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Qualifikationen für Ernährungsberaterinnen

Für viele ist Ernährungsberater*in ein Traumberuf. In Deutschland ist die Bezeichnung jedoch nicht geschützt. Welche Wege führen zum Erfolg und zur Qualitätssicherung der gesamten Branche?

Junge Frau, Mädchen mit langen blonden Haaren im Hörsaal
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Begleitend zum Megatrend Ernährung und Gesundheit schießen Ernährungsberater*innen wie Pilze aus dem Boden. Das ist problematisch, denn Begriffe wie Ernährungsberater*in oder Ernährungstherapeut*in sind in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. Daher darf sich im Prinzip jede oder jeder so nennen - auch ohne fundierte Ausbildung oder ernährungswissenschaftliches Studium.

„Ernährungsberater“ gesetzlich nicht geschützt

So locken viele private Fortbildungsinstitute mit Wochenendseminaren oder Fernlehrgängen, eigenen Zertifikaten oder Lizenzen und dem Abschluss „Ernährungsberater“. Absolvent*innen solcher Angebote können ihre Dienstleistungen auf dem freien Markt anbieten. Verbraucher*innen, die sie in Anspruch nehmen, wissen jedoch nicht, wie seriös oder unseriös diese Dienste sind. Manchmal geht es sogar in erster Linie um die Vermarktung von Diäten oder Nahrungsergänzungsmitteln.

Und auch für gut qualifizierte Ernährungsfachkräfte ist diese Entwicklung ungünstig: Sie müssen sich mit ihrer Expertise auf einem undurchsichtigen Markt behaupten und gegenüber weniger qualifizierten Mitbewerbern behaupten. Das gelingt am besten durch anerkannte Zertifikate, offensives Marketing und eine gute Vernetzung untereinander.

Grundqualifikation durch Ausbildung oder Studium

Wer sich von der Konkurrenz abheben und als Ernährungsberater*in erfolgreich selbstständig sein möchte, sollte auf die Kooperation mit Krankenkassen bauen. Dazu braucht es anerkannte Qualifikationen und Zertifizierungen. Das gilt für die Ernährungsberatung, also präventive Leistungen für Gesunde ohne ärztliche Weisung. Und das gilt erst recht für die Ernährungstherapie auf ärztliche Anweisung bei Ernährungsproblemen, die mit einer Erkrankung zusammenhängen.

Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die Kosten einer Ernährungsberatung nur dann, wenn die Ernährungsfachkraft eine Grundqualifikation nachweist. Die einzige staatlich anerkannte Ausbildung hierfür ist in Deutschland der Fachschulabschluss als Diätassistent*in. Anerkannte Studienabschlüsse sind Bachelor, Master oder Diplom in den Fachrichtungen Oecotrophologie oder Ernährungswissenschaften. Eine weitere Berufsgruppe sind Ärzt*innen, die sich nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer fortgebildet haben.

Zusatzqualifikation durch Zertifizierung

Zusätzlich zu diesen Abschlüssen müssen die Ernährungsfachkräfte durch ein Zertifikat nachweisen, dass sie sich durch Fortbildungen für die Ernährungsberatung qualifiziert haben und regelmäßig weiterbilden. Es gibt vier anerkannte Zertifikate und eine Registrierung:

Mit diesen Zertifikaten stellen die Krankenkassen eine verbindliche Qualität in der Ernährungsberatung sicher. Denn die Tätigkeit als Ernährungsberaterin*in oder Ernährungstherapeut*in erfordert ein fundiertes Fachwissen in Ernährungswissenschaften, Biochemie, Pathophysiologie, Ernährungsmedizin, Diätetik, Lebensmittelkunde und -kennzeichnung.

Ebenso wichtig und daher Bestandteile der Zertifizierungen sind gute Kenntnisse in Psychologie und Kommunikation. Schließlich benötigen die Ratsuchenden nicht nur Informationen, sondern sollen zu tiefgreifenden Verhaltensänderungen motiviert werden. Das gelingt nur mit einer klugen Gesprächsführung und auf die Bedürfnisse und Probleme der Klienten zugeschnittenen Didaktik und Methodik.

Leitfaden Prävention, Bestandsschutz und ZPP

Der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes enthält alle wichtigen Regelungen für die Leistungen der Krankenkassen in der individuellen Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung. Dazu gehören auch die Bestimmungen zu den Anbieterqualifikationen: Ernährungsfachkräfte sollten ursprünglich bis zum 30. September 2020 einen Berufs- oder Studienabschluss nachweisen, der die nötigen fachlichen Kompetenzen garantiert, sowie ein gültiges anerkanntes Zertifikat. Außerdem sollten ihre Kurse oder Angebote zur Einzelberatung von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) bis zum diesem Termin geprüft worden sein. Aufgrund der Coronakrise wurde dieser Stichtag auf den 31. Dezember 2020 verschoben (s. Coronakrise).

Wer dieses Voraussetzungen erfüllt und bis zu diesem Tag bereits in der Datenbank Gesundheitskurse gelistet ist, erhält eine lebenslange Anerkennung, den so genannten Bestandsschutz. Alle anderen müssen entweder ein eigenes Konzept entwickeln und prüfen lassen. Das ist mit hohem Aufwand verbunden.

Stattdessen können Ernährungsfachkräfte bereits von der ZPP geprüfte Kurskonzepte nutzen. Die finden registrierte Nutzer auf der Website der ZPP. Oder sie informieren sich bei ihren Berufsverbänden bzw. Zertifikatgebern. Diese bieten Kursleiterschulungen zu ihren Präventionskursen an. Nach Absolvierung solcher Schulungen können Ernährungsberater*innen die Kurse gegen eine Lizenzgebühr durchführen.

Antworten auf viele Detailfragen rund um die Erstellung und Prüfung von Präventionskursen beantwortet auch ein sehr umfangreiches FAQ der ZPP.

Coronakrise

Weil Tagungen, Fortbildungen und Seminare wegen der Coronakrise abgesagt werden mussten, hatten Ernährungsfachkräfte auf dem Weg zur Zertifizierung Sorge, den Stichtag 30.09.2020 nicht einhalten zu können. Auf Betreiben der Berufsverbände und in Absprache mit den Krankenkassen hat der GKV-Spitzenverband den Stichtag um drei Monate nach hinten bis zum 31.12.2020 verschoben. Auch die Präsenzpflicht für Zertifikatslehrgänge und Kursleiterschulungen wurde aufgehoben. Stattdessen können diese nun auch im digitalen Raum als Videokonferenz oder Webinar stattfinden. Über weitere Details und Sonderregelungen informieren die Berufsverbände und Zertifikatgeber.

Die wichtigsten Beschlüsse finden sich auf der Website der GKV Fokus Corona: Sonderregelungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus (unter dem Stichwort "Prävention").

Gabriela Freitag-Ziegler, Bonn

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Titelbild Ernährung im Fokus Ausgabe 3-4/2018
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Fachzeitschrift Ernährung im Fokus Erfolgreich in die Selbstständigkeit

Immer mehr Ernährungsfachkräfte machen sich auf den Weg in die Freiberuflichkeit. Für den Start in eine qualifizierte Selbstständigkeit als Ernährungsberater sind viele Vorbereitungen notwendig. Für Berufsanfänger und Quereinsteiger ist die Vielzahl an Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten, anerkannten und nicht anerkannten Fortbildungen und Abschlüssen sowie formalen Regelungen kaum überschaubar. Was ist wirklich wichtig?

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