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Ernährungswissen

Das Lebensmittelangebot ist so vielfältig wie nie zuvor. Dennoch schränken viele Menschen ihre Lebensmittelauswahl ein. Dr. Margareta Büning-Fesel, erklärt im Interview den Widerspruch.

Salat in Schüssel mit Besteck daneben
Rido / Fotolia.com

Zu keiner Zeit gab es so ein großes Angebot an Lebensmitteln. Da müsste es doch ein Leichtes sein, sich ausgewogen und gesundheitsförderlich zu ernähren. Tatsächlich sind immer mehr Menschen übergewichtig und ernährungsmitbedingte Erkrankungen weit verbreitet. Wie passt das zusammen?

Dr. Margareta Büning-Fesel
Dr. Margareta Büning-Fesel
ist Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung in der BLE. Sie hat einen Lehrauftrag an der Hochschule Niederrhein zum Thema „Kampagnen zur Ernährungsaufklärung“ und einen Lehrauftrag an der Hochschule Coburg zur „Didaktik der Beratung von Gruppen“.
siehe Anprechpartner

Dr. Margareta Büning-Fesel: Das Angebot an Lebensmitteln war noch nie so vielfältig und gleichzeitig gab es noch nie so sichere Lebensmittel wie heute. Doch gerade in diesem Schlaraffenland fällt vielen die Auswahl besonders schwer. Scheinbar haben die Menschen ihr natürliches Verhältnis zu Lebensmitteln verloren. Was tut mir gut und was nicht? Was braucht mein Körper? Das Gefühl hierfür scheint bei einigen zu fehlen. Stattdessen existiert eher Verunsicherung und die Angst, man könne sich beispielsweise durch Laktose oder Gluten schaden. Wenn mir ein Brot mit Gluten noch nie Probleme bereitet hat, warum soll ich es dann nicht mehr essen, nur weil Gluten drin enthalten ist? Das Gleiche bei der Milch. Natürlich gibt es Personen, die Gluten tatsächlich nicht vertragen oder eine Milchzucker-Unverträglichkeit haben. Für diese Betroffenen ist es ein Segen, dass sich die Palette der gluten- oder laktosefreien Produkte in den letzten Jahren so stark ausgeweitet hat. Aber das sind nur wenige und es gibt viele, die diese Produkte essen, ohne dass sie es müssten.

Gleichzeitig mangelt es vielfach an Ernährungskompetenz. Manche wissen nicht, wie man beispielsweise bestimmte Gemüsearten zubereitet, wo sie herkommen und wie sie hergestellt werden. Oder wie sie aus einfachen Grundnahrungsmitteln eine leckere Mahlzeit zubereiten. Normalerweise erfolgt die Vermittlung solcher Kompetenzen in der Familie, aber auch in der Schule. Hier setzen wir beispielsweise mit dem Ernährungsführerschein an, bei dem Kinder in der Grundschule lernen, mit Lebensmitteln umzugehen und sie zuzubereiten.

Gleichzeitig gibt es aber auch den Trend zur rein pflanzlichen Ernährung, der veganen Kost. Wie bewerten Sie das? Steht das nicht im Widerspruch?

Eine bewusste Entscheidung dafür, mehr pflanzliche Lebensmittel zu essen, ist ja erst mal ganz positiv. Aber für manche wird Essen durch solch strikte Regeln und Vorgaben auch zu einer Art Ersatzreligion. Ich kann dadurch meine politische oder gesellschaftliche Haltung ausdrücken und mich von anderen abgrenzen. Dahinter stecken natürlich auch kommerzielle Interessen. Wenn man die Regale mit veganen Lebensmitteln anschaut und sieht, wie viele Produkte hier tierische Lebensmittel nachbauen, dann wird schnell klar, welches Marktpotenzial sich dahinter verbirgt. Und ein Trend ruft immer auch einen Gegentrend hervor, also die Fülle und der Überfluss an Lebensmitteln auf der einen Seite und die Auswahl stark beschränken auf der anderen Seite.

Warum sind Ernährungstrends oder -ideologien – sei es die vegane Kost oder die Low-Carb-Bewegung – so beliebt?

Möglicherweise kommen sie so gut an, weil sie klare Regeln haben. Menschen erhalten so eine einfache Orientierungshilfe. Sie müssen „nur“ zwischen einem begrenzten Angebot auswählen und Entscheidungen werden ihnen abgenommen, da sie vorgegeben sind. Leider verlernen sie dabei, auf ihr Körpergefühl zu achten und selbst Verantwortung für ihr Essen und infolge auch für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Was empfehlen Sie?

Wir sollten wieder unserem Grundgefühl vertrauen, mehr auf den eigenen Körper hören und lernen zu reflektieren, was uns schmeckt und uns wirklich gut tut. Dazu brauchen wir keine rigiden Regeln und keine Einteilung in gesunde oder ungesunde Lebensmittel. Entscheidend ist, wie viel ich wovon esse. Der Genuss darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen. Ernährungsempfehlungen geben lediglich einen Orientierungsrahmen vor und überlassen jedem Einzelnen selbst die Verantwortung, zu entscheiden, was gut für ihn ist.

Menschen sind aber auch dankbar dafür, wenn sie Unterstützung bei der Auswahl und Verfügbarkeit von Lebensmittel-Optionen bekommen, von denen sie sehr bewusst mehr (oder weniger) essen möchten. Wer also bewusst mehr pflanzliche Lebensmittel oder mehr Vollkornprodukte essen möchte, freut sich über eine ansprechende und attraktive Auswahl z. B. indem die gewünschte Wahl etwas mehr in den Fokus gerückt wird und energiereiche „Extras“ z. B. in kleinen Portionen angeboten werden.

Dr. Claudia Müller, Bonn

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