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Ich habe ein sehr schönes Home-Office, in dem ich gut und konzentriert arbeiten kann – im Sitzen, vor dem Bildschirm. Der Großteil meiner Arbeit findet heute auf dem Bildschirm statt. Selbst für Meetings muss ich dank Zoom nicht mehr von meinem Bürostuhl aufstehen. Einerseits gut, andererseits braucht es für dieses ganze Sitzen und Denken einen analogen Ausgleich. Für mich ist das: unser Schrebergarten!

Hier hat der Kopf mal Pause während sich meine Hände tief in die Erde graben. Ich buddle, jäte, grabe, hacke, säe und pflanze. Ich scheitere. Und lerne. Verzweifle regelmäßig. Und immer, immer wieder: freue ich mich! Über zarte Zucchiniblüten, den allerersten Kürbis, das Aroma sonnengereifter Tomaten und jede Menge Gurken, Salate und Radieschen. Kaum etwas lässt mein Herz so zuverlässig hoch hüpfen wie ein Korb voll selbstgezogenem Gemüse. Knubblige rote Bete und schiefe Möhren machen mich regelmäßig einfach glücklich und natürlich auch satt! Hätte ich den Schrebergarten nicht, würde ich diesen dritten Ort zum Runterkommen schmerzlich vermissen und natürlich würde mir auch die Ernte fehlen. Im Sommer gibt es mehrere Wochen in denen ich den Wochenmarkt nicht besuche, weil ich nicht muss und auch einfach zu beschäftigt bin mit Einkochen, Fermentieren und schlicht weg Verarbeiten von Mangold, Fenchel, Kohl & Co.

Ausgleich gewünscht: Dritte Orte in der Natur

Den starken Wunsch nach einem grünen Ort kann ich also sehr gut nachvollziehen. Allein hier in Köln kenne ich viele (sehr viele) Leute, ganz besonders Familien, die schon lange auf einen Schrebergarten hoffen. Mittlerweile sind die Wartelisten nach der Pandemie aber bereits so lang, dass es unrealistisch wäre, sie weiter wachsen zu lassen. Darum gibt es in vielen Kleingärtnervereinen einen Aufnahmestopp. Das ist bei solch einem enormen Bedarf natürlich bitter. Selbst alteingesessenen Gartenkolonien droht das Aus wegen Abriss, denn Wohnungsnot und urbaner Platzmangel verschärfen die Lage zunehmend. Aber: Es gibt eine Alternative und zwar eine ziemlich gute!

Statt Laube und Zaun: Gemeinschaft und Austausch

Sogenannte „Selbsterntegärten“ ermöglichen heute allen ohne Gartenzugang doch noch einen Weg zum Ernteglück. Wie das funktioniert? Leichter als gedacht: Man mietet einfach ein Stück eines Ackers. Mittlerweile gibt es viele regionale Höfe, Gärtnereien oder andere Initiativen, die kleine Parzellen an Privatpersonen verpachten. Der Betrieb pflanzt Gemüse, Kräuter und Blumen im Vorfeld an, die Mieter*innen kümmern sich dann ein Jahr lang darum. Zwar fehlt die Laube, wie man sie im Schrebergarten hätte, aber dafür bekommt man etwas viel Wertvolleres: eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, denn hier gärtnert man nicht alleine, kommt schnell in den Austausch und darf gemeinsam erleben, was Ernteglück oder auch -pech ganz praktisch bedeutet.

In und besonders natürlich um Köln gibt es wie in vielen Regionen Deutschlands gleich mehrere Möglichkeiten so aktiv zu werden. Günstiger kommt man heutzutage nicht an Bio-Gemüse und stolzer wahrscheinlich auch nicht!

Probierte es doch mal aus. Oder habt ihr bereits Erfahrungen, die ihr hier teilen möchtet? Nutzt gerne die Kommentarfunktion dafür…

 

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