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Als Ernährungswissenschaftlerin habe ich mich daran gewöhnt, mit Fragen zu Ernährung und Lebensmitteln bombardiert zu werden. Manchmal muss ich passen oder nachlesen, aber neulich hatte ich die Antwort - zumindest weitgehend - parat. Die Frage lautete: „Sag mal, Julia, kann man eigentlich auf der Packung erkennen, woher die Milch kommt?“

Herkunftskennzeichnung Milch
Julia Icking, Bonn

Ja, man kann. Und zwar anhand des kleinen, ovalen Zeichens, dass auf jeder Milchverpackung angegeben ist. Auf dem Tisch steht eine Milchtüte. Die Kennzeichnung lautet: DE - HE 005 - EG. Das heißt also, die Milch kommt aus Deutschland (DE), genauer gesagt aus Hessen (HE). EG steht für Europäische Gemeinschaft. Der Fragende ist an dieser Stelle schon zufrieden.

Ich dagegen möchte herausfinden, wofür das Zahlenkürzel steht. Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es irgendwo eine Liste, die diese Nummer einer Molkerei zuordnet. Und richtig - beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit werde ich fündig. Hier gibt es Listen der zugelassenen Betriebe für den Handel mit Lebensmitteln. Um die Molkerei zu finden, klicke ich mich in den Unterbereich "Rohmilch und Molkereierzeugnisse". Die Liste ist nicht besonders übersichtlich, aber durchsuchbar. Die dreistellige Nummer 005 scheint eine "alte Zulassungsnummer" zu sein. Ich gebe sie ein und finde heraus, dass meine Milch aus einer Molkerei im hessischen Willingen kommt.

Weitere Informationen auch über neue und alte Zulassungsnummern bietet der Artikel Identitäts- und Genusstauglichkeitskennzeichen.

Welche Höfe liefern die Milch?

Molkerei, Land und Bundesland finde ich also ziemlich einfach heraus. Ganz zufrieden bin ich aber noch nicht, denn am liebsten wüsste ich, welcher Hof meine Milch erzeugt hat. Um das herauszufinden, suche ich die Website der Molkerei. Ich erfahre, wo die Milchbauern ihre Höfe haben und welche Auflagen sie speziell für diese Molkerei erfüllen müssen. Ich lese, dass es sich um eine Genossenschaft handelt. Die Molkerei gehört also den Bauern und sie bekommen einen fairen Preis für ihre Milch.

Auf der Website gibt es jede Menge Hofportraits. Aber natürlich kann ich nicht genau sehen, welcher Hof meine Milch erzeugt hat, denn in der Molkerei wird die Milch der verschiedenen Betriebe gemischt. Ein großer Tanklastwagen mit Anhänger kann Milch von mehr als 20 Höfen einsammeln und bringt die rund 24.000 Kilo dann zur Molkerei. Letztes Jahr im Urlaub konnten wir jeden Morgen zugucken, wie der Wagen vorfährt, der Fahrer ein paar Kennzahlen kontrolliert und die Milch in seinen Tank pumpt. Dann ging es weiter den Berg hinauf zum nächsten Hof.

Joghurt, Quark und Milch

Jetzt bin ich neugierig und krame in meinem Kühlschrank nach weiteren Milchprodukten. Tatsächlich, auf jedem ist dieses kleine Oval abgedruckt. Ich finde heraus, dass der Quark aus Mecklenburg-Vorpommern kommt, der Joghurt hingegen aus Bayern. Wieder versuche ich, mehr über die Molkerei und die Höfe herauszufinden und werde jedes Mal fündig. Alle Molkereien haben Websites, die ihre Philosophie erklären und meistens auch die Standorte ihrer Milchbauern verraten. Eine große Molkerei hat natürlich sehr viele Standorte, was die Herkunftsrecherche erschwert. Einige von ihnen bieten Ferien auf dem Bauernhof an. Ich könnte also hinfahren. Ich finde es klasse, dass ich im Netz so viel über die Milchprodukte in meinem Kühlschrank erfahren kann. Schade nur, dass ich mir so selten die Zeit dafür nehme!

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Kommentare (2)

Das stimmt leider nicht!!
Jule / 28.01.2020 / 00:11 Uhr

Hallo, ich habe mich auch davon täuschen lassen, aber bei "irischen Milchprodukten" bin ich bei der Kennzeichnung stutzig geworden. Denn immer ist als Länderkürzel Deutschland angegeben. Eine kurze Recherche und siehe da: Dieses Identitätskennzeichen besteht aus einem Oval, in dem sich eine an Autokennzeichen erinnernde Folge von Buchstaben und Zahlen befindet. Mit Hilfe dieses Zeichens kann ermittelt werden, wo das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde. Die ursprüngliche Herkunft des Produkts oder der verwendeten Rohstoffe lässt sich aus dem Kennzeichen nicht herauslesen. Ein gleich aussehendes Zeichen wird nach amtlicher Prüfung auf Schlachtkörpern angebracht und als Genusstauglichkeitskennzeichen bezeichnet. Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/02_KennzeichnungLM/06_Genusstauglichkeitskennzeichen/Genusstauglichkeitskennzeichen_node.html

Das verrät das Identitätskennzeichen
Julia Icking / 28.01.2020 / 09:35 Uhr

Hallo und herzlichen Dank für die Ergänzung. Ja, anhand des Identitätskennzeichens kann ich für Milch und Milchprodukte nur den Ort der letzten Bearbeitung oder der Verpackung herausfinden. Wie im Artikel beschrieben, erlaubt der Verarbeitungsbetrieb im Idealfall gewisse Rückschlüsse auf die Milchhöfe. Die Identitätskennzeichen, die ich bei meinen Recherchen überprüft habe, führten zu Bio-Molkereien, die dann wiederum ihre Zulieferbetriebe aufgeführt haben. Von welchem Hof die Milch tatsächlich stammt, lässt sich wie beschrieben nicht feststellen, weil die Milchtransporter teilweise Milch von mehreren Höfen einsammeln bzw. spätestens in der Molkerei mehrere Quellen gemischt werden. Es tut mir leid, wenn das in meinem Artikel für Sie nicht deutlich geworden ist. Im Falle der irischen Produkte sind mehrere Dinge denkbar: Die Milch wurde in Irland gemolken und verarbeitet, die Butter bzw. der Käse aber in Deutschland abgepackt. Oder schon die Milch wurde importiert. In diesem Fall gibt aber der Hinweis "irisch" an, woher die Milch stammt. Das ist zwar verzwickt, darf aber so sein, erläutert zum Beispiel die Verbraucherzentrale hier: https://www.lebensmittelklarheit.de/produkte/irische-butter. Wie im Artikel beschrieben, gibt das Identitätskennzeichen einen Anhaltspunkt auf die Herkunft der Milch. Vor allem bei kleinen Molkereien ist die Rückverfolgung bis zu den Höfen möglich. Ich hoffe, das ist jetzt nochmal deutlicher geworden. Viele Grüße, Julia

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