Über 10.000 Produkte sind in Frankreich bereits mit dem Nutri-Score-Logo gekennzeichnet. Und auch in Deutschland erfährt das erweiterte Nährwertkennzeichen immer mehr Zuspruch. Große und auch kleinere Lebensmittelunternehmen haben angekündigt, den Nutri-Score in Deutschland auf ihren Produkten nutzen zu wollen. Einige Produkte von internationalen Marken tragen bereits das Label. Auch auf Eigenmarken des deutschen Handels wird der Nutri-Score zu finden sein.

Parallel dazu wächst der Zuspruch zum Nutri-Score auch in weiteren Mitgliedstaaten der EU: In Frankreich und Belgien gibt es bereits konkrete Regelungen zur freiwilligen Nutzung des Logos. In den Niederlanden, Spanien und Luxemburg wird die Einführung des Nutri-Score ebenfalls diskutiert. Auch in der Schweiz wird der Nutri-Score verwendet.

Eignung des Nutri-Score

Erweiterte Nährwertkennzeichnungsmodelle wie der Nutri-Score haben zum Ziel, Produkte innerhalb einer Lebensmittelkategorie hinsichtlich ihrer Nährwerte leicht vergleichbar zu machen. Auf diese Weise erleichtert eine erweiterte Nährwertkennzeichnung Verbraucherinnen und Verbrauchern  ernährungsphysiologisch günstigere Lebensmittel innerhalb einer Lebensmittelkategorie auszuwählen. Aus Sicht des MRI ist der Nutri-Score in seiner jetzigen Form, also mit den derzeit verwendeten Berechnungskomponenten und Referenzwerten für fast alle Produktgruppen grundsätzlich dazu geeignet dieses Ziel zu erreichen.

Darüber hinaus sieht das MRI mittelfristig geringfügigen Optimierungsbedarf im derzeitigen Nutri-Score. Dies betrifft beispielsweise die im Nutri-Score-Algorithmus verwendeten Referenzwerte für Ballaststoffe beziehungsweise die Bepunktung dieses Nährstoffs. Durch eine veränderte Bepunktung des Ballaststoffgehaltes ließen sich ernährungsphysiologisch günstigere Produkte mit höherem Ballaststoffgehalt, beispielsweise Vollkornprodukte, möglicherweise besser gegen Produkte mit niedrigeren Gehalten abgrenzen. Im besten Fall kann so eine bessere Unterscheidbarkeit erreicht werden. Über mögliche Änderungen des Nutri-Score-Algorithmus soll zukünftig ein mit Wissenschaftlern besetztes Expertengremium beraten. Auch Wissenschaftler aus Deutschland sollen in diesem Gremium vertreten sein.

Grenzen des Nutri-Score

Der Nutri-Score hat wie andere vereinfachende Logos zur Nährwertinformation neben seinen Stärken auch Grenzen. So werden im derzeitigen Berechnungs-Algorithmus des Nutri-Score lediglich eine Auswahl an Nähr- und Inhaltsstoffen berücksichtigt, für die ein gesundheitlicher Nutzen ausreichend belegt ist beziehungsweise deren übermäßige Zufuhr mit einem erhöhten Er-krankungsrisiko verbunden ist. Die Berücksichtigung aller für die Ernährung möglicherweise relevanter Nähr- und Inhaltsstoffe leistet der Nutri-Score – wie auch jedes andere erweiterte Nährwertkennzeichnungssystem – nicht.

Der Nutri-Score gibt eine Orientierung über den Gesamtnährwert eines Lebensmittels, nicht jedoch zu einzelnen Nährwerten, etwa zum Fettgehalt oder dem Energiegehalt. Die Gesamtbewertung ist eine Eigenschaft, die im Rahmen einer unabhängigen Verbraucherforschung von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland als positiv bewertet wurde. Wer jedoch gezielt auf einzelne Nährstoffe oder Zutaten achten muss oder will, muss weiterhin einen Blick auf die Nährwerttabelle oder ins Zutatenverzeichnis werfen. Dort finden sich wertvolle Informationen zur Produktqualität beziehungsweise zum Nährwert.

Anders als die Ernährungsempfehlungen verschiedener Gesundheitsorganisationen, beispielsweise der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, gibt der Nutri-Score grundsätzlich keine Orientierung über die Ausgewogenheit der gesamten Ernährung und macht keine Aussagen zum Gesundheitswert eines Lebensmittels. Er hilft lediglich, die Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln schnell und unkompliziert zu vergleichen. Daher sollte man sich im Rahmen einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise nicht ausschließlich auf den Nutri-Score verlassen.

Gewiss ist außerdem: Eine vereinfachte Nährwertinformation allein kann das Ernährungsverhalten der Menschen nicht verändern. Denn Einkaufsverhalten wird maßgeblich von Routinen und von der Qualität des Produktangebots und vom Geschmack und der Bequemlichkeit geprägt. Viele lose verkaufte Lebensmittel beispielsweise frisches Gemüse und Obst werden trotz einer hervorragenden Nährstoffqualität auch in Zukunft keinen Nutri-Score tragen. Ein einfach verständliches Modell wie der Nutri-Score kann aber dazu beitragen, dass sich Interessierte leichter ein Bild über die Nährwertqualität vieler anderer Lebensmittel ma-chen und auf dieser Basis eine bewusste Kaufentscheidung treffen können.

Weitere Informationen zum Nutri-Score

Wie genau funktioniert die Berechnung des Nutri-Score?

Für die Berechnung des Nutri-Score werden die Gehalte bestimmter Nähr- und Inhaltsstoffe eines Lebensmittels sowie dessen Energiegehalt berücksichtigt. Je nachdem, ob den Bestand-teilen ein positiver oder weniger positiver Einfluss in der Ernährung zugeschrieben wird, schlagen sie auch bei der Berechnung des Nutri-Score zu Buche:

  • N-Punkte werden für weniger empfehlenswerte Nähr- und Inhaltsstoffe vergeben. Das sind der Energiegehalt sowie die Gehalte an Gesamtzucker, gesättigten Fett-säuren und Natrium, das heißt Salz. Die N-Punkte werden addiert. Je mehr N-Punkte, desto schlechter ist zunächst die Nährwertqualität eines Produktes.
  • P-Punkte werden für empfehlenswerte Nähr- und Inhaltsstoffe vergeben. Dazu zählen die Gehalte an Ballaststoffen und Proteinen sowie die Anteile an Obst und Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte sowie Raps-, Nuss- und Olivenölen. Das sind Zutaten, die vergleichsweise viele Vitamine oder andere günstige Nährstoffe liefern. Auch die P-Punkte werden addiert. Je mehr P-Punkte, desto besser werden die Nähr-werteigenschaften eines Lebensmittels gewertet. Die P-Punkte senken – das heißt verbessern – den Nutri-Score, denn sie werden von den N-Punkten abgezogen. Für die Berücksichtigung des Proteingehaltes gilt für alle Lebensmittel mit Ausnahme von Käse eine Sonderregel: Ist die Summe der N-Punkte ≥ 11, kann der Proteingehalt den Gesamtnährwert eines Lebensmittels nur dann positiv beeinflussen, wenn es gleich-zeitig vergleichsweise hohe Anteile an Obst, Gemüse, Schalen- oder Hülsenfrüchten oder Raps-, Nuss- oder Olivenöl aufweist.

Mit Hilfe der finalen Punktzahl schließlich werden die Produkte in fünf Nährwertklassen eingeteilt. Dem ABC folgend erhalten Lebensmittel mit besonders guter Nährwertqualität ein A, die ungünstigste Bewertung ist ein E. Zur schnellen Orientierung ist die Buchstabens-kala farblich unterlegt – von Dunkelgrün für eine besonders hohe Nährwertqualität, über Hellgrün, Gelb, Orange bis Rot für eine besonders niedrige. Das Gesamtergebnis eines Pro-duktes wird in der fünfstufigen Farbskala optisch hervorgehoben.

In Kürze: Je niedriger die Nutri-Score-Punktezahl, desto besser ist die Nährwertqualität ei-nes Produktes. Ungünstige Nährwerteigenschaften erhöhen den Punktwert, positive senken ihn.
Das Berechnungssystem gilt für praktisch alle Lebensmittel in gleicher Weise. Nur für drei Lebensmittelgruppen gibt es Sonderregelungen. Sie betreffen Käse, Getränke sowie Speise-fette und -öle, die als fertige Produkte verkauft werden.

Welche Sonderregeln für die Berechnung gelten für Getränke, Käse und Speisefette und -öle?

Für Getränke, Käse sowie Speisefette und -öle, die als fertige Produkte verkauft werden gelten Sonderregeln für die Berechnung des Nutri-Score:

  • Für Getränke erfolgt eine besondere Punktevergabe in Bezug auf den Energiegehalt, den Zuckergehalt sowie den Anteil an Obst und Gemüse, Hülsen- und Schalenfrüchte sowie Raps-, Nuss- und Olivenöle. Die übrigen Bewertungseigenschaften – etwa zum Protein- oder Salzgehalt – werden wie bei allen übrigen Lebensmitteln berücksichtigt. Wasser bekommt generell eine Bewertung mit A. Andere Getränke können bestenfalls mit B bewertet werden. Milch und Milchgetränke wie Kakao mit einem Milchanteil von mehr als 80 Prozent gelten nicht als Getränke, sondern fallen unter die Kategorie allgemeine Lebensmittel.
  • Bei Speisefetten und -ölen, die als fertige Produkte verkauft werden, fließt anstelle des Anteils gesättigter Fettsäuren das Verhältnis gesättigter Fettsäuren zum Gesamtfett im Produkt in die Bewertung ein. So lassen sich die Produkte untereinander besser vergleichen. Dieser Sonderregelung unterliegen zum Beispiel Butter, Sojaöl aber auch Sahne und vergleichbare Produkte, die in der Küche als Fettlieferant genutzt werden. Je geringer der Anteil gesättigter Fettsäuren im Verhältnis zum Gesamtfett ist, desto günstiger ist das Fett in der Regel für die Ernährung – und desto besser fällt der Nutri-Score aus.
  • Bei Käsen wird der Proteingehalt bei der Nutri-Score-Berechnung immer berücksichtigt. Das heißt, er liefert stets positive Punkte, die den Nutri-Score-Punktewert senken und damit verbessern. Bei allen übrigen Lebensmitteln ist die Berücksichtigung des Proteingehaltes von der Summe der vergebenen Negativpunkte abhängig. Der Grund für die Sonderbehandlung von Käsen: Über die allgemeine Berechnungsformel würde praktisch jede Käsesorte eine rot unterlegte E-Wertung erhalten. Denn nahezu alle Käsesorten haben einen relativ hohen Fett- und auch Salzgehalt. Ohne eine Anpassung der Berechnungsformel wäre es daher für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ersichtlich, welcher Käse im Vergleich zu einem anderen die ernährungsphysiologisch günstigere Wahl darstellt.

Wer berechnet den Nutri-Score?

Lebensmittelunternehmen, die den Nutri-Score nutzen wollen, führen ihre Berechnung eigenverantwortlich durch. Sie müssen dazu die in der Markensatzung des Nutri-Score verankerten Nutzungsbedingungen des Nutri-Score anwenden. Die Website der Santé publique France, eine nachgeordnete Behörde des französischen Gesundheitsministeriums, bietet eine Excel-Tabelle, die Unternehmen bei der Berechnung unterstützt. Diese Seite kann auch von jeder Privatperson für Probeberechnungen genutzt werden.
Eine Bestätigung von offizieller Seite, dass Unternehmen die festgelegten Nutzungsbedingungen auch tatsächlich eingehalten haben, gibt es nicht. Allerdings ist die Markeninhaberin des Nutri-Score – die Santé publique France – dazu berechtigt, die Einhaltung der von ihr veröffentlichten Markensatzung zu überprüfen. Auch die amtliche Lebensmittelüberwachung prüft im Rahmen ihrer Kontrolltätigkeit die Berechnungen auf Richtigkeit. Im Falle festgestellter Mängel könnte sie die Nutri-Score-Kennzeichnung beanstanden.

Darf der Nutri-Score auch für unverarbeitete Lebensmittel verwendet werden?

Unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Fleisch dürfen den Nutri-Score nur tragen, wenn sie mit einer Nährwerttabelle nach der EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) gekennzeichnet sind. Denn der Nutri-Score ist ein ergänzendes Logo – er ergänzt die detaillierte Pflichtkennzeichnung um eine leichter verständliche Information zum Nährwert. Produkte, die gemäß der LMIV nicht zwingend eine Nährwertkennzeichnung tragen müssen, dürfen auf freiwilliger Basis mit einer Nährwerttabelle gekennzeichnet werden, so dass dann auch der Nutri-Score verwendet werden kann. Das betrifft verpackte Lebensmittel, die ausdrücklich von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung befreit sind, wie beispielsweise die unverarbeiteten Lebensmittel aus nur einer Zutat sowie Kräuter- oder Früchtetees zum Aufgießen, Salz oder Kaugummi und auch lose Ware, die beim Bäcker, Metzger oder auf dem Wochenmarkt verkauft wird. Lebensmittelunternehmen, die ihre Produkte auf freiwilliger Basis mit einer Nährwerttabelle ausstatten, müssen sich allerdings genau an die Pflichtvorgaben der LMIV richten.

Passt die Nutri-Score-Berechnung auf Lebensmittel, die sich speziell an Kinder richten?

Für Lebensmittel, die für Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren bestimmt sind, wird der Nutri-Score ausdrücklich nicht empfohlen, heißt es in den Nutzungsbedingungen zum Nutri-Score. Dabei handelt es sich Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen sowie Beikost. Begründet wird diese Ausnahmeregelung mit den besonderen Ernährungsbedürfnissen, insbesondere in Bezug auf die Fettaufnahme von Kindern dieser Altersklasse. Aus entsprechenden Gründen sollten auch Lebensmittel, die für spezielle Verbrauchergruppen bestimmt sind, das heißt bilanzierte Diäten sowie Tagesrationen für eine gewichtskontrollierende Ernährung, den Nutri-Score nicht tragen. Das ergibt sich aus den Fragen-Antworten-Katalog der Santé publique France, einer nachgeordneten Behörde des französischen Gesundheitsministeriums, die als verantwortliche Markeninhaberin des Nutri-Score dessen Nutzungsbedingungen vorgibt.

Dürfen Unternehmen sich aussuchen, welche ihrer Produkte sie mit dem Nutri-Score kennzeichnen?

Die Verwendung des Nutri-Score ist freiwillig. Wenn sich ein Lebensmittelunternehmen entscheidet, den Nutri-Score zu nutzen, dann müssen alle Produkte einer Marke damit gekennzeichnet werden. Dies gilt auch, wenn die registrierte Marke mehrere Produktkategorien, wie zum Beispiel Frühstückscerealien und Süßwaren umfasst. Es ist nicht erlaubt, nur diejenigen Lebensmittel einer Marke mit dem Nutri-Score auszuzeichnen, die eine positive Nährwertqualität aufweisen. Hersteller, die mehrere Marken produzieren, müssen jedoch nicht jede ihrer Marken kennzeichnen.

Warum bekommt ein Apfelsaft einen ungünstigeren Nutri-Score als eine Cola light?

Ein Liter Apfelsaft enthält durchschnittlich rund 100 Gramm Zucker. Dadurch erhält Apfelsaft – genauso wie andere Fruchtsäfte – in der Kategorie Zucker mit sieben eine relative hohe Anzahl an N-Punkten. Und auch sein Energiegehalt schlägt mit sieben N-Punkten negativ zu Buche. N-Punkte verschlechtern den Nutri-Score. Der Fruchtanteil von Apfelsaft beträgt zwar wie bei allen Produkten namens Saft 100 Prozent, so dass das Produkte in dieser Kategorie die höchstmögliche Anzahl von P-Punkten erhalten. In der Gesamtbewertung ergibt sich für Apfelsaft trotzdem ein durchschnittlicher Nutri-Score mit dem Buchstaben C. Die Cola light hingegen landet auf der Nutri-Score-Stufe B, weil sie lediglich aufgrund ihres minimalen Energiegehaltes nur einen N-Punkt erhält. Ihr Zuckergehalt liegt aufgrund des Einsatzes von Süßungsmitteln bei null. Positive Nährwerteigenschaften hat die Cola light jedoch genauso wenig zu verbuchen – das zeigen auch die Informationen im Zutatenverzeichnis und der verpflichtenden Nährwerttabelle. Als Durstlöscher eignet sich Cola light genauso wenig wie Apfelsaft. Denn auch Süßungsmittel fördern die Süßgewöhnung. Getränke mit Süßungsmitteln stuft die Deutsche Gesellschaft für Ernährung deshalb als wenig empfehlenswert ein.

Darf der Nutri-Score auch auf Flyern oder Plakaten verwendet werden?

Der Nutri-Score ist eine erweiterte Nährwertkennzeichnung. Er ist grundsätzlich für die Verwendung auf der Packung vorgesehen. Dabei muss er stets auf der Produktvorseite im unteren Drittel der Packung platziert werden. Lebensmittelunternehmen, die den Nutri-Score verwenden, dürfen das Logo zusätzlich für Werbezwecke, etwa auf ihrer Website, in Produktkatalogen, Preiselisten oder auf Plakaten nutzen. Verboten ist es, den Nutri-Score ausschließlich in der Werbung einzusetzen.

Warum wird der Nutri-Score nicht verpflichtend vorgeschrieben?

Schon seit vielen Jahrzehnten spielen die EU-Ländergrenzen beim Lebensmittelhandel und Einkauf eine untergeordnete Rolle. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich darauf verständigt, dass Lebensmittel, die einem Mitgliedsstaat legal auf dem Markt sind grundsätzlich auch in allen anderen EU-Ländern frei verkauft werden dürfen. Damit das gut funktioniert, werden heute weite Teile des Lebensmittelrechts, insbesondere des Kennzeichnungsrechts auf EU-Ebene erlassen, so dass in allen EU-Mitgliedstaaten dieselben Regeln gelten. Nationale Kennzeichnungsvorgaben dürfen die EU-Mitgliedstaaten nur noch in klar geregelten Einzelfällen treffen. Die erweiterte Nährwertkennzeichnung zählt nicht dazu. Das heißt, nach aktueller Rechtslage ist nicht vorgesehen, dass die EU-Mitgliedstaaten den Nutri-Score oder ein anderes ergänzendes System zur Nährwertkennzeichnung verbindlich vorschreiben. Sie dürfen aber die Möglichkeit für eine freiwillige Nutzung solcher Systeme eröffnen. Über eine EU-weit einheitliche erweiterte Nährwertkennzeichnung wird derzeit auf EU-Ebene diskutiert.

Welche rechtlichen Regelungen gibt es zum Nutri-Score?

Die EU-rechtlich erforderliche Grundlage für die freiwillige Kennzeichnung von Lebensmitteln mit dem Nutri-Score in Deutschland wird mit § 4a Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV) geschaffen. Danach dürfen Lebensmittelunternehmen den Nutri-Score ab November 2020 freiwillig nutzen, wenn sie die Einwilligung der Markeninhaberin eingeholt haben und zustimmen, die Nutzungsbedingung für den Nutri-Score einzuhalten. Markeninhaberin ist die Santé publique France, eine nachgeordnete Behörde des französischen Gesundheitsministeriums. Sie hat eine Markensatzung veröffentlicht, in der die Bedingungen zur Verwendung des Nutri-Score-Logos verbindlich geregelt sind. Eine deutsche Übersetzung dieser Markensatzung ist auf der Website des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft abrufbar.

Woher stammt der Nutri-Score?

Der Nutri Score basiert auf Forschungsarbeiten von Wissenschaftlern der Universität Oxford. Sie entwickelten den so genannten FSA-Score (Food Standards Agency). Dieser wird in Großbritannien seit 2007 genutzt, um die Werbung für bestimmte Lebensmittel gegenüber Kindern einzuschränken, die für diese Zielgruppe wenig empfehlenswert sind. Auch Behörden in Australien, Neuseeland und Südafrika nutzen den FSA-Score zur Regulierung von Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln. In Frankreich wurde auf Initiative des Gesundheitsministeriums aus dem FSA-Score der Nutri-Score entwickelt. Die Forschungsarbeiten führten Wissenschaftler der Universität Paris, der französischen Lebensmittelsicherheitsbehörde ANSES und des Hohen Rates für Volksgesundheit durch. Über einen Konsultationsprozess wurden weitere Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Verbraucherschutz eingebunden. Seit 2017 unterstützt die französische Regierung die Verwendung des Nutri-Score.

Wo finde ich weitere Hintergrundinformationen?

Cecchini, M, Warin, L. (2015). Impact of food labelling systems on food choices and eating behaviours: A systematic review and meta-analysis of randomized studies. Obesity Reviews. 17. n/a-n/a. 10.1111/obr.12364.

Department of Health (2011): Policy paper. The nutrient profiling model. The nutrient profiling model. Published 14 January 2011. www.gov.uk/government/publications/the-nutrient-profiling-model (Zugriff am 09.11.2020)

Egnell M, Talati Z, Hercberg, S, Pettigrew S, Julia C (2018): Objective Understanding of Front-of-Package Nutrition Labels: An International Comparative Experimental Study across 12 Countries, Nutrients 2018, 10, 1542

Egnell M et al. (2019): Vergleich von Front-of-Pack-Kennzeichnungen zur Aufklärung deutscher VerbraucherInnen über den Nährwert von Lebensmitteln, Ernährungsumschau international 66(5):76-84/2019. www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2019/05_19/EU05_2019_M260_M268.pdf (Zugriff am 09.11.2020)

Julia, C, Hercberg, S (2017): Nutri-Score: Evidence of the effectiveness of the French front-of-pack nutrition label, Ernaehrungs Umschau international, 12, 181-187; www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2017/12_17/EU12_2017_WuF_Nutriscore_englisch.pdf (Zugriff am 09.11.2020)

MRI (2019): Beschreibung und Bewertung ausgewählter Front-of-Pack Nährwertkennzeichnungs-Modelle. Max Rubner Institut, Karlsruhe. www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/Lebensmittel-Kennzeichnung/MRI-Bericht-Naehrwertkennzeichnungs-Modelle.pdf (Zugriff am 09.11.2020)

Mhurchu. C, Eyles H, Jiang Y, Blakely T (2018): Do nutrition labels influence healthier food choices? Analysis of label viewing behaviour and subsequent food purchases in a labelling intervention trial, Appetite, (121),Pages 360-365, www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666317309923 (Zugriff am 09.11.2020)

Rayner, M (2017). Nutrient profiling for regulatory purposes. Proc Nutr Soc. 2017 Aug;76(3):230-236. www.cambridge.org/core/journals/proceedings-of-the-nutrition-society/article/nutrient-profiling-for-regulatory-purposes/778CCADE2005659B38A76ED61A92828D/core-reader (Zugriff am 09.11.2020)

Autorin: Dr. Christina Rempe, Berlin; Stand 19.11.2020

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Lebensmittel

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Pflichtangaben bei Lebensmitteln

Produktkennzeichung mit dem folgenden Text "Flakes aus Weizen und Reis"
Dr. Christina Rempe, Berlin

Für Lebensmittel, ob verpackt oder unverpackt, gelten bestimmte Pflichtangaben. Diese müssen für den Verbraucher gut lesbar und verständlich sein.

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Pflichten und freiwillige Informationen

Nährwerttabelle auf einer Dose
Dr. Christina Rempe, Berlin

Eine Nährwerttabelle muss auf fast allen verpackten Lebensmitteln stehen. Manchmal gibt es zusätzliche Nährwertinformationen auf der Packung.

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