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Judith Pulg | Fotografie

(BZfE) – In Corona-Zeiten essen Kinder anders. Viele greifen häufiger zu Süßigkeiten, bewegen sich weniger und bringen dadurch mehr Pfunde auf die Waage. In sozial benachteiligten Familien ist das Risiko für eine Gewichtszunahme mehr als doppelt so groß, lässt eine Umfrage des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Technischen Universität München (TUM) vermuten. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa hatten die Wissenschaftler im September 2020 1.000 Elternteile von Kindern bis 14 Jahre zu ihren aktuellen Lebensgewohnheiten befragt und die Ergebnisse kürzlich im Fachjournal „Annals of Nutrition and Metabolism“ veröffentlicht.

Wenn Familien aufgrund von Homeoffice und Homeschooling mehr Zeit zu Hause verbringen, achten sie möglicherweise mehr auf die Auswahl von Lebensmitteln und Getränken. Selbstgekochte Speisen ersetzen das Essen in Kantine, Schule und Kita. Das haben auch die Ergebnisse der Umfrage bestätigt: Rund 30 Prozent der Familien gaben an, mehr zu Hause zu kochen. 14 Prozent ernährten sich gesünder als vor der Pandemie. Die Kinder aßen mehr Gemüse (14 %) und Obst (20 %), aber weniger Fleisch und Wurstwaren (13 %).

Gleichzeitig nahm aber auch der Konsum von salzigen Knabbereien (18 %), Süßigkeiten (20 %) und Softdrinks (18 %) zu, vor allem bei über 10-Jährigen und Jungen. Das spiegelt sich auch im Körpergewicht wider. Rund neun Prozent der Kinder hatten seit Beginn der Corona-Pandemie an Gewicht zugelegt. Besonders hoch war der Anteil bei Kindern aus Familien mit geringerem Bildungsstand (23 %). Sie hatten ein 2,5-fach höheres Risiko für eine Gewichtszunahme. Generell legten Schulkinder häufiger an Gewicht zu als Mädchen und Jungen im Vorschulalter. Bei den 10- bis 12-Jährigen lag der Anteil bei 19 Prozent, wobei deutlich mehr Jungen (24 %) als Mädchen (13 %) betroffen waren.

Rund 38 Prozent der Kinder bewegten sich weniger, bei den 10- bis 14-Jährigen waren es sogar 60 Prozent.

Langeweile, Stress und soziale Isolation können dazu führen, dass Kinder mehr energiereiche Snacks und Softdrinks konsumieren und mehr Zeit vor dem Computer und Fernseher verbringen. Werden über einen längeren Zeitraum mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht, steigt das Körpergewicht und das Risiko für Übergewicht und Adipositas. Offenbar scheinen sozial benachteiligte Familien und Schulkinder ab 10 Jahren stärker betroffen zu sein.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es notwendig, vor allem Risikogruppen gezielt mit Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu unterstützen, die alle Kinder erreichen können, um langfristigen negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

Annals of Nutrition and Metabolism, Online-Vorabveröffentlichung (doi: 10.1159/000514186) vom 26. Januar 2021; Ergebnisse der Forsa-Studie vom 16. Oktober 2020

www.ekfz.tum.de

www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/in-bestimmten-lebensphasen/wenn-kinder-kein-gemuese-moegen/

Der Frage, wie Übergewichtsprävention für Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozio-ökonomischem Status besser gelingen kann, geht die Plattform Ernährung und Bewegung (peb) auf einem Kongress „Raus aus dem Präventionsdilemma!?“ nach. Er findet am 24. Februar 2021 statt: https://www.pebonline.de/

 

Heft „Das beste Essen für Kinder - Empfehlungen für die Ernährung von Kindern“, Bestell-Nr. 1447_DL, im Download, Preis: 2,50 Euro
www.ble-medienservice.de/1447/das-beste-essen-fuer-kinder-empfehlungen-fuer-die-ernaehrung-von-kindern?c=45

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