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Guter Rat und viel Expertise für die Ernährungstransformation kam von 50 Expertinnen und Experten bei der nationalen Auftaktveranstaltung zum Welternährungsgipfel im September 2021.

Michaela Ruhfus im Auftrag des BMEL
  • Im Vorfeld des Welternährungsgipfels im Juni 2021 haben 50 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis Empfehlungen für nachhaltige Ernährungssysteme der Zukunft erarbeitet, die mehr pflanzenbasiert sind.
  • Die zentrale Empfehlung: Es braucht eine nationale Ernährungsstrategie, die alle gesellschaftlichen Gruppen einbezieht, Maßnahmen einfordert und Fortschritte überprüft.
  • Professor Bernhard Watzl und Professorin Britta Renner präsentierten die wissenschaftlichen Grundlagen einer nachhaltigen Ernährung und fairer  Ernährungsumgebungen.
  • Fünf Pionierprojekte von der Erzeugung bis zur Großkantine gaben Einblicke in die Praxis der Ernährungstransformation.
  • Die Veranstaltung war der Auftakt zum Nationalen Dialog "Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen". Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Themenfeld Nr. 5 "Ernährung der Zukunft – mehr pflanzenbasiert" koordiniert.
  • Unter dem Titel "Gemeinsam nachhaltig ernähren" wurde der Nationale im Jahr 2022 fortgeführt.

Wie sieht unser Ernährungssystem in der Zukunft aus? Wie schaffen wir es mehr mehr Pflanzen auf die Äcker und die Teller zu bekommen? Und was können wir auf der Konsumentenseite dafür tun, dass eine vielfältige, nachhaltige Landwirtschaft mit reduzierter Tierhaltung zur neuen Normalität wird? Welche Weichen müssen wir heute stellen, damit unsere Ernährungssystem 2030 nachhaltig ist? Das waren die Leitfragen an denen 50 Expertinnen und Experten der gesamten Ernährungs- und Agrarbranche eineinhalb Tage lang gearbeitet haben. Sie kamen aus der Land- und Fischwirtschaft, der Verarbeitung, der Gemeinschaftsverpflegung, Wissenschaft, Beratung und Bildung.

Das sind ihre zentralen Empfehlungen:

  • Die Klima- und Ernährungskrise wird angemessen bearbeitet. Dafür gibt es eine ressortübergreifende Einheit. Sie entwickelt eine Ernährungsstrategie, die alle gesellschaftlichen Gruppen einbezieht, Maßnahmen einfordert und die Fortschritte überprüft.
  • Die nationale Ernährungsstrategie enthält klare Ziele und einen Aktionsplan.
  • Politische Maßnahmen stärken eine ökologische, standortgerechte und sozialverträgliche Landwirtschaft – das ist mehr als CO2 reduzieren.
  • Handel und Verarbeitung leisten ihren Beitrag und arbeiten mehr dezentral. Es wird mehr in Kreisläufen gedacht und gearbeitet. Das Stichwort heißt “Circular Society”. Es gibt gemeinwohlorientierte Zertifizierungen.

Außerdem wiesen die Expertinnen und Experten darauf hin, dass die kulturelle Praxis der Ernährung berücksichtigt werden müsse. Denn unsere Ernährungsstile bestehen aus festen Routinen, die sich nicht einfach verändern lassen. Wichtig war ihnen die soziale Verträglichkeit von nachhaltigen Ernährungsweisen. Es brauche eine Ernährungspolitik, die integriert, ambitioniert und evidenzbasiert sei, sowohl global als auch national und regional. Eine nationale Ernährungsstrategie müsste essenziell von kommunalen Ernährungsstrategien begleitet bzw. untermauert werden.

Was ist ein Welternährungsgipfel und wie kam es dazu?

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hatte Ende 2020 alle Staaten der Welt aufgefordert, ihren Beitrag zu einem weltweit nachhaltigen Ernährungssystem zu leisten. Denn die Menschen befinden sich in einem Krieg mit der Natur, sagte er in einer vielbeachteten Rede. Auch der Ernährungsbereich muss einen großen Beitrag dazu leisten, dass wir in Frieden mit der Natur und im Rahmen der planetaren Grenzen leben können. Daher soll jedes Land Wege entwickeln, wie das nationale Ernährungssystem bis 2030 nachhaltig wird. Denn nur so können wir die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der AGENDA 2030 erreichen. Alle Regierungen und Akteure der Ernährungssysteme wurden aufgerufen, Umsetzungsstrategien zu entwickeln. Diese Strategien wurden im September 2021 beim Welternährungsgipfel in New York diskutiert.

In Deutschland hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vom 08. bis 10. Juni 2021 den Nationalen Dialog zum Thema "Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen" durchgeführt. Bei der digitalen Veranstaltung flossen die Ergebnisse aktuell auf nationaler Ebene laufender Dialoge und Verhandlungen mit ein. Insgesamt gab es fünf Themenfelder (siehe unten).

Videos aus dem Workshop zum Themenfeld Nr. 5 „Zukunft der Ernährung – mehr pflanzenbasiert“

Der Workshop zum Themenfeld Nr. 5 „Zukunft der Ernährung – mehr pflanzenbasiert“ startete mit zwei wissenschaftlichen Vorträgen. In diesen klärten Professor Bernhard Watzl, DGE-Vizepräsident und Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung im Max Rubner-Institut und Professorin Britta Renner, DGE-Vizepräsidentin und stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE), zunächst über die natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Grundlagen auf.

Nationaler Dialog zum UN FSS – Vortrag von Professor Bernhard Watzl

Professor Bernhard Watzl gab in seinem Impulsvortrag einen Überblick darüber, was eine pflanzenbetonte Ernährung für Gesundheit und Umwelt bedeutet. Dabei bewertete er auch die Empfehlungen der Planetary Health Diet und verglich sie mit den DGE-Empfehlungen.

Nationaler Dialog zum UN FSS – Vortrag von Professorin Britta Renner

Professorin Britta Renner betrachtete in ihrem Vortrag die Rolle von Ernährungsumgebungen. Im Video erläutert sie, warum Menschen eine nachhaltige Ernährung nur dann umsetzen können, wenn die Umgebung fair gestaltet ist und ihrem Ernährungshandeln nicht im Wege steht.

Projekte für ein nachhaltiges Ernährungssystem

Es sind die guten Beispiele, die immer wieder eindrucksvoll zeigen, dass ein anderes Ernährungssystem möglich ist. Es gibt sie weltweit und in Deutschland in großer Zahl, nur sind sie oft nicht sichtbar und bekannt genug, um wirklich großflächig und mit hoher Schlagkraft umgesetzt zu werden.

Fünf Vertreter*innen solcher Pionierprojekte stellten sich daher im Rahmen des Themenfelds Nr. 5 „Zukunft der Ernährung - mehr pflanzenbasiert“ vor.

TAGWERK – Unsere Bio-Nachbarn

Beatrice Rieger vom Vorstand der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft TAGWERK eG erzählt, wie aus einer 1984 von wenigen Menschen gegründeten Initiative ein großes, gut funktionierendes Netzwerk aus Erzeugern, Verarbeitern, Großhandel, Biomärkten und Verbraucher*innen wurde. Die Produktmarke TAGWERK steht für Bio-Lebensmittel aus der Region rund um München. Über eigene Läden, Lieferdienste, Märkte, Direktvermarktung und die Gastronomie kommen sie zu einem wachsenden Kundenkreis. Dabei hilft eine aktive Öffentlichkeitsarbeit inklusive Nutzung der sozialen Medien.


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Nachhaltigkeit bei der FRoSTA AG

Friederike Ahlers leitet die Öffentlichkeitsarbeit bei der FRoSTA AG. Sie beschreibt die Entwicklung des auf Tiefkühlkost spezialisierten Unternehmens, das sich seit 2008 intensiv mit den Themen Klima und Umwelt auseinandersetzt. Um den eigenen CO2-Fußabdruck zu senken, wurde der Fleischanteil in den Produkten um über 20 Prozent reduziert. Wie? Durch mehr attraktive Gerichte ohne Fleisch und eine Orientierung an vegetarischen Länderküchen. Gleichzeitig ermittelte das Unternehmen die CO2-Fußabdrücke aller Gerichte und veröffentlichte sie auf seiner Website. Hierfür wünscht es sich eine einheitliche Methode und verpflichtende Kennzeichnung auf der Verpackung für alle.

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So schmeckt Hessen heute!

Constantin Haupt von der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen GmbH“ stellt die Initiative hinter den Siegeln „Bio aus Hessen“ und „Geprüfte Qualität - Hessen“ vor. Über 650 Partnerbetriebe aus der Erzeugung, Verarbeitung, dem Handel und der Gastronomie arbeiten nach hohen Standards. Eine große Transparenz in der Kommunikation und die Bekanntheit der Siegel führten zum Erfolg, unterstützt von viel Öffentlichkeitsarbeit und auffälligen Platzierungen im Handel. So können Verbraucher*innen gezielt zu Produkten aus der Region greifen und regionale Betriebe ihre Absätze steigern.

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Kantine Zukunft Berlin

Dinah Hoffmann beschreibt das Projekt „Kantine Zukunft Berlin“, eine Initiative, die eine nachhaltige Transformation der Berliner Gemeinschaftsgastronomie zum Ziel hat. Dazu berät ein Team aus erfahrenen Trainer*innen Küchenteams intensiv und auf Augenhöhe bei der Umstellung auf ein nachhaltiges Kantinenessen. Zu dessen Basis gehören viele frische und pflanzliche Zutaten, regionale und saisonale Erzeugnisse, ein wachsender Anteil ökologischer Zutaten, aber auch neu interpretierte Kantinenklassiker. Das Projektteam zeigt, dass ein solcher Wandel auch kostenneutral möglich ist. Von Bestandsaufnahme bis zur Evaluation stehen die Qualität des Angebots und die Zufriedenheit der Gäste im Vordergrund. 

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Kommunale Ernährungsstrategien NAHhaft

Alexander Schrode vom Vorstand des Vereins NAHhaft e. V. erläutert, warum jede Region oder Stadt eine eigene Ernährungsstrategie für nachhaltige regionale Ernährungssysteme benötigt. Hierbei unterstützt die gemeinnützige Organisation durch Forschungsprojekte, (Weiter-)Bildungsangebote, Beratungsdienstleistungen und Aktivitäten zur Vernetzung. Dazu gehört beispielsweise die genaue Analyse von Lebensmittel-Produktion und -Konsum in einer Region als Basis für mögliche Veränderungen. Außerdem werden praktische Hilfen wie die KlimaTeller-App oder das digitale Werkzeug „nearbuy“ entwickelt.

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Weitere Themenfelder des Nationalen Dialogs "Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen"

Die weiteren der insgesamt fünf Themenfelder der Auftaktveranstaltung für den Nationalen Dialog "Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen" waren folgende:

  1. Kosten und Nutzen einer umwelt- und sozialverträglichen Produktion
  2. Anforderungen an eine nachhaltige landwirtschaftliche Lebensmittelerzeugung
  3. Nachhaltige Ernährungssysteme in Stadt und Land: Anforderungen an die Infrastrukturen
  4. Ernährungswirtschaft der Zukunft

Auf der Website der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) finden Sie eine Sammlung von Präsentationen der Keynotespeaker*innen und Impulsredneri*nnen, Ergebnisse aus allen Themenfeld-Workshops sowie Graphic Recordings zu jedem Themenfeld.

Präsentationen und Ergebnisse

Fortführung des Nationalen Dialogs im Jahr 2022

Nach der Auftaktveranstaltung wurde der Nationale Dialog des BMEL im Jahr 2022 fortgeführt. Über 1.600 Teilnehmende der gesamten Wertschöpfungskette beteiligten sich in den überwiegend digitalen Formaten. Die zentrale Veranstaltung „Gemeinsam nachhaltig ernähren – Strategien und Akteure einer pflanzenbetonten Zukunft“ verdeutlichte, was sich auch als Fazit des gesamten Dialogprozesses formulieren lässt: Es gibt schon heute viele gute Ansätze und Best-Practice-Beispiele, wie sich ein nachhaltigeres, mehr pflanzenbetontes Ernährungssystem realisieren ließe. Dies zeigt auch die Analyse „Ernährungspolitische Strategien zur Förderung pflanzenbasierter Ernährungsweisen in Deutschland“, die das Ecologic Institut im Auftrag der BLE erarbeitet hat. Darin wurden Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen für unter anderem den Prozess zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung abgeleitet.

Im Mai 2023 übergab Dr. Hanns-Christoph Eiden, damaliger Präsident der BLE, den Abschlussbericht des Nationalen Dialogs an Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatsekretärin im BMEL. Die Ergebnisse fließen in die politische Arbeit der Bundesregierung im Hinblick auf die Agenda 2030 und die Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele ein, zum Beispiel in die Ernährungsstrategie, in die Erstellung des Transformationsberichtes zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen und in die "Nationale Strategie für 30 Prozent ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft bis 2030".

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Fachartikel

Berichte zum Nationalen Dialog Artikel aus "Ernährung im Fokus" zum Herunterladen

In verschiedenen Ausgaben von Ernährung im Fokus sind Berichte zum Nationalen Dialog erschienen. Diese können Sie unten als PDF herunterladen.

Nachlese: Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen – Nationaler Dialog UN Food Systems Summit 2021 (Ernährung im Fokus 03 2021)

Nachlese: Strategien und Akteure einer pflanzenbetonten Zukunft – Nationaler Dialog 2022 (Ernährung im Fokus 03 2022)

Porträt: Der Nationale Dialog zu nachhaltigen Ernährungssystemen in Deutschland (Ernährung im Fokus 01 2023)

Ernährung im Fokus online

Puwasit Inyavileart / stock.adobe.com

Der Nationale Dialog zu nachhaltigen Ernährungssystemen

Rückblick auf den Dialogprozess in Deutschland

Der UN-Generalsekretär hatte 2020 alle Staaten aufgefordert, Strategien für nachhaltige Ernährungssysteme zu erarbeiten. Die Nationalen Dialoge waren wichtige Bausteine in diesem Prozess.

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BLE

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Ausgabe 01 2023 von Ernährung im Fokus Schwerpunkt "Pflanzenbetont essen"

Die komplette Ausgabe 01 2023 von Ernährung im Fokus können Sie kostenlos in unserem Archiv herunterladen.

zur Frühlingsausgabe 01 2023 von Ernährung im Fokus

News zum Nationalen Dialog

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BLE

Mehr als 400 Teilnehmende verfolgten den Austausch und diskutierten digital mit.

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