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Der Markt mit laktosefreien Produkten boomt. Haben auf einmal so viele Menschen eine Milchzuckerunverträglichkeit? Oder handelt es sich hier eher um einen Lifestyle-Trend?

Laktosefreie Produkte mit Schild
iStock.com / minoandriani

Teils, teils: Eigentlich gibt es laktosefreie Lebensmittel schon sehr lange. Ursprünglich waren sie für diejenigen Menschen gedacht, die eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) haben. Zurzeit sind etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von dieser Unverträglichkeit betroffen. Für diese Menschen können solche Spezialprodukte – insbesondere laktosefreie Milch – eine sinnvolle Alternative sein, weil sie dadurch eine größere Lebensmittelauswahl haben.

Ein Lifestyle-Produkt?

Seit einigen Jahren boomt der deutsche Markt für laktosefreie Lebensmittel. Woran liegt das? Haben auf einmal so viele Menschen eine Milchzuckerunverträglichkeit? Wohl kaum. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat im Jahr 2015 herausgefunden, dass rund 80 Prozent der Käufer*innen von laktosefreien Produkten gar keine Milchzuckerunverträglichkeit haben. Da stellt sich die Frage: Warum kaufen diese Menschen solche Produkte? Es scheint ein Lifestyle-Trend zu sein. Offenbar klingt „Frei von Laktose“ ziemlich gesund und daher interessant. Also greifen sie zu. Sie haben das Gefühl, mit laktosefreien Produkten ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Dass diese Produkte im Vergleich zu klassischen Milchprodukten deutlich teurer sind, scheint für sie eher zweitrangig zu sein. Die meisten Käufer*innen, die keine Milchzuckerunverträglichkeit haben, wissen aber nicht, was „frei von Laktose“ überhaupt bedeutet und dass diese Spezialprodukte für sie eigentlich überflüssig sind.

Kurzum: Nötig sind laktosefreie Spezialprodukte (und davon auch nicht alle) für Personen mit einer Laktoseintoleranz. Nett sind sie für diejenigen, die damit Geld verdienen.

Weitere Informationen zu laktosefreien Lebensmitteln

Warum sind manche Milchprodukte von Natur aus laktosefrei?

Lange gereifte Schnitt- und Hartkäsesorten wie Emmentaler, Berg­käse, Edamer, Gouda, Parmesan und Appenzeller sowie Butter enthalten von Natur aus weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm und sind damit quasi laktosefrei – auch wenn die Kennzeichnung „laktosefrei“ fehlt. Der Grund: Wenn Käse reift, wird die Laktose in der verarbei­teten Milch mit der Zeit in Milchsäure umgewandelt. Je länger der Käse reift, desto weniger Laktose enthält er. Personen mit Laktose-Unverträglichkeit können Hartkäsesorten deshalb in der Regel gut vertragen. 

Wie werden Milch und Milchprodukte laktosefrei gemacht?

Milch enthält Milchzucker (Laktose). Es handelt sich um einen Zweifachzucker, der aus den beiden Einfachzuckern Glukose und Galaktose besteht. Um die Milch laktosefrei zu machen, wird sie mit dem Enzym Laktase versetzt. Es spaltet den Milch­zucker in die beiden Einfachzucker. Durch erneutes Erhitzen wird das Enzym wieder deaktiviert. Da die Einfachzucker eine höhere Süßkraft haben als der Zweifachzucker Laktose, schmeckt laktosefreie Milch deutlich süßer als herkömmliche Milch.

Die Weiterverarbeitung zu laktosefreien Milchprodukten wie Quark, Jogurt, Frischkäse, Sahne, Pudding oder Süßspeisen variiert je nach Hersteller. Entweder werden die Produkte aus laktosefreier Milch hergestellt oder man gibt während der Verarbeitung von herkömmlicher Milch das Enzym Laktase zu, das den Milchzucker spaltet.

Übrigens: Laktosefreie Milch und Milcherzeugnisse enthalten genauso viele Nährstoffe (auch Calcium) wie herkömmliche Milchprodukte.

Wann darf ein Lebensmittel als "laktosefrei" gekennzeichnet werden?

Gesetzlich verbindliche Kennzeichnungsregeln gibt es nur für Milch und einige Milchprodukte: Ein reduzierter Laktosegehalt von Milch oder Milcherzeugnissen wie Joghurt oder Buttermilch sowie Käse und Käseerzeugnisse muss deutlich sichtbar auf dem Etikett von Milch angegeben werden. Als laktosefrei können die Produkte beworben werden, wenn sie weniger als 0,1 Gramm pro 100 Gramm oder 100 Milliliter Lebensmittel enthalten. Und der Laktosegehalt muss auf dem Produkt gekennzeichnet werden, beispielsweise mit „Laktosegehalt: unter 0,1 g/100 g“.

Für andere Lebensmittelgruppen gibt es keine gesetzlich verbindliche Regelung. Sie dürfen nach allgemeiner Verkehrsauffassung dann als laktosefrei gekennzeichnet werden, wenn das Produkt weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthält. Hierbei handelt sich um eine freiwillige Angabe.

Warum findet man auf so vielen Verpackungen den Hinweis "laktosefrei"?

In der Tat liest man diesen Hinweis auch auf vielen Produkten, die in der Regel sowieso keinen Milchzucker enthalten. Dazu zählen beispielsweise diverse Schinken, Kochschinken oder Brot. Mitunter kann die Information durchaus hilfreich sein kann. So etwa heißt es in einem Beschluss des ALTS (Arbeitskreis der auf dem Gebiet der Lebensmittelhygiene und der Lebensmittel tierischer Herkunft tätigen Sachverständigen) von Juni 2019, dass der Hinweis „laktosefrei“ auf Rohpökelwaren wie Schinken zulässig sein kann, da Lactose – wenn auch nur zu geringen Mengen – im Herstellungsprozess verwendet werden kann. Einige Hersteller*innen aber erhoffen sich durch den Hinweis jedoch sicher schlicht bessere Vermarktungschancen.

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