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Modell zur Nährwertkennzeichnung

Der Nutri-Score zeigt über eine Skala von A bis E die Einschätzung zum Nährwert eines Produkts. Vor allem verarbeitete Lebensmittel sollen so auf der Vorderseite gekennzeichnet werden.

Nährwertkennzeichnungsmodell Nutri-Score
BMEL

Der Nutri-Score zeigt die Nährwertqualität eines Lebensmittels auf einer Farbskala an von grün über gelb bis rot. Er basiert auf einem Rechenmodell. Dabei werden ungünstige und positive Nährwerteigenschaften mit Punkten bewertet. Dann wird beides miteinander verrechnet. Heraus kommt ein Gesamtwert, der Nutri-Score. Er wird in Farben und Buchstaben angezeigt. A und Grün für die höchste Qualität. Rot und den Buchstaben E bekommen Produkte mit der niedrigsten Nährwertqualität.

Mit dem Nutri-Score kann praktisch jedes Lebensmittel gekennzeichnet werden, einschließlich Getränke. Ausgenommen sind lediglich Produkte für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Säuglinge und Sportler sowie Lebensmittel, die von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung befreit sind, wie beispielsweise Kräuter, Obst oder Tee.

Wo kommt der Nutri-Score her?

Die wissenschaftliche Grundlage wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Oxford in den Jahren 2004-2005 erarbeitet (Rayner 2017). Sie entwickelten den so genannten FSA-Score (Food Standards Agency). Er wird in Großbritannien seit 2007 genutzt, um Werbung für Kinderlebensmittel einzuschränken, die wenig empfehlenswert sind (Department of Health 2011). Auch Behörden in Australien, Neuseeland und Südafrika nutzen ihn zur Regulierung von Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln. In Frankreich hat das Gesundheitsministerium die Weiterentwicklung des FSA Score angestoßen. Die Forschungsarbeiten führten Wissenschaftler*innen der Universität Paris, der französischen Lebensmittelsicherheitsbehörde ANSES und des Hohen Rates für Volksgesundheit durch. Über einen Konsultationsprozess wurden weitere Vertreter*innen aus Wissenschaft, Industrie und Verbraucherschutz eingebunden. Im Jahr 2017 wurde dort der Nutri-Score mit Unterstützung der Regierung auf freiwilliger Basis eingeführt. Auch Belgien, Spanien, Luxemburg und Portugal unterstützen die Einführung des Nutri-Score-Modells.

Wie genau funktioniert der Nutri-Score?

„Score“ steht für „Berechnung“ – und genau darauf fußt der Ansatz:

  • Zunächst wird der Gehalt an weniger empfehlenswerten Nährwerteigenschaften mit Punkten bewertet. Dazu gehören der Energiegehalt sowie die Gehalte an Gesamtzucker, gesättigten Fettsäuren und Natrium. Die Ergebnises werden addiert (A-Punkte). Je mehr A-Punkte, desto schlechter zunächst die Nährwerteigenschaften eines Produkts.
  • Anschließend werden positive Nährwerteigenschaften mit Punkten bewertet. Dazu gehören Ballaststoffe sowie Obst, Gemüse, Nüsse sowie Protein (C-Punkte). Je mehr C-Punkte, desto besser die Nährwerteigenschaften. Die Positivpunkte senken den Score, denn sie werden von den A-Punkten abgezogen.
  • Sonderfall Proteingehalt: Wenn ein Lebensmittel nur wenig negative Punkte bekommen hat, das heißt weniger als 11 A-Punkte, dann darf der Proteingehalt positiv berücksichtigt werden. Wenn ein Lebensmittel aber mehr als 11 negative Punkte erhält, dann darf Protein nicht positiv berücksichtigt werden. In diesem Fall werden nur die Werte für Ballaststoffe, Obst und Gemüse von den A-Punkten abgezogen.
  • Eine Sonderregelung habe die Franzosen für Käse eingeführt. Bei dieser Produktgruppe darf auch Protein positiv berücksichtigt werden, auch wenn ein Lebensmittel mehr als 11 A-Punkte aufweist.

Mit Hilfe der finalen Punktzahl schließlich werden die Produkte in fünf Nährwertklassen eingeteilt. Von Dunkelgrün für eine besonders hohe Nährwertgüte, über Gelb, Orange bis Rot für eine besonders niedrige. Dem ABC folgend wird die beste Bewertung mit A und die ungünstigste Bewertung mit dem Buchstaben E gekennzeichnet. Das Gesamtergebnis wird optisch hervorgehoben.

Ein Convenience-Produkt mit einem grün unterlegtem A enthält also weniger Fett und gesättigte Fettsäuren und mehr Gemüse und Ballstoffe als ein Produkt mit dem Buchtstaben D in Orange im Vordergrund.

In Kürze: Ungünstige Lebensmitteleigenschaften erhöhen den Nutri-Score, positive senken ihn. Je niedriger der Nutri-Score, desto besser die Nährwertqualität eines Produktes. Für Getränke gelten andere Grenzen als für feste Lebensmittel.

Wissenschaftliche Bewertung

Das Max Rubner Institut (MRI) beurteilt die Berechnungsgrundlage grundsätzlich als wissenschaftlich fundiert (MRI 2019). Untersuchungen in Frankreich zeigten, dass sich der Nutri-Score eignet, um die Qualität der Gesamternährung zu beurteilen. Wer Produkte einkauft, die laut Nutri-Score weniger empfehlenswert sind, riskiert auch eine niedrigere Qualität in der Gesamternährung (Chantal et al. 2017).

Der Nutri-Score weckt - wie die britische Nährwertampel - die Aufmerksamkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Verhaltensstudien geben dafür zwei Gründe an: Die Farben Rot und Grün werden vom menschlichen Auge besonders schnell erkannt und stellen intuitive Stopp-Weiter-Signale dar. Der Nutri-Score gehört damit zu den Nährwertkennzeichnungsmodellen, die Studien zufolge besonders gut wahrgenommen werden.

Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass der Nutri-Score von Verbraucherinnen und Verbrauchern besonders gut verstanden wird. So etwa wurde untersucht, wie gut es ihnen anhand unterschiedlicher FOP-Nährwertkennzeichnungsmodelle gelingt, die gekennzeichneten Lebensmittel anhand ihrer Nährwertqualität zu sortieren. Hierbei schnitt der Nutri-Score am besten ab, sowohl unter französischen Probanden (Julia und Hercberg 2017) wie auch unter deutschen (Egnell et al. 2019).

Nutri-Score: Pro und Contra

Ein Pluspunkt des Nutri-Score: Dank seiner einheitlichen Bezugsgröße ist ein Produktvergleich innerhalb einer Produktgruppe einfach. Die Berechnung erfolgt immer auf der Basis von 100 Gramm. Seine fünfstufige Bewertungsskala ermöglicht auch einen Produktvergleich, der selbst Fette und Öle einschließt. So etwa schneiden Rapsöl und Olivenöl beim Nutri-Score unterschiedlich ab, während sie mit Hilfe der meisten anderen freiwilligen FOP-Nährwertkennzeichnungsmodelle nicht zu unterscheiden sind. Positiv außerdem: Die Farbkodierung des Nutri-Score leitet Verbraucherinnen und Verbraucher ganz intuitiv. Sie unterstützt beim Einkauf eine schnelle Nährwertinformation ohne großen Aufwand.

Ein Manko, das auch andere Gesundheitslogos haben, kann auch der Nutri-Score nicht ausräumen: Fehlinterpretationen sind möglich. Die Hervorhebung der Signalfarbe Rot kann als Verzehrsverbot missverstanden werden. Auch wer gezielt auf einzelne Nährstoffe achten muss oder will, dem hilft nach wie vor nur ein Blick auf die Nährwerttabelle.

Mögliche Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten

In einem vierwöchigen Experiment mit über 1.000 australischen Kunden wurde ein Zusammenhang festgestellt zwischen Einkaufsverhalten und Nutzung eines Nährwertlogos. Je häufiger die Konsument*innen auf das Logo schauten, desto gesünder kauften sie ein (Mhurchu et al. 2018).

Sicher ist: Nährwertmodelle allein können das Ernährungsverhalten der Menschen nicht verändern. Denn Einkaufsverhalten wird maßgeblich von Routinen und von der Qualität des Produktangebots geprägt. Ein einfach verständliches Modell kann aber dazu beitragen, dass sich Interessierte leichter ein Bild über den Gesundheitswert eines Lebensmittels machen und in der Folge auch eine gesündere Wahl treffen können.

Nicht zu unterschätzten ist der Effekt auf die Produktqualität. Untersuchungen in den Niederlanden haben gezeigt, dass sich der Gesundheitswert von Lebensmitteln nach der Einführung des niederländischen Nährwertlogos verbesserte (Cecchini und Waren 2015).

Der Nutri-Score wird gut verstanden. Ob er auf die Einkaufsentscheidung wirkt, ist weniger leicht zu beurteilen. Zwei französische Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse: In einem Fall verbesserte sich die Qualität des Wocheneinkaufs, im anderen Fall konnte keinerlei Einfluss nachgewiesen werden.

Gäbe es tatsächlich eine positive Wirkung auf die Produktqualität und das Einkaufsverhalten, dann könnte so ein Nutri-Score den Gesundheitsstatus der Bevölkerung verbessern. Das legt ein theoretisches Szenario nahe, das auf Basis französischer Verzehrsdaten berechnet wurde: Danach weisen Menschen, die üblicherweise Lebensmittel mit günstigem Nutri-Score essen, ein geringes Risiko auf typische ernährungsbedingte Erkrankungen wie Krebs oder Adipositas zu bekommen, als Personen, auf deren Speiseplan eher Produkte mit ungünstigen Nutri-Score stehen (Julia und Hercberg 2017).

Quellen

Wo finde ich weitere Hintergrundinformationen?

Cecchini, M, Warin, L. (2015). Impact of food labelling systems on food choices and eating behaviours: A systematic review and meta-analysis of randomized studies. Obesity Reviews. 17. n/a-n/a. 10.1111/obr.12364.

Department of Health (2011): Policy paper.The nutrient profiling model.The nutrient profiling model. Published 14 January 2011. https://www.gov.uk/government/publications/the-nutrient-profiling-model (Zugriff am 16.08.2019)

Egnell M, Talati Z, Hercberg S, Pettigrew S, Julia C (2018): Objective Understanding of Front-of-Package Nutrition Labels: An International Comparative Experimental Study across 12 Countries, Nutrients 2018, 10, 1542

Egnel M et al. (2019): Vergleich von Front-of-Pack-Kennzeichnungen ur Aufklärung deutscher VerbraucherInnen über den Nährwert von Lebensmitteln, Ernährungsumschau international 66(5):76-84/2019. https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2019/05_19/EU05_2019_M260_M268.pdf (Zugriff am 20.08.2019)

Julia, C, Hercberg S (2017): Nutri-Score: Evidence of the effectiveness of the French front-of-pack nutrition label, Ernaehrungs Umschau international, 12, 181-187; https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2017/12_17/EU12_2017_WuF_Nutriscore_englisch.pdf

MRI (2019): Beschreibung und Bewertung ausgewählter Front-of-Pack Nährwertkennzeichnungs-Modelle. Max Rubner Institut, Karlsruhe. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Kennzeichnung/MRI-Bericht-Naehrwertkennzeichnungs-Modelle.pdf?__blob=publicationFile

Mhurchu. C, Eyles H, Jiang Y, Blakely T (2018): Do nutrition labels influence healthier food choices? Analysis of label viewing behaviour and subsequent food purchases in a labelling intervention trial, Appetite, (121),Pages 360-365, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666317309923

Rayner, M (2017). Nutrient profiling for regulatory purposes. Proc Nutr Soc. 2017 Aug;76(3):230-236. https://www.cambridge.org/core/journals/proceedings-of-the-nutrition-society/article/nutrient-profiling-for-regulatory-purposes/778CCADE2005659B38A76ED61A92828D/core-reader#

Autorin: Gesa Maschkowski, BLE |

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