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Gedanken über Palmöl in Lebensmitteln

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In letzter Zeit habe ich viel über Palmöl gehört und gelesen. Anfangs dachte ich vor allem an Schokocreme. Die gibt es bei uns eher selten, also war die Welt für mich in Ordnung. Inzwischen

In letzter Zeit habe ich viel über Palmöl gehört und gelesen. Anfangs dachte ich vor allem an Schokocreme. Die gibt es bei uns eher selten, also war die Welt für mich in Ordnung. Inzwischen weiß ich deutlich mehr: Palmöl ist ein so vielseitiges Fett, dass es in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt.

Früchte der Ölpalme in einer großen Schüssel
Ben Diaz, AdobeStock

Was ist Palmöl und wofür wird es genutzt?

Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen. Es kann das ganze Jahr hindurch mit riesigem Ertrag geerntet werden. Das Fett ist hitzestabil, bei Zimmertemperatur fest und schmeckt neutral. Aufgrund dieser Eigenschaften enthalten es so viele Lebensmittel. Zum Beispiel Schokolade und andere Süßwaren, Knabberartikel und Margarine. Darüber hinaus steckt Palmöl in Kosmetika und Bio-Kraftstoff.

Was ist bedenklich an Palmöl?

Erstmal klingt es ja nicht verkehrt: Eine sehr ertragreiche Pflanze liefert ein Fett, das vielseitig einsetzbar ist. Das Problem ist die Produktion: Die Ölpalmen wachsen meist in riesigen Monokulturen, für die Regenwald gerodet wird. Bei der Brandrodung entstehen riesige Mengen Treibhausgase und die Ölpalmen selber können nur viel weniger CO2 speichern, als der Regenwald, der vorher an dieser Stelle stand. In den Monokulturen finden Tiere wie Orang-Utans, Elefanten und Nashörner kein Zuhause mehr. Und ein soziales Problem gibt es auch: Die großen Produktionsmengen lassen die Weltmarktpreise sinken. Das macht Kleinbauern das Leben schwer.

Meine erste Reaktion ist: Ab sofort schaue ich ganz genau hin und kaufe keine Lebensmittel mit Palmöl mehr. Zum Glück muss es seit 2014 klar deklariert werden, so dass ich es in der Zutatenliste finden kann. Aber schnell stellt sich heraus, dass diese Reaktion zu kurz greift.

Gibt es Alternativen zu Palmöl?

Da Ölpalmen sehr ertragreich sind und das Fett viele Einsatzmöglichkeiten bietet, sieht es mit Alternativen schwierig aus. Natürlich könnte man vermehrt Soja und Kokos anbauen oder auf Raps und Sonnenblumenöl umsteigen. Aber auch die brauchen ja Fläche, im Verhältnis sogar mehr als Ölpalmen. Die heimischen Öle müssten zusätzlich gehärtet werden, um Palmöl zu ersetzen. Ein Naturprodukt gegen gehärtete Fette auszutauschen ist nicht gerade das, was ich mir unter gesundem Essen vorstelle.

In der Klemme

Puh, das ist ja echt kompliziert: Palmöl ist so universell, dass es in vielen Produkten steckt. Dazu kommt, dass es keine richtig gute Alternative gibt. Also, was soll ich tun? Palmöl boykottieren und damit der Umwelt vielleicht noch größeren Schaden zufügen? Nein. Kopf in den Sand und weitermachen wie bisher? Nein, das ist nicht meine Art. Mit einem Gefühl der Machtlosigkeit im Bauch begebe ich mich auf die Suche nach einer vernünftigen Lösung.

Ein Lösungsansatz

Erstmal nachgucken: In welchen Lebensmitteln in meiner Küche steckt eigentlich Palmöl? Schnell finde ich Schokolade, Kekse, Salzbrezeln und anderes Knabberzeug mit Palmöl. Immerhin kommen Cornflakes und Knäckebrot, die ich ebenfalls in Verdacht hatte, ohne Palmöl aus. Jetzt bin ich schlauer, aber eine Lösung ist das noch nicht.

Nach ein wenig Recherche stoße ich auf zwei Organisationen, die eine nachhaltige Produktion von Palmöl zertifizieren. Einmal der RSPO (Round Table on Sustainable Palmoil) und die POIG (Palm Oil Innovation Group). Das RSPO-Siegel entstand zuerst. Die Regelungen betreffen sowohl den Schutz des bestehenden Urwalds, Umweltschutz als auch soziale Aspekte. Es gibt aber auch Kritk, dass manche Punkte zu kurz greifen. Ich denke, es ist ein Anfang. Die POIG ist strenger und setzt engere Grenzen für mehr Umweltschutz und sozialere Bedingungen.

Als erste Maßnahme könnte ich beim nächsten Einkauf auf diese Siegel achten. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt, denn um wirklich zu verstehen, was da geregelt wird, müsste ich viel tiefer in die Materie einsteigen. Für eine nachhaltige Einkaufsentscheidung ganz schön viel Aufwand.

Meine Lösung

Die Recherche über Palmöl bestätigt mich darin, möglichst viele frische Lebensmittel zu kaufen und selber zuzubereiten. Dann weiß ich sicher, dass kein Palmöl enthalten ist. Aber das ist ja nur ein Teil der Lösung. Der zweite Punkt ist: zu Bioprodukten greifen. Die enthalten zwar auch Palmöl, seine Produktion ist aber streng geregelt. Die Bio-Plantagen sind deutlich kleiner als die konventionellen und es werden meist Flächen bepflanzt, die vorher schon landwirtschaftlich genutzt wurden. Der Einsatz von Chemikalien ist untersagt, das schützt die Bodenfruchtbarkeit und die Gesundheit der Palmölbauern. Im Moment ist Bio-Palmöl allerdings ein echtes Nischenprodukt.

So richtig zufrieden bin ich mit meiner Lösung nicht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass es keine richtig gute Lösung gibt. Denn selbst wenn ich jeden Schokokeks zu Hause selber backen und dafür Bio-Schokolade verwenden würde, bräuchte ich ja immernoch Fett. Und da ist Palmfett eben eine ziemlich ergiebige Quelle. Sogar Butter enthält indirekt Palmöl, denn das Fett wird in Futtermitteln eingesetzt. Eine echte Zwickmühle.

Habt ihr euch schon einmal Gedanken über Palmöl gemacht? Und wenn ja, wie löst ihr dieses Dilemma?

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