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Das ist mir noch nie passiert: Ich stehe im Discounter, greife nach den Bioeiern, öffne die Schachtel – und lege sie nach kurzem Zögern zurück ins Regal. Da ist er: Der Greta-Effekt. Denn die Eier sahen einwandfrei aus. Kein Kratzer auf der Schale – nur zwei kleine Zeichen, aufgestempelt in rosa Farbe: NL. Und ich frage mich: Warum müssen Eier aus den Niederlanden zu uns kommen, wo wir um uns herum auch viele Bio-Höfe haben? Die Eier werde ich also im Bio-Laden holen. Genau wie die Möhren – denn die Bio-Möhren gibt es dort, wo ich bin, nur in Plastikverpackung.

Frau von hinten mit Leinenbeutel über der Schulter und Metallboxen in der Hand.
Judith Pulg | Fotografie

Anders als Julia, die das ja schon sehr lange vorbildlich betreibt, bemerke ich bei vielen Dingen den Greta-Stups. Was ich über Jahre ausgeblendet habe, wird jetzt wieder deutlich. Und - wie viele - will auch ich etwas ändern.

Ja, klar, ich achte darauf, Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst woimmer möglich ohne Plastikverpackung zu kaufen. Wenn ich aber in unseren Plastikmüll schaue, finde ich trotzdem noch Unmengen an aufgerissenen Tüten, Folien und Schalen. Allein für mein selbstgemachtes Müsli landeten gestern wieder fünf verschiedene Verpackungen im Müll – zum Teil definitiv vermeidbar, weil ich die Mandeln und Haselnüsse zum Beispiel auch aus dem großen Sack im Biomarkt hätte scheffeln können.

Und selbst dort produziere ich unnötig Müll, weil ich meinen Salat, die Pilze, die Tomaten oft genug einzeln in Papiertüten fülle. Und für den Fall, dass ich meine Box oder Einkaufstüte vergesse, stehen auch immer ein Paar Pappkartons bereit. Besser als Plastik – aber mit etwas Anstrengung geht das sicher noch besser!

Meine Mutter hatte, so lange ich zurückdenken kann, immer eine Schublade im Flur für Plastiktüten. Die wurden dort gesammelt und kamen beim nächsten Einkauf oder – wenn sie richtig durchgenutzt waren – als Mülltüte zum Einsatz. Auch ich sammle Tüten in einem Beutel im Abstellraum. Aber ich vergesse ständig, sie mitzunehmen. Und wenn ich daran denke, ärgere ich mich, dass ich ewig brauche, um die richtige zu finden: zu klein, zu löcherig, zu schmutzig...

Ich brauche eine andere Strategie. Die Beutel und Boxen, die ich mit zum Einkaufen nehme, müssen präsent sein. Oder so klein verstaubar, dass sie in meine Jackentasche passen und ich sie immer dabei habe. Julias leichte Obstbeutel wären da sicher eine Option.

Für Brot und Kartoffeln haben wir jetzt einen je eigenen Leinenbeutel gekennzeichnet, so dass klar ist: In diesem Beutel wird nur Brot transportiert, in jenem nur Kartoffeln. Letzterer darf dann auch ruhig schmutzig werden. Denn wenn eh nur Kartoffeln hineinkommen, stört das ja nicht. Und das Tolle: Die Kartoffeln können gleich drin bleiben. Denn der Stoff hält das Licht ab, lässt aber Luft durch – perfekt, um Kartoffeln darin zu lagern.

Wir designen individuelle Einkaufsbeutel

Zum Geburtstag meines Sohnes habe ich mit den Kindern Jute-Turnbeutel angemalt, die sich hervorragend für Brot, Kartoffeln etc. eignen. Es sind noch einige übrig, die wir jetzt zu individuellen Einkaufstaschen umgestalten – und im neuen Jahr dann hoffentlich ganz, ganz oft zum Einsatz bringen...

Das brauchen wir: Leinenbeutel, Stoffmalfarben, Backpapier und Bügeleisen.

Das brauchen wir: Leinenbeutel, Stoffmalfarben, Backpapier und Bügeleisen. Wie nehmen für unsere Taschen Stoffmalkreiden, die wir heute zum ersten Mal ausprobieren. Es eignen sich aber auch Finger-Stoffmalfarben oder Textil-Filzstifte.

Erwachsenenhand malt Brot und Brötchen auf einen Leinenbeutel.

Und dann wird gemalt...

Jungenhand malt Lebensmittel auf einen Leinenbeutel – Sicht von oben.

...und gemalt...

Mädchenhände malen orangefarbene Striche auf einen Leinenbeutel.

...und gemalt...

Während die Kinder noch fleißig sind, heizt Mama schonmal das Bügeleisen auf, um...

Erwachsenenhand bügelt über einen mit Backpapier abgedeckten Leinenbeutel.

...die Farbe dann durch die Hitze zu fixieren. Nun darf man die Beutel auch waschen, ohne das hübsche Motiv zu zerstören.

Vier bunt bemalte Leinenbeutel liegen auf einer Tischplatte aus Holz: einer mit Kartoffelmännchen, einer mit Brot, Brötchen und Brezel, einer mit vielen bunten Lebensmitteln und einer mit vielen bunten Strichen.

Voilà: Unsere neuen Einkaufsbeutel – mal eben in einer guten halben Stunde vor dem Abendessen fabriziert. Und wenn ich meine Kinder richtig einschätze, gehen wir jetzt in Produktion!

Heute habe ich mir dann auch endlich mal eine Charge größerer Edelstahl-Boxen bestellt, so dass ich auch an der Fleischtheke endlich ohne Plastik einkaufen kann. (Glas ist da verboten.) Und vielleicht sollte ich dann auch gleich noch einen Leinenbeutel für Mehrweggläser und Boxen bemalen, den ich dann ganz präsent an die Wohnungstür hänge. Damit ich nicht erst im Biomarkt oder an der Fleischtheke merke, dass ich ja auch meine eigenen Behälter hätte mitnehmen können...

Wo spart ihr Plastik? Wo klappt es nicht? Ich freue mich über einen ehrlichen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren!

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Kommentare (2)

Plastik-frei
Adele / 04.01.2020 / 16:42 Uhr

Gut finde ich, dass sich immer mehr Menschen/Verbraucher endlich Gedanken machen über den "Verpackungswahn" .Da ich in den "neuen Bundesländern" zu Hause bin und auch schon im Rentenalter, kann ich mich noch sehr gut erinnern, dass wir früher nie ohne Zusatzbeutel einkaufen gegangen sind (das hatte aber völlig andere Gründe als Verpackung einzusparen - die war oft auch Mangelware. Aber die Gewohnheit mit Tasche und Korb einkaufen zu gehen, die hab ich beibehalten, schon vor Greta! Allerdings nutze ich meine Bestände an Plastikdosen weiter, neue kommen keine dazu. Einfach alles entsorgen, um dann plastikfrei zu leben? Für mich ist es besser, Sachen zu nutzen bis sie nicht mehr verwendet werden können und dann durch besseres ersetzt werden.

Guter Ansatz!
Judith Pulg / 09.01.2020 / 08:40 Uhr

Liebe Adele, vielen Dank für deinen Kommentar. Kann das nur unterstützen: Was noch gut zu nutzen ist, sollten wir nicht wegschmeißen, nur weil es gerade vielleicht nicht mehr "in" ist. Selbst Verpackungen lassen sich oft gut im Haushalt weiterverwenden: Ich fülle viele Lebensmittel zum Beispiel in leere Honiggläser oder Smoothie-Flaschen ab. Leider eignen sich Glasbehälter zum Einkaufen aber nur bedingt. Erstens sind sie sehr schwer, zweitens sind Glasbehällter (aktuell) mancherorts verboten. Da ich die typischen Plastikdosen noch nie wirklich mochte und nur wenige zu Hause habe, sind die Edelstahlboxen für mich eine gute – und vielseitige – Alternative. Denn die eignen sich nicht nur zum Aufbewahren, sondern zum Beispiel auch zum Einfrieren und Backen und lassen sich toll beschriften.

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