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„Mama, wann dürfen wir endlich wieder teilen?“ Mein Sohn war ganz traurig, als wir nicht mehr an seinem Glas nippen wollten, nicht mehr seinen Teller aufessen und die eigens für uns abgesparten Süßigkeiten aus seiner Hand verschmähten. Die letzte Erkältungswelle hatte uns so fies erwischt, dass wir alles getan haben, um uns nicht wieder gegenseitig anzustecken...

Mädchen niest in Taschentuch.
istock.com / Imgorthand

Keine Lebensmittel teilen, keine Küsschen auf den Mund, dafür ständiges Händewaschen, putzen, desinfizieren. Ist das wirklich alles sinnvoll – oder doch etwas übertrieben? Und wo ziehe ich die Grenze: Darf ich mit einem Küchentuch mehrmals meinen Tisch abwischen – oder müsste ich es eigentlich nach jedem Kontakt mit potentiell infizierten Arbeitsflächen in die Waschmaschine stecken?

In der Schwangerschaft werde ich sicher immer etwas vorsichtiger sein. Aber: Ich persönlich übertreibe es auch vor allem dann, wenn ich unsicher bin. Deshalb habe ich bei einem Experten nachgefragt: Prof. Hartmut Hengel vom Institut für Virologie der Uniklinik Freiburg. Das Fazit unseres Gesprächs:

  • Es gibt so viele verschiedene Erreger, dass sich (wie schon erwartet) keine Pauschalantworten geben lassen. Zum Beispiel sind echte Grippeviren weniger umweltresistent als einfache Schnupfenviren, die auch mal mehrere Stunden auf einer Türklinke überdauern können. Dafür können die Influenza-Viren auch über die Luft übertragen werden, Schnupfenviren nicht.
  • Die beste Prävention ist und bleibt gründliches Händewaschen, vor allem nach dem Niesen, Husten oder Naseputzen. Dann muss auch nichts desinfiziert werden, denn die Viren gelangen ja gar nicht erst in großer Zahl auf gemeinsam benutzte Oberflächen. Wer mit Grippe oder Erkältung alleine im Bett liegt, darf ein Taschentusch natürlich auch mehrmals benutzen und muss nicht immer gleich ins Bad laufen. Aber wer unter Menschen ist, zum Beispiel beim gemeinsamen Essen, sollte sein Taschentuch möglichst schnell im Mülleimer verschwinden lassen und sich nach dem Schnäuzen die Hände waschen – damit seine Lieben möglichst gar nicht mit den Viren in Kontakt kommen.

Sollte tatsächlich einmal jemand direkt auf den Küchentisch niesen, empfiehlt auch Prof. Hengel, den Küchenlappen direkt in die Kochwäsche zu werfen. Oder ich nehme gleich ein Wegwerftuch zum Abwischen. Das ist ein kleiner Preis dafür, dass  ab sofort wieder geteilt werden darf – und sogar geküsst und gekuschelt...

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Kommentare (2)

Übertragung von Keimen/ Vorbeugender Schutz vor Erkältungen
Hoffleit Manfred / 27.02.2017 / 14:43 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,in einigen Bäckerläden werden immer noch Brote/Brötchen ect. mit bloßen Händen gegriffen,die gerade vorher frisch behustetes und beschnupftes Geld oder einen Reinigungslappen angefaßt haben.Laut Bäckeraussage hat das nichts zu sagen.Was sagen Sie dazu ??? Mit freundl. Grüßen Manfred Hoffleit

Wir entscheiden
Judith Pulg / 01.03.2017 / 12:57 Uhr

Lieber Herr Hoffleit, wenn Sie sich unseren Link „Experteneinschätzung zum Brötchenkauf während der Erkältungswelle: Sind Erreger auf Brot gefährlich?“ anschauen, sehen Sie, dass auch unser Ernährungsberater die Ansteckungsgefahr als eher gering einschätzt. Allerdings können wir ja zum Glück alle frei entscheiden, wo wir unsere Brötchen kaufen.

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