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Unternehmen Ernährungsberatung

Selbstständige Ernährungsberater müssen sich gut um die Finanzplanung kümmern und mit Steuern und Versicherungen auskennen. Dazu kommt ein professionelles Marketing und intensives Netzwerken.

Ernährungsberaterin mit Gemüse
nenetus / adobe.stock.com

In Deutschland ist es wegen der fehlenden rechtlichen Regelungen und Auflagen leichter, eine Praxis für Ernährungsberatung zu eröffnen als einen Friseursalon. Daher ist die Konkurrenz groß und tummeln sich nicht nur Ernährungsfachkräfte auf dem Markt. Vor dem Erfolg steht also eine sorgfältige Planung mit Gründungs- und Geschäftskonzept. Dabei sind unzählige Weichenstellungen zu treffen und Fragen ehrlich zu beantworten, zum Beispiel:

  • Welche Leistungen kann und möchte ich anbieten?
  • Führe ich meine Praxis allein oder mit anderen?
  • Wie soll mein Unternehmen heißen?
  • Wo ist der beste Standort?
  • Wie ist die Konkurrenzsituation in meinem Umfeld?
  • Wie hoch ist mein Kapitalbedarf?
  • Welcher Umsatz ist in welchem Zeitraum realistisch? 

Niemand muss diesen Berg allein bewältigen. Es gibt viele gute Bücher und Informationen im Netz zum Thema Gründung. Und es gibt spezielle Gründercoachings, für die sogar Zuschüsse gezahlt werden: So fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Existenzgründungsberatungen vor dem Start und in den ersten Jahren danach.

Kapitalbedarf und Finanzierung planen

Um spätestens nach zwei bis drei Jahren Gewinne zu erzielen, sollten Gründer*innen ein schlüssiges Finanzkonzept entwickeln. Das berücksichtigt auf der Ausgabenseite Investitionskosten wie Möbel, technische Geräte, die Entwicklung von Logo und Homepage sowie laufende Betriebskosten. Dazu zählen Miete, Versicherungen und Weiterbildung.

Auf der Einnahmenseite stehen das Eigen- und Fremdkapital sowie das Geld aus den zu erwartenden Umsätzen. Außerdem gibt es spezielle Fördergelder, zum Beispiel Existenzgründungsdarlehen. Sie werden über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwaltet und über Banken beantragt.

Bezieher*innen von Arbeitslosengeld können Gründungszuschüsse erhalten. Wichtig zu wissen: Solche Kredite und Gelder müssen immer vor dem offiziellen Start beantragt werden.

Businessplan schreiben

Um all das besser kalkulieren zu können und das passende Konzept für das eigene „Unternehmen Ernährungsberatung“ zu finden, ist ein Businessplan notwendig. Er ist zugleich die Grundlage für die Bewilligung von Krediten und Zuschüssen.

Ein Businessplan beschreibt alle Details, die für die Gründung und Führung des geplanten Unternehmens wichtig sind: Von der Geschäftsidee über die Konkurrenzanalyse bis zur Finanzierung - belegt mit Zahlen und Fakten. Das macht ihn nicht nur zum „Muss“ vor dem Start, sondern auch zum hilfreichen Kontrollinstrument, wenn die Sache angelaufen ist. So können Selbstständige ihre Ziele weiter genau verfolgen und an wichtigen Stellschrauben nachjustieren.

Steuerpflichten kennen

Wer sich selbstständig macht, muss sich beim zuständigen Finanzamt anmelden und einen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllen. Ernährungsberater*innen, die nur Dienstleistungen anbieten, betrachtet das Finanzamt als Freiberufler. Sie müssen kein Gewerbe anmelden und keine Gewerbesteuer zahlen. Das sieht anders aus, wenn jemand zusätzlich Waren wie Nahrungsergänzungsmittel oder Formula-Diäten verkauft.

Ordner Finanzamt

Alle Selbstständigen müssen Einkommenssteuer zahlen. Ihre Höhe richtet sich nach dem Gewinn, also der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben.

Inwieweit Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer anfallen, kommt darauf an: Beratungen, die auf ärztliche Anordnung (so genannte Notwendigkeitsbescheinigung) erfolgen, sind von der Umsatzsteuer befreit. Das gilt auch für Kleinunternehmer, die weniger als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften. Ob es sinnvoll ist, diese „Kleinunternehmerregelung“ in Anspruch zu nehmen, wissen Steuerberatungsbüros.

Beratungen und Dienstleistungen, die der Prävention dienen, sind dagegen umsatzsteuerpflichtig. Dazu gehören zum Beispiel Gruppenschulungen, BGF-Maßnahmen oder journalistische Tätigkeiten.

Bitte von Anfang an beachten: Für Nachprüfungen des Finanzamtes müssen alle steuerrelevanten Unterlagen (auch die Notwendigkeitsbescheinigungen) mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden.

Versicherungen für alle Fälle?!

Das Thema Versicherungen ist vielen lästig, für Selbstständige aber noch wichtiger als für Angestellte. Einen ersten Überblick vermitteln zum Beispiel die Publikationen GründerZeiten des BMWi und „Erfolgreich selbstständig als Ernährungsfachkraft“ (siehe Buchtipp). Im zweiten Schritt gilt es, die eigenen Prioritäten zu ermitteln und sich sein persönliches Versicherungspaket zu schnüren. Dabei helfen Versicherungsexperten, die alle aktuellen Änderungen kennen. Hier ein paar Fakten zu den geläufigsten Versicherungen.

Versicherungen

Krankenversicherung

Als Selbstständige haben Sie die Wahl, sich gesetzlich oder privat zu versichern. Die Beitragshöhe richtet sich in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach der Höhe Ihres Verdienstes. In der privaten Krankenversicherung (PKV) hängt sie vom Eintrittsalter und dem persönlichen Gesundheitszustand ab. Wenn Sie von der GKV in die PKV wechseln möchten, informieren Sie sich gründlich über deren Tarife und Leistungen. Den Verdienstausfall bei Krankheit - Krankengeld (GKV) bzw. Krankentagegeld (PKV) - decken Sie durch zusätzliche Beiträge ab. 

Berufsunfähigkeitsversicherung

Für den Fall, dass Sie Ihren Beruf krankheitsbedingt nicht mehr ausüben können, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Die Beiträge hierfür richten sich nach ihrem Alter, Gesundheitszustand, der Laufzeit (je früher desto geringer) und der Höhe der Zahlungen, die Sie im Ernstfall erhalten möchten. Bei Staffelsystemen erhalten Sie einen Teil der Rente schon bei einer 25-prozentigen Berufsunfähigkeit.

Berufshaftpflichtversicherung

Unverzichtbar ist eine Berufshaftpflichtversicherung. Sie hilft, wenn sich jemand in Ihrer Praxis verletzt oder Sie bei beruflichen Aktivitäten außer Haus Schäden verursachen. Die Berufsverbände Verband der Diätassistenten und der Berufsverband Oecotrophologie (Infos im Passwort-geschützten Mitgliederbereich) bieten ihren Mitgliedern spezielle Berufshaftpflichtversicherungen zu vergünstigten Konditionen an.

Inventarversicherung

Diese Versicherung ist eine Art Hausratversicherung für das betriebliche Inventar. Sie sichert Ihre Praxiseinrichtung gegen Risiken durch Feuer, Einbruch/Diebstahl, Leitungswasser, Sturm und Hagel ab.

Berufsgenossenschaft

Wenn Sie Mitarbeiter*innen beschäftigen, versichern Sie diese gegen Arbeits- und Wegeunfälle. Dazu müssen Sie sich innerhalb einer Woche nach dem Start Ihrer Praxis bei Ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden. Wenn Sie vor allem in der Prävention tätig sind, wenden Sie sich an die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Wenn Sie vor allem in der Therapie tätig sind, wenden Sie sich an die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Altersvorsorge ernst nehmen

Wann sie „in Rente“ gegen, bestimmen Unternehmer*innen selbst. Doch sie müssen sich im Gegensatz zu Angestellten auch selbst um ihre Altersvorsorge kümmern. Für Angestellte ist diese weitgehend durch die gesetzliche Rentenversicherung abgedeckt. Für selbstständige Ernährungsfachkräfte besteht keine Rentenversicherungspflicht. Es sei denn, sie sind überwiegend in der Lehre oder betrieblichen Gesundheitsförderung tätig. Davon abgesehen muss sich jeder privat darum kümmern, im Ruhestand finanziell gut versorgt zu sein. Auch hier ist die gesetzliche Rentenversicherung ein wichtiger Baustein. Freiwillig Versicherte können ihre Beiträge jedoch in gewissen Grenzen selber festlegen.

Altersvorsorge Puzzle

Die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung deckt aber nur die Grundversorgung ab. Daher braucht es weitere Rücklagen, zum Beispiel durch eine Privat-, Riester- oder Rürup-Rente. Und auch mit Geldanlagen in Immobilien, Sparverträge oder Lebensversicherungen lässt sich für später vorsorgen.

Die wichtigsten Informationen zur Rente finden sich auf den Internetseiten der Deutschen Rentenversicherung. Hierüber lassen sich auch Beratungstermine bei neutralen Rentenberatern vor Ort vereinbaren.

Professionelles Marketing gehört dazu

Ernährungsfachkräfte stehen heute vielen Mitbewerber*innen gegenüber, die gleiche oder ähnliche Leistungen anbieten. Und sie stehen einer Kundschaft gegenüber, die entscheidet, an wen sie sich wendet. Ein professionelles Marketing ist daher unverzichtbar - vor allem in der Startphase.

Alles fängt mit der Herausarbeitung eines unverwechselbaren Profils an: Was ist das Besondere an mir und meinem Angebot? Das Ergebnis ist eine Corporate Identity. Hierzu gehören der Name des Unternehmens, ein durchgehendes Design und eine gut durchdachte Kommunikation nach außen.

Wichtig ist außerdem: Das Marketing orientiert sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppen: So brauchen Menschen, die eine Einzelberatung suchen, eine andere Ansprache als Ärzte oder Inhaber von Handwerksbetrieben, in denen man BGF anbieten möchte.

Es gibt unzählige Maßnahmen, die zum Erfolg beitragen. Manches gehört zur Pflicht, anderes ist eher Kür:

  • An einer gut gemachten Homepage geht kein Weg vorbei. Sie ist zugleich Aushängeschild und Kontaktmöglichkeit. Am einfachsten lässt sie sich mit Hilfe von Webdesignern entwickeln und realisieren.
  • Gehobene Kür ist ein eigener Blog, der mit der Homepage verknüpft ist: Durch regelmäßige Artikel zeigen Ernährungsfachkräfte, die gerne schreiben, ihre Expertise oder erlauben Einblicke in ihren Arbeitsalltag.
  • Ergänzt werden Homepage und Blog durch Aktivitäten in den Sozialen Medien. Das kostet zwar kein Geld, aber Zeit. Diese Zeit wird jedoch sinnvoll in die Profilierung und das Netzwerken investiert. Sie ist für viele Kommunikationsprofis daher eine Pflichtübung. 
  • Klassische Werbung kostet dagegen Geld, kann aber zum Geschäftserfolg beitragen. Dazu gehören Anzeigen in lokalen Zeitungen, Flyer und Postkarten, Mailings, Visitenkarten, Aufdrucke auf dem eigenen Auto.
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Königsdisziplin. Professionell gemacht lassen sich hierüber Themen in die Öffentlichkeit bringen, die Ernährungsprofis am Herzen liegen. Wer sich als Expert*in einen Namen gemacht hat, kann sich zum gefragten Interviewpartner entwickeln. Das fördert die Außenwirkung und führt im Idealfall zu neuen Aufträgen.Nicht jedes Mittel passt zu jedem und die Auswahl ist riesig. Es lohnt daher, sich eingehender in das Thema Marketing einzulesen, mit Berufskolleg*innen auszutauschen oder in Seminaren fortzubilden.

Erfolgreich im Netzwerk

Beispiele von erfolgreichen Ernährungsberater*innen zeigen: Intensives Netzwerken ist für den wirtschaftlichen Erfolg von Selbstständigen enorm wichtig. Es dient aber auch dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Hilfe.

Spielfiguren vernetzt

Mittlerweile denken die meisten beim Stichwort Netzwerken an die digitale Form via Soziale Medien. Netzwerken funktioniert aber auch heute noch ganz analog: Im direkten Kontakt mit anderen Gesundheitsanbietern vor Ort. Durch die Präsenz auf Aktionstagen, auf Tagungen und Messen, bei Treffen von Berufsverbänden.

Oft gehen analog und digital dabei Hand in Hand. Wer auf einem Ernährungskongress spannende Menschen kennengelernt hat, wird sich im Anschluss daran auf relevanten Social-Media-Kanälen mit ihnen vernetzten.

Wichtige Anlaufstellen für Ernährungsfachkräfte sind die Berufsverbände. Der Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) vertritt die Interessen der Diätassistent*innen. Der Berufsverband Oecotrophologie e. V. (VDOE) vertritt die Interessen von Oecotropholog*innen sowie Haushalts- und Ernährungswissenschaftler*innen mit einem Diplom, Bachelor oder Master als Studienabschluss. Auch Fachgesellschaften und andere Verbände (siehe Linkliste) sind wertvolle Netzwerkpartner.

Sie alle informieren auf ihren Webseiten, über die sozialen Medien und in Printveröffentlichungen über Ernährungs- und berufspolitische Themen. Sie bieten Fortbildungen, Tagungen, Arbeitskreise und/oder Materialien für die Beratung an. Manche listen ihre Mitglieder in öffentlichen Online-Datenbanken auf. Ein toller Service, der zu Aufträgen führen kann.

Spezielle Beraternetzwerke unterstützen beim Einstieg in die Selbstständigkeit, beim Marketing und stellen Beratungskonzepte und -materialien zur Verfügung. Beispiele sind das Richtig essen Institut und das Netzwerk Dr. Ambrosius – Studio für Ernährungsberatung.

Teilselbstständigkeit

Viele Ernährungsberater*innen arbeiten „nebenbei“ selbständig: Parallel zu einer festen Anstellung, während ihrer Elternzeit oder um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Eine solche Teilselbstständigkeit oder Nebentätigkeit hat Vor- und Nachteile. Sie ermöglicht ein Ausprobieren, ob und wie das selbstständige Arbeiten funktioniert. Oft passt sie perfekt in die Familienphase mit kleinen Kindern. Und wer parallel in seinem Hauptjob Geld verdient, scheint finanziell erst einmal abgesichert.

Auf der anderen Seite rechnen sich Investitionen und laufende Kosten weniger, wenn nur stundenweise dafür gearbeitet wird. Das gilt auch für die Zeit, die zum Schreiben von Angeboten und Rechnungen, für Marketing und Netzwerken anfällt. So kann die Arbeitsbelastung insgesamt viel höher als erwartet ausfallen.

Definieren Sie daher auch vor dem Einstieg in die Teilselbstständigkeit Ihre Ziele und Erwartungen. Informieren Sie sich über Rechte und Pflichten und sprechen Sie offen mit Ihrem Arbeitgeber darüber, wenn Sie weiterhin angestellt arbeiten.

 

 

Autorin: Gabriela Freitag-Ziegler, Bonn

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Titelbild Ernährung im Fokus Ausgabe 3-4/2018
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Lesetipp

Fachzeitschrift Ernährung im Fokus Erfolgreich in die Selbstständigkeit

Immer mehr Ernährungsfachkräfte machen sich auf den Weg in die Freiberuflichkeit. Für den Start in eine qualifizierte Selbstständigkeit als Ernährungsberater sind viele Vorbereitungen notwendig. Für Berufsanfänger und Quereinsteiger ist die Vielzahl an Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten, anerkannten und nicht anerkannten Fortbildungen und Abschlüssen sowie formalen Regelungen kaum überschaubar. Was ist wirklich wichtig?

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Buchtipps

Erfolgreich selbstständig als Ernährungsfachkraft

Buchcover Erfolgreich selbstständig als Ernährungsfachkraft

Dieses umfangreiche Buch nimmt Ernährungsfachkräfte mit Schwerpunkt Ernährungsberatung/-therapie auf ihrem Weg in und durch die Selbstständigkeit in quasi allen Lebenslagen an die Hand. Es ist gleichzeitig ein großartiger Fundus an Informationen sowie ein empathischer Ratgeber für persönliche Probleme, die selbstständiges Arbeiten mit sich bringen kann.

 

 

Birgit Blumenschein, Susanne Klein (Hrsg.)
Thieme, 2019
320 Seiten
ISBN: 978-3132426535
Preis: 59,99 Euro (Hardcover)

Gute Praxis für Ernährungsberatung und -therapie

Buchcover Gute Praxis für Ernährungsberatung und -therapie

Der vom Berufsverband Oecotrophologie herausgegebene Ratgeber versammelt die Porträts von elf erfolgreichen KollegInnen, die selbstständig in der Ernährungsberatung und - therapie tätig sind: Ihre Werdegänge, Erfahrungen und persönlichen Empfehlungen an alle, die ähnliche Wege gehen möchten.

 

 

Berufsverband Oecotrophologie (Hrsg.)
Umschau Zeitschriften Verlag, 2018
96 Seiten
ISBN: 978-3930007394
Preis: 14,90 Euro (Softcover)