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(BZfE) – Wenn Kinder fernsehen oder das Internet nutzen, sehen sie durchschnittlich 15 Werbespots und Anzeigen für „ungesunde“ Lebensmittel am Tag, hat eine Studie der Universität Hamburg gezeigt.

Die Wissenschaftler hatten Werbekontakte von Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren untersucht – von März 2019 bis Februar 2020 für das Internet und von Juni bis September 2019 für das Fernsehen. Neben eigenen Erhebungen standen auch Daten eines Marktforschungsunternehmens zum Surfverhalten im Internet und zur Reichweite bestimmter Webseiten auf dem Prüfstand. Die Bewertung der Lebensmittel als „gesund“ und „ungesund“ erfolgte nach dem „Nutrition Profile“-Modell der Weltgesundheitsorganisation.

Rund 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder im Internet und TV wahrnehmen, beziehen sich auf Fastfood, Snacks und Süßigkeiten (Fernsehen 89 %, Internet 98 %). Im Internet nehmen soziale Medien eine Schlüsselrolle im Kindermarketing ein: Über 10 Milliarden Mal im Jahr erreichen Posts für „ungesunde“ Produkte in Deutschland ihre Zielgruppe. Vermutlich ist die Reichweite noch höher, da die Beiträge von Freunden im Netzwerk geteilt werden. Auf Youtube erfolgt die Werbung für „Ungesundes“ mit Kindermarketing zu 67 Prozent durch Influencer. Meist ist von „Produkttests“ die Rede. Das ändert aber nichts am werbenden Charakter der Videos und steigert sogar noch deren Wirkung, erklären die Wissenschaftler. Beliebte Inhalte sind zum Beispiel Wettbewerbe und Spiele mit Fastfood und Süßigkeiten.

Auch das Fernsehen spielt nach wie vor als Werbemedium eine wichtige Rolle. Rund 70 Prozent der untersuchten Lebensmittelspots richten sich durch ihre Aufmachung oder ihr Sendeumfeld speziell an Kinder. Kinder sehen heute ähnlich viele Fernsehwerbespots für „ungesunde“ Produkte am Tag wie im Jahr 2007. Allerdings hat die durchschnittliche Fernsehzeit seitdem von 152 auf 120 Minuten abgenommen. Das bedeutet, pro Stunde werden 29 Prozent mehr Spots ausgestrahlt.

Die Basis für ein gesundes Essverhalten wird in der Kindheit gelegt. Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und der AOK-Bundesverband fordern angesichts der aktuellen Zahlen ein gesetzlich verankertes Verbot von Kindermarketing für „Dickmacher“. Einige skandinavische Länder haben das bereits umgesetzt.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

www.dank-allianz.de

Projektbericht „Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel in Internet und TV“ (Stand: März 2021)

www.bzfe.de/service/news/aktuelle-meldungen/news-archiv/meldungen-2020/oktober/weniger-werbung-fuer-ungesunde-lebensmittel-gefordert/

Unterrichtsmaterial „Verkaufstricks im Supermarkt – Mit mir nicht“, Bestell-Nr. 1642, 4,50 Euro, www.ble-medienservice.de/1642/verkaufstricks-im-supermarkt-mit-mir-nicht

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