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Im Supermarkt türmen sich gerade die Osterhasen und Schokoeier in den Regalen. Ach ja, da sollte ich wohl auch bald mal zugreifen. Was ist schließlich Ostern ohne Schokolade? Gleichzeitig mischt sich in meinem Kopf die Stimme aus dem Off ein: 'Du wolltest ja auch darauf achten, dass die Schokolade fair und nachhaltig ist'. Ja, das stimmt. Aber wie?

Klar ist, Kakao und Schokolade sind keine regionalen Produkte. Kakao wächst in warmen und feuchten Gebieten, wie es sie vor allem rund um den Äquator gibt. Die großen Früchte mit den kleinen Kakaobohnen darin wachsen auf Plantagen. Die Ernte ist Handarbeit. Dann kommt eine mehrtägige Fermentation, gefolgt von Reinigung und Röstung der Bohnen. Klingt ganz schön aufwendig. Mir drängt sich die Frage auf: Warum gibt es im Handel trotzdem so viel und so günstige Schokolade?

Wie fair und nachhaltig ist die Schokolade im Handel?

Die Antwort ist vielfältig: Sie liegt irgendwo zwischen Kinderarbeit, sehr schlechten Arbeitsbedingungen und viel zu niedrigen Löhnen. Dazu kommen Mängel beim Umweltschutz. Das alles ist im Netz ganz einfach herauszufinden. Schwerer ist es, Produkte zu finden, die sich um eine Verbesserung der Umstände bemühen. Bei meiner Recherche stoße ich auf verschiedene Siegel, aber auch auf die Initiativen von großen Herstellern. Einige Beispiele:

Rainforest Alliance und utz: Ich nenne beide Labels in einem Atemzug, denn utz ist inzwischen Teil der Rainforest Alliance. Die Labels legen Wert auf verschiedene wirtschaftliche, soziale und ökologische Anforderungen, die sich von Anbaujahr zu Anbaujahr steigern, um eine Verbesserung zu erreichen. Die Anforderungen beziehen sich nicht nur auf den Anbau, sondern auch auf die Lieferkette. Kritiker sagen, dass die Labels das Hauptaugenmerk auf ökonomische Nachhaltigkeit legen und nicht auf faire Bedingungen.

Fairtrade-Siegel: Das Siegel kennzeichnet Waren aus fairem Handel, deren Herstellung unter bestimmten sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien erfolgt. Ziel sind stabilere Preise für Kleinbauernkooperativen, demokratische Organisationsstrukturen, Umweltschutz und sichere Arbeitsbedingungen. Im Fall von Kakao gibt es das Fairtrade-Siegel auch als Rohstoff-Siegel. Das heißt, dass der Kakao auch dann gekennzeichnet werden kann, wenn andere Zutaten des Produkts nicht zertifiziert sind. Im Siegel steht dann zusätzliche „cocoa“.

Möglich ist auch der sogenannte Mengenausgleich, also die Vermischung von zertifiziertem und nicht zertifiziertem Kakao in einem gekennzeichneten Produkt. Das vereinfacht die Verwendung des fair erzeugten Kakaos, denn die Rückverfolgbarkeit ist teilweise schwierig. Wichtig und kontrolliert ist dabei immer, dass nicht mehr Kakao als fair gekennzeichnet wird, als auch wirklich produziert wurde. Ob dann ausschließlich diese Bohnen in der gekennzeichneten Schokolade stecken, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Erkennbar ist das an der Aufschrift „mit Mengenausgleich“.

Gepa: Noch strenger und ohne Mengenausgleich handelt Gepa. Das Unternehmen kann den Weg der Kakaobohne entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachvollziehen. Der Kakao wird in kleinbäuerlichen Strukturen erzeugt, die sich in Genossenschaften zusammengeschlossen haben. So verdienen die Erzeugenden mehr Geld, was gleichzeitig gegen Kinderarbeit hilft.

Bei verschiedenen Herstellern finde ich auch Angaben zu eigenen Programmen auf der Website. Ein Beispiel ist Cocoalife. Es kümmert sich um nachhaltigen Kakaoanbau, Umweltschutz und darum, dass die Erzeugenden ihr Leben selbst verbessern können.

Insgesamt finde ich zwar viele Angaben auf den Websites der großen Unternehmen. Auch große Investitionssummen werden genannt. Es bleibt aber das Gefühl, dass es noch viel zu tun gibt. Ich beschließe, beim nächsten Einkauf auf die Siegel und Labels für mehr Nachhaltigkeit und bessere Sozialstandards achten.

Welche Schokolade soll ich kaufen?

Jetzt weiß ich zumindest, worauf ich beim Schokladenkauf achten kann. Schade allerdings, dass es mal wieder eine Siegel- und Initiativenvielfal gibt, die es mir als Verbraucherin schwer macht. Ich muss die einzelnen Siegel kennen und jede Verpackung drehen und wenden, um zu gucken, was darauf steht. Beim Einkaufen stelle ich fest, dass es sehr abhängig davon ist, wo ich bin, wie viel faire Schokolade ich finde. In einem Supermarkt ist es gar nicht schwer und sogar auf der Eigenmarke ist das Fairtrade-Cocoa-Siegel abgebildet. In einem anderen Geschäften werde ich auf der Suche nach fairem Kakao fast nur in der Bio-Ecke fündig.

Es geht auch ganz anders

Neben den großen Initiativen und Siegeln gibt es noch einige kleine Firmen, die faire, nachhaltige und sogar emissionsfrei transportierte Schokolade anbieten. Letztere bekomme ich zum Beispiel durch die Schokofahrt. Mit dem Fahrrad holen Freiwillige regelmäßig Schokolade in Amsterdam ab. Die Kakaobohnen kommen per Segelschiff aus der dominikanischen Republik. Hier verarbeitet sie eine kleine Manufaktur. Wenn die Fahrradtour zurück in Bonn ist, wird die Schokolade in Bioläden und dem Weltladen angeboten. Ziemlich cool, finde ich!

Natürlich verändert diese Schokofahrt nicht die ganze Kakaoindustrie, aber sie erzeugt doch Aufmerksamkeit. Genau wie die kleinen Labels, die sich der Nachhaltigkeit und Fairness verschreiben. Man muss sie zwar ein bisschen suchen, aber es gibt sie!

Mein Schoko-Fazit

Für mich hat sich die Recherche auf jeden Fall gelohnt. Ich sehe jetzt klarer, welche Schokolade zumindest die Probleme im Kakaoanbau nicht noch befeuert, welche Siegel es gibt und wie ich auf mehr Fairness und Nachhaltigkeit in der Schokoladenherstellung achten kann. Und wer weiß, wenn viele Verbraucher*innen nicht wahllos ins Osterhasenregal greifen, vielleicht geht der Wandel dann ja sogar ein bisschen schneller.

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