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Mit rund 1,1 Millionen Tonnen  Rindfleisch war Deutschland 2018 hinter Frankreich (1,5 Millionen Tonnen) der zweitgrößte Rindfleischerzeuger der EU.

Schwarzbunte Rinder fressen im Stall
Peter Meyer, BLE

Etwa die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland hält Rinder, um Milch, Fleisch oder beides zu erzeugen. Damit sind Rinder ökonomisch gesehen die wichtigsten Nutztiere der deutschen Landwirtschaft.  Die Rindfleischerzeugung belegt mit einem Produktionswert von 3,9 Milliarden Euro Rang fünf der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionszweige in Deutschland – hinter Milch, Schweinen, Getreide und Futterpflanzen.

Die Erzeugung von Biorindfleisch hat deutlich zugelegt. 59.200 Tonnen (Schlachtgewicht)  Biorindfleisch wurden 2018 erzeugt, das sind 5,3 Prozent  der gesamten Rindfleischproduktion in Deutschland.

Der Durchschnittsverzehr an Rind- und Kalbfleisch liegt bei knapp 10 Kilogramm pro Jahr und Bundesbürger, was etwa einem Sechstel des jährlichen Gesamtfleischverzehrs entspricht. Beliebter sind beim deutschen Verbraucher nur noch Schweine- (36 Kilogramm) und Geflügelfleisch (13 Kilogramm).

Wie werden Rinder gehalten?

Die Rindfleischerzeugung in Deutschland ist im Wesentlichen von zwei Haltungsformen geprägt: Etwa 46 Prozent des deutschen Rindfleischs stammt aus der Mastbullenhaltung, vor allem von Jungbullen im Alter zwischen ein und zwei Jahren. Weitere 34 Prozent entfallen auf (Alt-)Kühe aus Milchvieh- und Mutterkuhherden, die übrigen 20 Prozent auf Jungrinder (8 bis 12 Monate), Kälber (

Die Erzeugung von Rindfleisch ist eng mit der Milchviehhaltung verknüpft. Kälber und Rinder, die nicht für die Reproduktion der Milchviehherden nötig sind, werden der Rindfleischerzeugung zugeführt.

Regionale Schwerpunkte der Mastrinderhaltung sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Schleswig-Holstein. In diesen vier Bundesländern leben fast drei Viertel aller deutschen Mastbullen.

Im Durchschnitt halten deutsche Rindermästerinnen und -mäster nach Angaben des Thünen-Instituts 13 Tiere (2019) je Betrieb. Verglichen mit anderen Ländern ist das wenig. Nur zwei Prozent der Betriebe halten mehr als 100 Tiere, auf sie entfallen jedoch mehr als 30 Prozent  des Mastbullenbestands.

Das meiste Rindfleisch in deutschen Fleischtheken stammt von Jungbullen. Wie der Name schon sagt, ist der Jungbulle ein männliches Rind, das bei einem Gewicht von 550 bis 650 Kilogramm geschlachtet wird. In der Regel werden die Jungbullen mit Beginn der Mast in spezialisierten Mastbetrieben in Gruppen von sechs bis acht Tieren ohne Stroheinstreu auf sogenannten Vollspaltenböden gehalten. Dabei fallen Kot und Harn direkt durch die Spalten in den Güllekeller.

In der Bullenmast unterscheidet man vor allem zwischen drei Mastverfahren: der Intensiv-, der Wirtschafts- und der Weidemast:

Die Intensivmast ist in spezialisierten Bullenmastbetrieben am weitesten verbreitet. Dabei wird das hohe Wachstumspotenzial der Bullen durch eine sehr nährstoffreiche Fütterung mit energiereicher Maissilage als Grundfutter und Kraftfutterergänzung von Anfang an voll ausgeschöpft. Bei intensiver Haltung erreicht ein Jungbulle das Schlachtalter nach etwa 18 Monaten.

Die Wirtschaftsmast strebt dagegen hohe Gewichtszunahmen erst zu einem späteren Zeitpunkt der Mast an. Dann können die Tiere mehr Futter aufnehmen und ihr Nährstoffbedarf lässt sich besser über das hochverdauliche Grundfutter decken. Das erzeugen die meisten Landwirtinnen und Landwirten auf den Flächen ihres eigenen Betriebs. Dementsprechend weniger teures Kraftfutter müssen sie füttern.

Bei der Weidemast werden die Tiere saisonal oder ganzjährig auf der Weide gehalten. Nur in den Wintermonaten und in der Endphase der Mast wird zugekauftes Futter verwendet. Die Weidemast hat in Deutschland allerdings nur wenig Bedeutung.

Was fressen Mastrinder?

Silo angeschnitten mit Silofolie
Angebrochenes Fahrsilo

Das Grundfutter für die Rinder erzeugen Landwirtinnen und Landwirte überwiegend selbst auf den Flächen ihrer Betriebe. Zum Grundfutter zählen Gräser, Kräuter und Pflanzen des Feldfutterbaus wie Mais. Es wird frisch, siliert oder getrocknet angeboten.

Das Grundfutter alleine wird den Bedürfnissen des Mastviehs, vor allem in der Intensivmast, nicht gerecht. Deshalb fügt man Kraftfutter zu – zum Beispiel Soja, Ackerbohnen, Erbsen, Getreide, Biertreber oder Zuckerrübenschnitzel. Soja wird meist aus Südamerika und den USA importiert, wo fast ausschließlich genveränderte Sorten angebaut werden.

Im Ökolandbau sind Futtermittel, die gentechnisch veränderte Pflanzen oder Zusatzstoffe enthalten verboten. Es darf jedoch ein geringer Teil des Futters aus konventioneller Erzeugung stammen, vor allem, wenn eine ausreichende Versorgung mit Futter aus ökologischer Erzeugung nicht möglich ist.

Ökologische Rinderhaltung

Ausnahme ist die ökologische Rindermast. Nach der EU-Öko-Verordnung darf Rindfleisch, das mit dem Bio-Siegel vermarktet wird, nur in Weidehaltung erzeugt werden. Die Tiere müssen nach Möglichkeit ganzjährig, zumindest aber im Sommer auf der Weide leben. Nur die Endmast der Rinder darf bis zu maximal drei Monaten auch ausschließlich im Stall erfolgen.

In der ökologischen Rindermast ist die Mutterkuhhaltung weit verbreitet, bei der das Kalb von der Geburt bis zum Absetzen im Alter von etwa sechs bis zehn Monaten bei der Mutter bleibt.

Auch die Mast von Ochsen, also kastrierten männlichen Rindern, und Färsen spielt hier eine deutlich größere Rolle als in der konventionellen Rindermast, da sie – im Gegensatz zu Bullen problemlos auf der Weide gehalten werden können.

Autor: Udo Censkowsky, Polling; Überarbeitung: Antje Elfrich, Brühl

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