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Nährwertkennzeichnung

Praktisch alle vorverpackten Lebensmittel müssen seit Dezember 2016 eine Nährwertkennzeichnung tragen. Nur für wenige Produkte gelten Ausnahmen von dieser Regel.

Nährwerttabelle auf einer Dose
Dr. Christina Rempe, Berlin

Wer auf Lebensmittelverpackungen Hinweise über den Nährwert des Produkes sucht, kann verschiedene Informationen finden:

Nährwertkennzeichnung in Tabellenform

Die Nährwertkennzeichnung ist seit Dezember 2016 für alle vorverpackten Lebensmittel EU-weit verpflichtend. Das schreibt die EU-Lebensmittelinformationsverordnung Nr. 1169/2011 (LMIV) vor. Danach müssen sieben Nährwerte bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter in Tabellenform auf dem Etikett stehen:

  • der Energiegehalt und die Gehalte an
  • Fett,
  • gesättigten Fettsäuren,
  • Kohlenhydraten,
  • Zucker,
  • Eiweiß und
  • Salz.

Diese sieben Pflichtangaben dürfen durch bestimmte freiwillige Angaben, etwa über den Gehalt an Ballaststoffen oder ungesättigten Fettsäuren ergänzt werden. Auch Informationen über den Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen sind unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Die Tabellenform ist grundsätzlich Pflicht.Nur bei Platzmangel dürfen die Angaben hintereinander aufgeführt werden, etwa bei kleinen Verpackungen. Die Nährwertkennzeichnung muss ebenfalls die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschriftgröße erfüllen, das heißt mindestens 1,2 Millimeter groß sein, bezogen auf den kleinen Buchstaben „x“.

Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht

Die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung gilt nur für vorverpackte Lebensmittel. Das sind Lebensmittel, die in Abwesenheit des Käufers so verpackt wurden, dass ihr Inhalt nicht verändert werden kann, ohne dass dies an der Verpackung erkennbar wäre. Lose verkaufte Ware darf in der Regel ohne Nährwertinformationen angeboten werden. Zur losen Ware zählen auch Lebensmittel, die an der Theke auf Wunsch des Käufers am Verkaufsort verpackt werden, beispielsweise Wurst, Käse oder Brot.

Auch bei bestimmten vorverpackten Lebensmittel darf die Nährwertkennzeichnung entfallen, beispielsweise bei unverarbeiteten Monoprodukten. Das sind Lebensmittel, die nur aus einer Zutat oder Zutatenklasse bestehen wie Obst und Gemüse, Mehl oder Reis. Auch Kräuter, Gewürze sowie Mischungen daraus, Kaugummi, Tee sowie Kräuter- und Früchtetees dürfen ohne Nährwerttabelle verkauft werden. Unter die Ausnahmeregelungen fallen außerdem dem vorverpackte Erzeugnisse, die in kleinen Mengen von Hersteller vermarktet werden, beispielsweise handwerklich hergestellte Marmeladen, Würste oder Kekse. Ihr Vertrieb erfolgt meist über Hofläden oder Wochenmärkte.

Ein Sonderfall sind alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol, also beispielsweise Wein, Bier und Biermischgetränke: Für sie gibt es bislang keine geseztliche Pflicht für eine Nährwerttabelle. Jedoch hat die EU-Kommission 2017 den Bericht einer Folgenabschätzung veröffentlicht. Danach erkennt sie keine sachlichen Gründe, die gegen eine solche Pflicht sprechen. Sie fordert die Alkohol-Branche daher zu einer freiwilligen Kennzeichnung auf. Hierzu haben beispielsweise Brauereien, die in bestimmten Verbänden organisiert sind, bereits einen Beschluss gefasst, nach dem sie die Nährwertkennzeichnung im Jahr 2019 schrittweise umsetzen wollen.

Nährwertbezogene Angaben

Es gibt aber auch freiwillige Hinweise über positive Nährwerteigenschaften eines Lebensmittels, zum Beispiel „fettarm“ oder „reich an Ballaststoffen“. Dies sind die so genannten „nährwertbezogenen Angaben“. Sie dürfen nur verwendet werden, wenn sie den Anforderungen im Anhang der europäischen Health-Claims-Verordnung entsprechen. Die Aussage „fettarm“ setzt beispielsweise voraus, dass feste Lebensmittel nicht mehr als 3 Gramm Fett pro 100 Gramm enthalten. Wird ein vorverpacktes Lebensmitteln mit nährwertbezogenen Angaben beworben, muss es eine Nährwerttabelle tragen. Der Gehalt des Stoffes, auf den sich die nährwertbezogene Angabe bezieht, muss dabei auf jeden Fall aufgeführt sein.

Weitere Informationen zur Nährwertkennzeichung

Handwerksprodukte: Für welche gelten Ausnahmen von der Nährwertdeklarationspflicht?

Damit handwerklich arbeitende Betriebe wie Direktvermarkter durch die Pflichtkennzeichnung nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) nicht übermäßig belastet werden, sind ihre Produkte unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung befreit. Das ergibt sich aus Anhang V Nr. 19 LMIV. Die Ausnahme gilt, wenn lediglich kleine Mengen direkt vom Hersteller in einer Verkaufsstelle im Herstellungsbetrieb selbst oder in eigens betriebenen Verkaufsfilialen unmittelbar an den Endverbraucher abgegeben werden. Auch bei einem lokalen Vertrieb über Marktstände Dritter, etwa auf Wochenmärkten, muss die vorverpackte Ware keine Nährwertkennzeichnung tragen. Was dabei dem Begriff "lokal" entspricht, ist rechtlich nicht definiert. In der Regel wird darunter der Vertrieb in einem Umkreis von 50 km verstanden. Unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten mag aber auch ein Vertrieb im Umkreis von 100 km noch unter den Begriff fallen.

Erfolgt die Abgabe aber beispielsweise an den Einzelhandel und werden die Produkte dort portioniert, gilt die Ausnahmeregelung nicht. Sie gilt auch nicht für den Fernabsatzhandel, wenn die Produkte beispielsweise online oder Prospekte angeboten und verkauft werden.

Generell von der Pflicht zur Nährwertdeklaration befreit sind vorverpackte Lebensmittel sogenannter Kleinstunternehmer. Auch der Begriff des Kleinstunternehmers ist rechtlich nicht verbindlich definiert. In der Regel fallen darunter Betriebe mit einer Mitarbeiteranzahl unter zehn und eine Jahresumsatz von weniger als zwei Millionen Euro.
 

Welche Besonderheiten gelten für die Nährwertinformation über Vitamine und Mineralstoffe?

Die Gehalte an Vitaminen und Mineralstoffen dürfen in der Nährwerttabelle nur aufgeführt werden, wenn signifikante Mengen dieser Stoffe in dem Produkt enthalten sind. Dazu hat der EU-Gesetzgeber Nährstoffbezugswerte (nurient reference values, NRV) festgelegt. Diese Werte basieren auf allgemein anerkannten Empfehlungen zur täglichen Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen. Je nachdem, ob es sich um ein Lebensmittel oder ein Getränk handelt, müssen unterschiedliche Mindestmengen an Vitaminen beziehungsweise Mineralstoffen im Produkt enthalten sein, damit diese in der Nährwerttabelle aufgeführt werden dürfen: Für feste Lebensmittel müssen nach Anhang XIII der EU-Lebensmittelinformationsverordnung mindestens 15 Prozent des Nährstoffbezugswertes für den jeweiligen Stoff in 100 Gramm oder 100 Milliliter enthalten sind. Für Getränke genügen 7,5 Prozent des jeweiligen Nährstoffstoffbezugswertes.

Außerdem muss angegeben werden, wie viel Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs an Vitaminen beziehungsweise Minderalstoffen mit dem Verzehr von 100 Gramm, 100 Milliliter oder einer Portion des Produkts abgedeckt werden.

Welche Vorschriften gibt es für Nährwertsymbole?

Zusätzliche Portionsangaben, GDAs und „Tönnchen“

Hinweise auf den Nährwertgehalt einer Portion sind freiwillig und auch nur dann zulässig, wenn über die Portionsgröße und die Gesamtzahl der Portionen pro Packung informiert wird. Solche Hinweise dürfen auch Bezug nehmen auf Referenzmengen. Sie informieren darüber wie viel Prozent eines Referenzwertes (Orientierungsmengen für einen Erwachsenen) in einer Portion enthalten ist. Die Referenzwerte sind im Anhang XIII der EU-Lebensmittelinformationsverordnung verbindlich festgeschrieben. Auch eine grafische Darstellung der Nährwertinformationen, etwa in Form kleiner „Tönnchen“, ist erlaubt.

Symbole, die den Gesundheitswert anzeigen

Das britische Gesundheitsministerium hat sich im Juni 2013 für eine vereinfachte Kennzeichnungsvariante auf der Verpackungsvorderseite ausgesprochen. Die sieben Nährwertangaben werden mit Ampelfarben unterlegt: Grün steht für einen niedrigen Gehalt, rot für einen hohen Gehalt eines Nährstoffes, eine gelbe Farbe entsprechend für einen mittleren. So können Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwertangaben leichter bewerten. In Finnland gibt es von staatlicher Seite seit vielen Jahren das Herz-Symbol, das Hersteller verwenden können, um Produkte zu kennzeichnen, die einen hohen Gesundheitswert haben. In Schweden, Dänemark und Norwegen steht dafür das Schlüssellochsymbol – das Keyhole. Nur Produkte, die bestimmte Nährwertkriterien erfüllen, dürfen diese Symbole tragen. Sie dürfen beispielsweise bestimmte Grenzen an Zucker nicht überschreiten oder müssen Mindestgehalte an Ballaststoffen aufweisen. Die Kriterien sind von Lebensmittelgruppe zu Lebensmittelgruppe unterschiedlich. Auch in Frankreich tragen seit Ende 2017 viele Lebensmittel eine zusätzliche freiwillige Nährwertinformation, das sogenannte Nutri-Score. Dieses System nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertqualität des Lebensmittels vor, indem es günstige und ungünstige Nährwerte mit Punkten bewertet und diese miteinander verrechnet. Das Ergebnis wird mit einer fünfstufigen Farbskala von grün über gelb bis rot dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist.

Solche freiwilligen Ergänzungen der verpflichtenden Nährwerttabelle sind zulässig, sie dürfen aber den freien Warenverkehr nicht behindern und müssen bei der EU-Kommission angemeldet werden.

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin und Gesa Maschkowski, BLE

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin und Gesa Maschkowski, BLE |

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