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Ernährungsberatung ist trotz Corona möglich: Auf Abstand, per Telefon oder Video. Verbände beraten ihre Mitglieder und Solidarität ist Trumpf.

Seniorin sitzt bei einer Videoberatung vor dem Laptop
agenturfotografin/stock.adobe.com

Präventionskurse zum Abnehmen, Kochkurse mit Kindern, Vorträge im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung: Diese und viele weitere Leistungen von Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberatern lagen in der ersten Welle der Corona-Pandemie auf Eis. Nun ist die zweite Welle da. Wieder heißt es Kurse aussetzen oder per Video anbieten, Kontakte einschränken und am besten zuhause bleiben.

Doch mittlerweile haben sich viele Ernährungsfachkräfte gut auf die neuen Herausforderungen eingestellt. Sie setzen sämtliche Hygienemaßnahmen in ihren Praxen konsequent um. So sind Einzelberatungen trotz Corona weiterhin möglich. Als Alternative kommen Beratungen per Telefon oder Video in Frage. Das gilt auch für Gruppenberatungen, die in Web-Seminare umgewandelt werden können.

Bei aller Tragik der Ereignisse, Sorgen und Nöte der Betroffenen: Unterm Strich hat die Ernährungsberatung durch die Coronakrise einen Schub in Richtung digital erhalten. Der kann auch nach Corona dabei helfen, der Welle an ernährungsmitbedingten Erkrankungen wirksam zu begegnen.

Berufsverbände für Ernährungsfachkräfte: Gerade jetzt gemeinsam

Eine zentrale Funktion übernehmen die Berufsverbände für Ernährungsfachkräfte: VDOE, VDD, VFED und QUETHEB. Sie tauschen sich auch untereinander aus, um die Probleme ihrer Mitlieder zu lösen. Dazu gehört eine erwirkte Sonderregelung zur Bestandssicherung der Anbieterqualifikation seitens der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) bis zum 31.12.2020. Mittlerweile dürfen die Einweisungen in Präventionskonzepte sogar online stattfinden. Sie führen zu einem Zertifikat, das drei Jahre gültig ist.

Besonders der VDOE (Berufsverband Oecotrophologie e. V.) und der VDD (Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e. V.) haben eine Menge an wichtigen Infos zu vielen Fragen rund um die Coronakrise für Ernährungsberater*innen zusammengetragen.

Wer bereits Mitglied ist, hat darauf über das jeweilige Intranet Zugriff. Außerdem hat beispielsweise der VDOE einen speziellen Corona-Email-Verteiler eingerichtet. So können sich die Betroffenen bundesweit untereinander austauschen.

Wer noch kein Mitglied ist, sollte sich nach dem Motto „Gerade jetzt gemeinsam“ überlegen, die Arbeit der Verbände sowie die eigene durch einen Beitritt zu stärken. Bis dahin finden Nicht-Mitglieder Antworten auf einige Fragen auch im öffentlichen Bereich auf den jeweiligen Webseiten oder Social-Media-Kanälen der Verbände.

Einzelberatung in der Praxis weiterhin möglich

Die individuelle Ernährungsberatung oder -therapie ist für viele Ernährungsfachkräfte das wichtigste Standbein. Grundsätzlich ist das persönliche Gespräch in den Praxisräumen weiterhin erlaubt. Die Bundesregierung schreibt in ihren Leitlinien zur Beschränkung von sozialen Kontakten angesichts der

Corona-Epidemie: „Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.“

Eine stark entzerrte Terminvergabe kann dafür sorgen, dass sich immer nur ein Klient oder eine Klientin in den Praxisräumen befindet. Desinfektionen von Türklinken, Stühlen und anderen Oberflächen können das Risiko für eine Virus-Verbreitung senken. Ansonsten gelten auch für die Ernährungsberatung die AHA-Regeln. Sie wurden speziell für den Herbst und Winter um ein L für regelmäßiges Lüften und ein A für die Corona-Warn-App ergänzt.

Einzelberatung per Telefon oder Video durchführen

Die hohen Hygieneanforderungen umzusetzen, erfordert jedoch einen Mehraufwand, den nicht alle erfüllen können oder wollen. Einfacher und sicherer ist daher auch für die Ernährungsberatung, #wirbleibenzuhause wörtlich zu nehmen.

Wenn die Klient*innen oder Patient*innen zuhause genug Privatsphäre und Ruhe haben, lassen sich Einzelberatungen telefonisch weiterführen. Verfügen sie über ein Mobilgerät, Tablet oder PC mit Kamera, Mikrophon und Lautsprecher, kommt auch eine Videoberatung in Frage. Die ähnelt der klassischen Beratungssituation am meisten. Ist die technische Ausstattung im Büro am Arbeitsplatz besser, ist das eine denkbare Alternative. Unterlagen oder Formulare können zusätzlich per Email, Fax oder Briefpost ausgetauscht werden.

Grundsätzlich ist bei allen diesen Alternativen immer das Einverständnis der Klient*innen einzuholen. Die Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind zu beachten.

Präventionskurse oder Vorträge online anbieten

Da Treffen in größeren Gruppen derzeit verboten sind, wurden für laufende Präventionskurse Sonderregelungen mit den Krankenkassen und der ZPP vereinbart. Ernährungsberater*innen können solche Kurse per Live-Videokonferenz zu Ende führen oder neue Kurse online starten. Alternativ können sie begonnene Kurse abbrechen und anteilig abrechnen. Die Kurse müssen jedoch bis zum 31.12.2020 abgeschlossen sein. Alle Details finden sich auf der Website der ZPPIm Zweifel empfiehlt es sich, bei den Verbänden oder direkt bei Krankenkassen oder der ZPP nachzufragen.

Digitale Kurse sind womöglich nicht jedermanns Sache. Das hängt stark von denen eigenen Neigungen und dem Profil der zu beratenden Personen ab. Wer offen für Neues ist, sollte jedoch einen Versuch wagen. Natürlich muss auch hier die DSGVO im Blick behalten werden. Wichtige Informationen geben die Berufsverbände sowie hilfreiche Webseiten und Portale im Internet (s. "Übersichten und Tipps für Videoberatung und Web-Seminare“).

Videokonferenz oder Web-Seminar

Die Übergänge zwischen Videokonferenz und Web-Seminar sind fließend. Videokonferenzen dienen vor allem dem gegenseitigen Austausch und Gespräch. Hierzu kommunizieren zwei oder mehr Teilnehmer über eine Bild- oder Tonverbindungen in Echtzeit miteinander.

Bei einem Web-Seminar steht die Wissensvermittlung im Vordergrund. Wie bei einem Vortrag können sich die Moderatoren an eine große Gruppe von Personen richten. Oft kommunizieren sie dabei über einen zweigeteilten Bildschirm: Ein Fenster zeigt den Vortragenden, ein zweites eine Powerpoint-Präsentation. Je nach Größe des Publikums, kann es durch Umfragen oder Chat-Funktionen aktiv in das Web-Seminar eingebunden werden.

Gerade jetzt sind viele Menschen dankbar für Online-Angebote. Sie ersetzen zumindest teilweise den persönlichen Kontakt. Außerdem sind Themen wie Einkaufen, Vorratshaltung, Kochen und (gesunde) Ernährung besonders gefragt. Immer mehr Dienstleister*innen probieren solche Möglichkeiten aus und nutzen sie für ihre Arbeit. Gleichzeitig erklären Unternehmensberater oder Anbieter hilfreicher Tools in Blogbeiträgen oder YouTube-Tutorials, wie sie funktionieren.

In Social Media einsteigen

Wer bisher skeptisch war oder einfach keine Zeit und Lust hatte, sich mit den Sozialen Medien zu beschäftigen, mag vielleicht jetzt nachziehen. Denn in Zeiten von Abstandhalten und Kontaktverbot bieten die diversen Kanäle viele Vorteile.

Durch die Wahl der geeigneten Plattformen können alle gezielt Informationen und Angebote suchen, die sie privat oder beruflich weiterbringen. So werden im Moment zum Beispiel auf XING oder LinkedIn viele kostenlose Weiterbildungsangebote veröffentlicht.

Die Sozialen Medien ermöglichen einen unkomplizierten Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Kolleg*innen. Das geht oft weit über das engere Netzwerk hinaus, da Solidarität gerade großgeschrieben wird. Und diese Medien bieten natürlich die Chance, eigene Themen oder Angebote bekannt zu machen. Speziell gut gemachte Infos zur Ernährung sind immer sehr gefragt. 

Eigene Website erstellen oder überarbeiten

Freie Zeiten und Energien können auch für die Überarbeitung der eigenen Website genutzt werden:

  • Stimmen die Leistungen auf der Website noch mit den tatsächlichen Schwerpunkten überein?
  • Lassen sich die Seiten durch zufriedene Kundenstimmen oder Arbeitsproben aufwerten?
  • Wie sieht es mit der Suchmaschinenoptimierung (SEO) aus?
  • Ist jetzt die Zeit reif, einen eigenen Blog zu integrieren?
  • Und wer noch gar keine eigene Präsenz im Internet hat, mag sich vielleicht jetzt dieser spannenden Aufgabe widmen.

Egal, ob Überarbeitung oder erste eigene Website: Auch beim professionellen Auftritt im Internet hilft das Internet: Wer alles selber machen möchte, findet Website-Baukästen und hilfreiche Blogs zu allen Themen rund um die Webpräsenz. Wer sich lieber Hilfe holt, gelangt mit den richtigen Suchbegriffen zu Fachleuten, die sich mit Konzeption, Webdesign und Texterstellung auskennen.

 

Gabriela Freitag-Ziegler, Bonn

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