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Bauminseln in Ölpalmenplantagen können innerhalb von fünf Jahren die Artenvielfalt deutlich erhöhen, ohne die Produktivität der Plantage zu verringern.

Ölpalmen und Bäume in einer Palmölplantage
songpon / stock.adobe.com

Das hat ein Langzeitprojekt der Universität Göttingen in Indonesien gezeigt, an dem auch die Universität Hohenheim und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig beteiligt waren.

Die Umwandlung von Tropenwäldern in Ölpalmenplantagen trägt zu erheblichen Verlusten an Artenvielfalt und ökologischen Funktionen bei. Weltweit gibt es insgesamt etwa 21 Millionen Hektar Palmölplantagen, vor allem in Indonesien und Malaysia.

Um die ungünstigen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, pflanzten die Forschenden 52 Bauminseln aus sechs lokalen Baumarten in einer industriellen Ölpalmenplantage auf Sumatra an. Das Forschungsteam hatte erwartet, dass sich die Erträge im Laufe der Zeit verschlechtern würden. Schließlich würden die Bauminseln Ressourcen für ihre eigene Entwicklung auf Kosten der Ölpalmen verbrauchen. Das war aber auch fünf Jahre nach Beginn des Experiments nicht der Fall – auch ohne Einsatz von Kunstdünger in den Bauminseln. Die Industrie könnte folglich von dieser Maßnahme profitieren.

Die meisten ökologischen Studien zu Palmöl beschränken sich bisher auf die Feststellung des Verlusts an Biodiversität und der Verschlechterung der Ökosysteme. Dieser neue Ansatz zur ökologischen Wiederherstellung geht einen Schritt weiter: Mithilfe eines strengen experimentellen Designs lassen sich optimale Zusammensetzung und Größe der Bauminseln ermitteln. Das Projekt ist weltweit einzigartig. Es findet in industriellem Maßstab auf großen Flächen statt.

Das Forschungsteam analysierte über mehrere Jahre hinweg die Artenvielfalt von Bodenmikroorganismen (Bakterien, Pilze), Insekten und anderen kleinen Wirbellosen, Pflanzen, Vögeln und Fledermäusen. Darüber hinaus erhoben sie die Auswirkungen auf die Regulierung des Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffkreislaufs, das Mikroklima, die Bodenqualität, die Bestäubung und Kontrolle von biologischen Gemeinschaften sowie gebietsfremde, einwandernde Arten. Besonders wichtig war den Forschenden zufolge die enge Zusammenarbeit mit den Betreibern der Plantage, um die agronomischen Aspekte ebenfalls berücksichtigen zu können.

Auf Basis der Arbeiten lassen sich Richtlinien für eine Zertifizierung entwickeln. Damit hätten Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa eine Wahl und könnten ihre Marktmacht einsetzen, um den Anbau von Palmöl in eine nachhaltigere Richtung zu lenken. Oberste Priorität muss laut Studie aber weiterhin der Erhalt des Tropenwaldes haben.

Quelle: Universität Hohenheim

 

Originalpublikation in Nature:
https://doi.org/10.1038/s41586-023-06086-5

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