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Nutzhanf hat keine berauschende Wirkung. Seine Samen, Blätter oder daraus gewonnen Extrakte gewinnen auch in der Lebensmittelherstellung an Bedeutung.

Auf einem Tisch befinden sich Hanfsamen, -pulver und -öl
kostrez / Fotolia.com

Generell muss man zwischen Drogenhanf und Nutz- beziehungsweise Faserhanf unterscheiden. Nur der Faserhanf darf für Lebensmittel verwendet werden. Sein Gehalt an dem psychotrop wirkenden Tetrahydrocannabinol (THC) ist nämlich gesetzlich begrenzt. Die Pflanze verfügt aber über viele weitere nicht psychotrop wirkende Cannabinoide. Hervorzuheben ist hier Cannabidiol (CBD), das je nach Dosis pharmakologische Effekte  haben kann. Manche Anbieter*innen schreiben ihren Hanfprodukten daher gesundheitsförderliche Wirkungen zu, die jedoch mangels wissenschaftlicher Belege und einer entsprechenden Zulassung nach der Health-Claims-Verordnung unzulässig sind.

Im Lebensmittelbereich sind die Samen die begehrtesten Teile der Hanfpflanzen. Die braun bis schwarzgrauen, manchmal auch grüngrauen einsamigen Nüsschen haben einen Durchmesser von drei bis vier Millimetern und sind von einer dünnen, glasigen Fruchtschale umhüllt. Sie sind übrigens auch im Drogenhanf neben den Wurzeln die einzigen Teile der Pflanze, die kein THC enthalten.

In Reformhäusern, in Bioläden und vor allem in Online-Shops sind Hanfsamen roh oder geröstet, ungeschält oder geschält erhältlich. Mit ihrem herb-würzigen Geschmack erinnern sie an Nüsse und werden in der Küche ähnlich wie diese eingesetzt  - als knackiges Topping auf Suppe oder Salat, als Beigabe zum Müsli oder Dessert, als Zutat im Bratling oder der Gemüsepfanne. Gemahlene Samen eignen sich gut zum Backen und können dabei einen Teil des herkömmlichen Mehls ersetzen. Und zu Öl gepresst kommen sie ins Salatdressing, an Gemüsegerichte oder ins Pesto zu Pasta.

Hanfhaltige Lebensmittel können neuartig sein

Hanfhaltige Lebensmittel können als neuartig im Sinne der Novel Food-Verordnung gelten und daher einer Zulassung bedürfen. Entscheidend ist, ob die Produkte bereits vor dem 15. Mai 1997 innerhalb der Europäischen Union in nennenswerten Mengen verzehrt wurden. Dies ist für Lebensmittel, die aus oder unter Verwendung von Hanfsamen, Hanfsamenöl, Hanfsamenmehl beziehungsweise entfetteten Hanfsamen belegt. Diese Produkte gelten als normales Lebensmittel und können ohne vorige Zulassung in den Handel. Anders ist das bei hanfhaltigen Lebensmitteln, die Cannabidiol (CBD) enthalten – etwa, weil ihnen entsprechend Extrakte als Zutat zugesetzt wurden. Solche Produkte gelten nach dem Novel-Food-Catalogue der EU-Kommission als neuartig. Sollen sie als Lebensmittel vertrieben werden, muss zunächst im Rahmen eines Zulassungsverfahrens nach der Novel Food-Verordnung ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit belegt werden. Je nach CBD-Gehalt oder Gehalt sonstiger pharmakologisch wirksamer Stoffe können hanfhaltige Produkte aber auch als Arzneimittel eingestuft werden.

Hanfhaltige Lebensmittel im Fokus der Überwachung

Mittlerweile werden hanfhaltige Produkte gehypt wie kaum ein anderes Produkt: Hanfproteinpulver, Back- und Teigwaren, Bier und Erfrischungsgetränke sowie Kaugummi, Müsliriegel und Gummibärchen sowie Nahrungsergänzungsmittel als verlässliche Helfer bei Gesundheitsbeschwerden – gerade im Online-Handel werden die Produkte mit zweifelhaften Wirkaussagen beworben, insbesondere wenn sie CBD enthalten. Ihnen werden cholesterinsenkende oder krebsvorbeugende Wirkungen zugeschrieben, sie sollen beim Abnehmen und Muskelaufbau helfen oder Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck vorbeugen. Solche Aussagen sind verboten, denn sie sind wissenschaftlich nicht belegt und daher irreführend. Teils sind sie verboten, weil eine Heilung von Krankheiten versprochen wird. Solch eine Werbung ist für Lebensmittel generell verboten. Vor diesem Hintergrund wird auch die amtliche Lebensmittelkontrolle aktiv. So wurde beispielsweise in Baden-Württemberg aufgrund der generell hohen Beanstandungsquote CBD-haltiger Nahrungsergänzungsmittel im ersten Halbjahr 2019 ein Sonderprogramm durchgeführt. Das Ergebnis: Von insgesamt 49 untersuchten Proben war lediglich ein Viertel nicht zu beanstanden. Die übrigen Proben wiesen Kennzeichnungsmängel auf oder wurden als nicht sicher beanstandet.

Was ist drin? Was macht Hanf ernährungsphysiologisch wertvoll?

Hanfsamen sind reich an Eiweiß und enthalten alle essentiellen Aminosäuren. Sie enthalten hochwertige Fettsäuren: Omega-6 Fettsäuren und Omega-3 Fettsäuren liegen im Verhältnis 2:1 bis 3:1 vor. Das ist ein für den Körper sehr günstiges Verhältnis. Außerdem sind Hanfsamen reich an Vitamin E, B1, B2 und B6. Hoch ist zudem der Gehalt an Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen. Hanfsamen  enthalten knapp 500 Kilokalorien pro 100 Gramm, Hanföl etwa 900 Kilokalorien pro 100 Milliliter.

Hanfprotein ist leicht verdaulich und gut verwertbar und kann als vollwertiger Ersatz für tierisches Eiweiß angesehen werden. Mit dieser Eigenschaft punktet Hanf besonders bei Vegetarier*innen und Veganer*innen.

Wichtig für Menschen, die Gluten oder Lactose nicht vertragen: Hanf ist gluten- und laktosefrei.

Fazit

Tatsächlich enthalten Hanfsamen sowohl wertvolle Omega-Fettsäuren in einem besonders günstigen Verhältnis, als auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Das ist aber auch bei zum Beispiel Distel-, Walnuss- oder Leinöl der Fall, die in der Regel preiswerter sind.

Warum wirken die Hanf-Produkte nicht berauschend?

Auf der ganzen Oberfläche der Pflanze, außer den Samen und Wurzeln, befinden sich Drüsenhaare. Diese bilden ein Harz, welches zu 80 bis 90 Prozent aus Cannabinoiden sowie ätherischen Ölen, hochpolymeren Phenolen, Terpenen und Wachsen besteht. Über 120 verschiedene Cannabinoide sind identifiziert. Die Hauptbestandteile sind

  • delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) – wirkt psychotrop,
  • Cannabidiol (CBD) – wirkt nicht psychotrop, hat aber je nach Dosis andere pharmakologische Effekte.

Die Konzentration von THC hängt hauptsächlich vom Pflanzentyp ab: Faserhanfsorten, und nur die dürfen für die Herstellung hanfhaltiger Lebensmittel verwendet werden, weisen einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent auf. Dieser Grenzwert ist EU-weit geregelt. Er bezieht sich allerdings lediglich auf den Faserhanfanbau und ist keinesfalls als zulässiger Grenzwert in Lebensmitteln anzuwenden

Deshalb ist auch beim Kauf von Hanfprodukten außerhalb der EU Vorsicht geboten. Hier könnten höhere Konzentrationen vorliegen. Gerade von extrakthaltigen Produkten geht eine erhebliche Gefahr aufgrund sehr hoher THC-Gehalte aus, bis hin in den Bereich der Rauschdosis. Vor allem Schwangere und Kinder sollten Hanfprodukte aus zweifelhaften Quellen meiden. Erhöhte THC-Werte führen zu Kopfschmerz, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden.

Weitere Informationen zum Thema Hanf

Hanf: Geschichte und Herkunft

Hanf (Cannabis Sativa L.) ist eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen der Welt. In China wurde sie schon vor mindestens 10.000 Jahren kultiviert. Über Indien und die antiken Hochkulturen gelangte das Gewächs nach Europa. Älteste Funde aus unseren Breiten sind mehr als 5.000 Jahre alt. Weltweit war und ist die Nutzpflanze vor allem wegen ihrer Stängel begehrt. Deren nahezu unverwüstliche Fasern werden zu Textilien und Papier, mittlerweile auch zu Dämmmaterialien und zu Verbundwerkstoffen beispielsweise für die Automobilindustrie verarbeitet. Seit Urzeiten bekannt ist auch der hohe Nährwert der schmackhaften Samen. Dennoch spielt die Hanf-Nutzung im Lebensmittelbereich eine Nebenrolle.

Hanf-Anbau

Botanisch gehört Hanf zur Familie der Cannabiceae (Hanfgewächse). Er ist ein naher Verwandter des Hopfens (lat. Humulus lupulus) und ähnlich robust wie dieser. Die schnell wachsenden Hanfpflanzen gedeihen in nahezu allen Regionen der Welt. Die höchsten Erträgt liefern sie in gemäßigtem Klima mit reichlich Wasser. In Europa und in Deutschland wurden der Cannabis-Besitz und der Hanf-Anbau im vorigen Jahrhundert in mehreren Schritten gesetzlich verboten. Derzeit sind 67 Hanfsorten für den Anbau in Deutschland zugelassen. Hierfür ist zwar keine Genehmigung erforderlich. Der Nutzhanfanbau darf jedoch ausschließlich durch Landwirte erfolgen und muss bei der zuständigen Landesstelle als Voraussetzung für den Erhalt der Betriebsprämie für die Nutzhanfflächen und bei der BLE zur Kontrolle des THC-Gehalts der angebauten Sorten angezeigt werden. 2019 haben 576 Betriebe den Anbau von rund 4500 Hektar angezeigt. Weltweit wird die Anbaufläche aktuell auf rund 100.000 Hektar geschätzt.

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