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Kultursensible Beratung

Unsere jeweilige Esskultur prägt unser Essverhalten stärker als wir denken. Wie sie sich sinnvoll für eine Ernährungsumstellung nutzen lässt, zeigt Ernährung im Fokus in dieser Ausgabe

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Tasse Tee mit Rosenblüten
ksu ok / stock.adobe.com
Ernährung im Fokus 2019
Ausgabe 3 2019
Schwerpunkt

Kultursensible Beratung

Unsere jeweilige Esskultur prägt unser Essverhalten stärker als wir denken. Wie sie sich sinnvoll für eine Ernährungsumstellung nutzen lässt, zeigt Ernährung im Fokus in dieser Ausgabe.

Leseprobe

Zwei Hände halten rote Tennisbälle mit Reisszwecken
Kultursensible Beratung – Arbeitsmaterialien im Fokus
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(kostenfrei)
Alle Themen dieser Ausgabe

EDITORIAL

INHALTSVERZEICHNIS

KURZ GEFASST

NACHLESE

SCHWERPUNKT

EVA-MARIA ENDRES •MIRIAM LOSSAU •ELISABETH STRUNZ •DR. CHRISTOPH KLOTTER

Esskulturen als Ansatzpunkt für die Arbeit mitgeflüchteten Jugendlichen - Ein Projektbericht

Essen ist Identität, Essen ist Heimat. DIE eine Esskultur gibt es nicht, vielmehr haben unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Esskulturen entwickelt. Diese wirken identitätsstiftend und definieren uns, gerade auch im Unterschied und in der Abgrenzung zu anderen. Der Austausch über diese Verschiedenheit bietet Menschen die Möglichkeit, sich besser kennen zu lernen und zu verstehen.

SCHWERPUNKT

ANNA FLACK

Ernährung und Gesundheit im Kontext von Migration - Bewertung von Lebensmitteln und Speisen aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Die Bewertung von Lebensmitteln erfolgt auf Grundlage verschiedener Faktoren, zum Beispiel der Esskultur. Vor allem im Zusammenhang mit Migration und Integration kann Lebensmitteln und Speisen eine wichtige, emotionale Sicherheit stiftende Funktion zukommen. Schließlich werden Essen und Trinken in der Familie erlernt. Mit zunehmender Akkulturation kann es zu einem Wertewandel kommen, der wiederum einen Wandel der Esskultur nach sich ziehen kann.

SCHWERPUNKT

DR. CHRISTINA REMPE

Leichte Sprache - Ziele und Grenzen im Themenfeld Ernährung und Gesundheit

Das Verstehen gesprochener und geschriebener Worte und Texte ist der Schlüssel zur Welt. Vor diesem Hintergrund rücken Informationen in Leichter Sprache als Zusatzangebot zu Texten in Standarddeutsch mehr und mehr in die öffentliche Wahrnehmung, auch im Themenfeld Ernährung und Gesundheit. Sie können Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz helfen, ihren Alltag selbstbestimmter zu gestalten. Außerdem könnten sie dazu beitragen, die teils limitierte Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu verbessern.

SCHWERPUNKT

DR. CLAUDIA LAUPERT-DEICK

Kultursensible Ernährungsberatung - Arbeitsmaterialien im Fokus

Die Ernährungsberatung von Menschen mit Migrationshintergrund gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten und Diabetesberater benötigen für eine qualitativ hochwertige Informationsvermittlung Material, das leicht verständlich und im Idealfall bildhaft oder in verschiedenen Sprachen verfasst ist. Hier können Materialien des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) einen Beitrag leisten.

EXTRA

DR. LIOBA HOFMANN

Thalassämie und Ernährung

Thalassämie ist griechisch und bedeutet „Mittelmeerblutarmut“. Durch Migration, Flucht und Mischehen ist die Erbkrankheit inzwischen nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in Deutschland von Bedeutung.

LEBENSMITTELRECHT

WISSEN FÜR DIE PRAXIS

FORSCHUNG

WUNSCHTHEMA

STINE WEDER DR. CLAUS LEITZMANN DR. MARKUS KELLER

Die Gießener Vegetarische Lebensmittelpyramide – Ein Update

Die Zahl der Vegetarier in Deutschland steigt. Zur Umsetzung einer vollwertigen Lebensmittelauswahl kann die Gießener Vegetarische Lebensmittelpyramide dienen. Sie wurde unter Berücksichtigung der potenziell kritischen Nährstoffe Eisen, Zink und langkettige Omega-3-Fettsäuren sowie der allgemein kritischen Nährstoffe Vitamin D und Jod überarbeitet.

GLOSSE

STEFAN HACKENBERG

Kultursensible Beratung für alle! - Was dem einen die Heuschrecke, ist dem anderen der Pfälzer Saumagen

Wer sich einlebt in der Fremde, tut sich mitunter schwer mit Sitten und Gebräuchen und so manchem zum Verzehr bestimmten Produkt. Nun muss man nicht unbedingt aus fernen Ländern kommen, um in Deutschland an der Zusammenstellung des Menüs zu scheitern – aber es hilft.

WELTERNÄHRUNG

KERSTIN FISCHER •SANDRA DIEDERICH •THOMAS HOENEN

Die Rolle von Nutz- und Haustieren in der Biologie des Ebolavirus - Das EbolaForesight-Projekt

Mit dem EbolaForesight-Projekt fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein Kooperationsprojekt zwischen westafrikanischen Forschungsinstituten und dem Friedrich-Loeffler-Institut, um die Bedeutung von Haus- und landwirtschaftlichen Nutztieren als potenzielle Reservoir- oder Amplifikationswirte von Ebolaviren zu untersuchen.

SCHULE - BERATUNG
METHODIK & DIDAKTIK

CHRISTINE MAURER

Interkulturelles Arbeiten – Ein Perspektivwechsel

Wenn es um Migration geht, geht es oft auch um die kulturellen Unterschiede. Was häufig durchklingt ist, dass sich Migranten anpassen und integrieren sollen. Meist finden solche Aussagen Konsens. Was aber würde passieren, wenn die Brille wechselt? Wie sieht das Thema „kulturelle Unterschiede“ aus, wenn es nicht um Migration geht?

FORUM

ANNIKA BILO

Häppchenweise Deutsch - Menschen mit Migrationshintergrund anhand von alltagsnahen Themen unterrichten

Immer mehr Menschen in Deutschland lernen Deutsch als Zweitsprache. Spracherwerb ist ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Integration und hilft dabei, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden.

BOTANICALS

DR. MAIKE PASSON DR. FABIAN WEBER

Saftherstellung und sekundäre Pflanzenstoffe

Fruchtsäfte erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Sie zeichnen sich durch einen natürlich hohen Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen aus, die den Säften Farbe und Geschmack verleihen sowie ernährungsphysiologisch positiv bewertet werden. Die große Herausforderung in der Saftherstellung besteht darin, möglichst hohe Gehalte an Sekundärmetaboliten mit gleichzeitig hoher Bioverfügbarkeit herzustellen.

TIPPS FÜR DIE BERATUNG

Essensvielfalt und Esskultur in der türkischen und syrischen Küche - Kultursensible Ernährungsberatung von Muslimen

PRÄVENTION & THERAPIE

MAX ZÜHLKE •DR. SIBYLLE ADAM

Essstörungen und Geschlechtsdysphorie

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper stellt einen wesentlichen Risikofaktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen dar. Menschen, die sich mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht nicht identifizieren können, leiden oft erheblich unter der Inkongruenz von Anatomie und geschlechtlicher Identität und sind dadurch besonders gefährdet.

ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGIE

DR. CHRISTOPH KLOTTER

Im Schlaraffenland - Herausforderungen in der Ernährungsberatung

Vor einigen Jahren flüchteten zwei Frauen, Mutter und Tochter, aus einem afrikanischen Land nach Deutschland. Hier fühlen sie sich nun wie im Schlaraffenland. Sie essen sich durch die Regale der Supermärkte, brauchen für die Essenszubereitung nicht mehr zwei bis drei Stunden, sondern maximal 20 Minuten. Und innerhalb eines knappen Jahres haben beide ihr Gewicht verdoppelt! Was tun?

BÜCHER

MEDIEN

VORSCHAU/IMPRESSUM

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Literaturverzeichnis

Das Literaturverzeichnis der Augabe 3 2019 finden Sie hier:

Zum Download

Online-Spezial

Indische Frau
Heike Heidenhof
Ernährung im Fokus - Online Spezial

Essen für eine Milliarde Menschen: Indien

von Friederike Heidenhof

Noch vor einigen Jahrzehnten reichten zwei Wörter aus, um die Ernährung in weiten Teilen der indischen Bevölkerung zu beschreiben: "Nichts" oder "Reis".

mehr...

Aktuell

Makronährstoffe und soziale Entscheidungen

Schon in den 1970er-Jahren fand man heraus, dass der Plasmagehalt der Aminosäure Tyrosin von der Ernährung abhängt – je mehr Proteine und je weniger Kohlenhydrate sich in der Kost befinden, desto höher ist der Tyrosinspiegel im Blut. Tyrosin überwindet die Bluthirnschranke und wird zu Dopamin und Noradrenalin umgebaut, beides Botenstoffe, die für das Belohnungssystem eine wichtige Rolle spielen.

Tier- und Humanstudien haben schon vor vielen Jahren gezeigt, dass die Zusammensetzung unserer Nahrung Einfluss auf die im Gehirn zur Verfügung stehenden Neurotransmitter hat, erklärte Prof. Dr. So Young Park, DIfE Potsdam-Rehbrücke. Bisher war jedoch nicht klar, ob das in einem Maß geschieht, das das Verhalten tatsächlich messbar verändert. Bekannt ist, dass soziale Entscheidungen stark dopaminabhängig sind. In dem validierten „Ultimatum Game“ erhielt ein Proband von einem virtuellen Mitspieler ein Angebot über die Aufteilung von zehn Euro untereinander. Nahm der Proband das Angebot an, wurden die zehn Euro aufgeteilt, also jeder profitierte davon. Wies er das Angebot als ungerecht zurück, gingen beide Spieler leer aus.

Den Ergebnissen der Studie zufolge hat die Makronährstoff-Zusammensetzung des Frühstücks erheblichen Einfluss auf das Verhalten. Untersuchte Personen waren nach einem proteinreichen, relativ kohlenhydratarmen Frühstück beim Treffen ihrer Entscheidungen toleranter und bewiesen mehr Geduld. Nach einem proteinarmen, kohlenhydratreichen Frühstück hingegen lehnten die Probanden Angebote eher als unfair ab, das heißt, sie reagierten sensibler auf Ungerechtigkeiten, waren weniger geduldig.

Später wurden diese Ergebnisse der Online-Studie in einer randomisierten und kontrollierten Laborstudie bestätigt: Die Probanden erhielten an einem Tag ein kohlenhydratreiches Frühstück und an einem anderen Tag die proteinreiche Variante. Von der biochemischen Seite her waren bei dem kohlenhydratreichen Frühstück die Tyrosinblutspiegel niedrig, Probanden mit proteinreichem Frühstück wiesen hingegen hohe Werte auf. Es zeigte sich, dass auch ein und dieselbe Person in Abhängigkeit ihres Frühstücks unterschiedliche Entscheidungen traf und bei höherer Proteinzufuhr toleranter war. Demnach könnte der Spiegel des Plasmatyrosins soziale Entscheidungen vorhersagen.

Möglicherweise hat das Phänomen einen evolutionsgeschichtlichen Hintergrund, als es darum ging seltene, proteinreiche Jagdbeute in der Sippe harmonisch aufzuteilen. Kohlenhydratreiche Knollen und Früchte waren regelmäßiger verfügbar und möglicherweise weniger Anlass für Streit.

Auch die Lernfähigkeit ist stark dopaminabhängig. So zeigte sich, dass ein proteinreiches, kohlenhydratarmes Frühstück im Gegensatz zu einem kohlenhydratreichen, proteinarmen Frühstück Vorteile in Bezug auf das Lernverhalten aufweist. Hier ist jedoch weitere Forschung notwendig.

Dr. Lioba Hofmann, Fachautorin, Troisdorf
 

Interview mit Prof. Dr. So Young Park, Leiterin der Abteilung Neurowissenschaft der Entscheidung und Ernährung, DIfE Potsdam Rehbrücke. Die Fragen stellte Dr. Lioba Hofmann.

Warum wurde gerade das Frühstück für die Untersuchungen ausgewählt?

Das Frühstück wurde für die Untersuchungen ausgewählt, da dieses im Alltagsleben am einfachsten zu kontrollieren ist. Wir wollten mögliche Effekte der Vormahlzeiten reduzieren. Deshalb sollten die Probanden möglichst im nüchternen Zustand zu uns kommen. Die Probanden wurden gebeten, ab 20.00 Uhr am Vorabend keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Am nächsten Morgen erhielten sie von uns entweder ein Frühstück mit hohem oder niedrigem Protein-/Kohlenhydratgehalt.

Wie hoch waren die jeweiligen Kohlenhydrat- und Proteinanteile bei den Frühstücken?

Im Laborexperiment haben die Probanden Frühstücke mit entweder niedrigem (50/25) oder hohem (80/10) Kohlenhydrat/Protein-Verhältnis bekommen. Im Vergleich dazu: Die DGE empfiehlt mindestens 50 Prozent Kohlenhydrate und 30 bis 35 Prozent Fett. Früher empfahl sie 15 Prozent Protein, heute legt sie den Proteinwert nicht mehr fest.

Was könnte Ihrer Meinung nach der evolutionsgeschichtliche Hintergrund sein, warum viele Proteine toleranter und viele Kohlenhydrate sensibler für unfaire Angebote machen?

Basierend auf den ethnographischen Belegen von modernen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften ist zu vermuten, dass es relevanter war, soziale Konflikte zu minimieren, wenn man Proteine (Fleisch oder Fisch) aß. Die Proteinzufuhr hing stark von der Jagdausbeute ab. Daher war es evolutionär gesehen vorteilhafter, diese konfliktarm in der Gruppe zu teilen und tolerant zu sein. Im Gegensatz dazu war kohlenhydratreiche Nahrung in kleineren Portionen und viel regelmäßiger zugänglich.

Könnte das Ablehnen unfairer Angebote Ausdruck von Selbstschutz oder gesundem Egoismus sein? Was operationalisieren die unfairen Angebote? Was verstehen Sie in dem Kontext unter sozialen Entscheidungen?

Das Ablehnen von unfairen Angeboten ist ein universelles menschliches Phänomen und wurde bereits viel untersucht. Zum Beispiel ist es in vielen verschiedenen Kulturen beobachtbar. Man vermutet, dass Menschen unfaire Angebote ablehnen, um das Bewusstsein für Gerechtigkeit in der Gruppe zu stärken - auch wenn sie dadurch auf eigenen Gewinn verzichten müssen. Dieser Mechanismus war sicherlich für das Leben in einer Gemeinschaft wichtig.

Welche Konsequenzen haben die Ergebnisse in der Praxis? Welche Art von Frühstück empfehlen Sie zum Beispiel Schulkindern, wenn sie ihre Lern- und Konzentrationsfähigkeit steigern wollen?

Wir sind gerade erst dabei zu verstehen, wie Entscheidungen und Hirnfunktionen durch die Ernährung beeinflusst werden. Diese Forschung steckt noch in Kinderschuhen. Ich hoffe, dass wir bald Empfehlungen dazu geben können.

Quelle:
Kohlenhydrate versus Proteine: Nahrungsmix moduliert Botenstoffe im Gehirn – Zusammensetzung des Frühstücks beeinflusst das soziale Entscheidungsverhalten. https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/; Park SY et al.: Impact of nutrition on social decision making. PNAS 114, 6510–6514 (2017)

Aktuell

Von der Stuhlprobe zum maßgeschneiderten Produkt

Neuere Studien zeigen, dass der Stoffwechsel von Menschen auf gleiches Essen unterschiedlich reagiert. Maßgeschneiderte Produkte wären gut – für jeden Einzelnen ist das natürlich nicht machbar. Für die Lebensmittelindustrie könnte ein Ernährungstypen-Modell eine Lösung sein. In einer Studie der Universität Lübeck mit Testmahlzeiten und anschließenden Blutzuckermessungen zeigten sich bei Probanden völlig unterschiedliche Blutzuckerantworten, es gab aber auch Übereinstimmungen. So lassen sich bestimmte Gruppen definieren. Voraussetzung dafür ist, dass Stuhlproben und Ernährungstagebücher ausgewertet und über zwei Wochen Blutzuckerkontrollen durchgeführt werden.

Auf Basis dieser Ergebnisse könnten Hersteller Ernährungstypen definieren und statt hunderter völlig individualisierter Varianten wenige, auf die Gruppen zugeschnittene Produkte entwickeln. Für Verbraucher würde dann in Zukunft eine Stuhlprobe genügen, um zu erfahren, welche Produkte für sie günstig sind. Ob dies tatsächlich zum Einsatz kommt, wird die Zukunft zeigen.

Mehr dazu in der Rubrik Nachlese im Beitrag „Personalisierte Ernährung – Chance für den Getreidesektor“ in Ernährung im Fokus 2/2019 auf Seite 83.

Cover Buch Kreativ Kochen lernen
Europa-Lehrmittel Verlag

Lesetipp

Buchrezension von Rüdiger Lobitz, Meckenheim Kreativ Kochen lernen – plus Erweiterungsmodule

Der Lehrmittel-Verlag bietet ein Lehrbuch, das die fachtheoretischen Grundlagen der Ernährungslehre vermittelt, flankiert von vier Erweiterungsmodulen. Die insgesamt fünf Medien sind für verschiedene Klassen an weiterführenden Schulen und Berufsfachschulen im Bereich Ernährung, Hauswirtschaft und Versorgung für einen handlungsorientierten Unterricht gedacht.

Kreativ Ernährung entdecken – Fachtheorie

Das Hauptlehrwerk spricht alle wesentlichen Aspekte der Ernährung an, etwa die Hauptnährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, Wasser, Stoffwechsel, vollwertige Ernährung, alternative Kostformen, Toxikologie, Hygiene, Außer-Haus-Verpflegung, Nudging oder Lebensmittelverschwendung. Eine Mindmap eröffnet jedes Kapitel. Sie verschafft einen schnellen Überblick. Aufgabenboxen bieten Möglichkeiten an, vernetztes Denken zu fördern und komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Eine Vielzahl von vorgeschlagenen Unterrichtsmethoden und Arbeitstechniken mit direktem Bezug zum Unterrichtsstoff dienen dem Erarbeiten, Vertiefen und Festigen der Lerninhalte sowie der Lernzielkontrolle.

Die Projektvorschläge sind durchdacht und gut durchführbar. Fachbegriffe werden verständlich erklärt, bisweilen gibt es auch Einblicke in geschichtliche Hintergründe. Positiv: Zahlreiche Arbeitsblätter stehen als digitales Zusatzmaterial kostenlos auf der Homepage des Verlags zur Verfügung und können ausgedruckt oder direkt in der PDF ausgefüllt werden, ferner sind Trailer und Clips im Angebot. Leider haben sich ein paar kleinere Ungenauigkeiten eingeschlichen, etwa bei den Themen Speisefette und Fisch. Nichtsdestotrotz ist es ein rundum gelungenes Fachbuch für den handlungsorientierten Unterricht in der Mittelstufe weiterführender Schulen und in der Berufsfachschule.

Diätetik – Modul B

Ein Leitfaden erklärt einleitend die Didaktik dieses Moduls. Gängige Abkürzungen für Gewichte und Maßeinheiten werden erklärt, gefolgt von Basisinformationen zu vollwertiger Ernährung und zur Ernährungsberatung. Erkrankungen/Störungen wie Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Zöliakie, Hypertonie, Gicht, Hypertriglyceridämie und Hypercholesterinämie oder Obstipation werden behandelt.

Zu den Basisinformationen zählen Erläuterungen zu Nährstoff- und Energiebedarf sowie die Berechnung von Grund- und Leistungsumsatz. Hier sind leider auch fehlerhafte Informationen vorhanden: „Männer weisen einen höheren Fettgewebsanteil auf. Deshalb haben sie einen um acht Prozent höheren Grundumsatz als Frauen". Korrekt ist, dass Männer einen höheren Grundumsatz haben als Frauen, allerdings aufgrund ihrer höheren Muskelmasse (aktives Gewebe). Frauen haben einen höheren Anteil an Fettgewebe. Zudem wäre es für die Berechnung des Grundumsatzes sinnvoller gewesen, auf einen seriösen interaktiven Energiebedarfsrechner zu verlinken. Die Energiewerte folgen dem Internationalen Einheitensystem, sind also in Mega- oder Kilojoule angegeben. Das ist zwar korrekt, aber eher unüblich und wenig schülerfreundlich.

Die Krankheitsbilder sind sehr gut erklärt, wobei Bilder, Zeichnungen, Tabellen und Grafiken zur Verdeutlichung beitragen. Ein „Infopoint“ zu Beginn eines Kapitels trägt die wichtigsten Informationen zusammen. Hinweise zu Lernsituationen geben dem Pädagogen Fingerzeige für Aufgabenstellungen. Die Rezeptvorschläge sind durch die Bank sinnvoll, ihr Schwierigkeitsgrad reicht von einfach bis mittelschwer.

Auch dieses Modul bietet digitales Zusatzmaterial: Fünf Arbeitsblätter stehen kostenlos zum Download zur Verfügung. Das Modul weist Schwächen im einleitenden wissenschaftlichen Überbau auf, punktet aber mit sehr gut erklärten Krankheitsbildern, diätetischen Rezeptvorschlägen und didaktischen Hinweisen.

Kochen und Backen mit Kids & Internationale Küche – Modul A

Dieses Modul weist im ersten Teil – Kindergerichte – viele Schwachstellen auf. Der zweite Teil – Internationale Küche – ist hingegen sehr gelungen. Da didaktische Hinweise fehlen, ist das Werk lediglich eine Rezeptsammlung. Es gehört in die Hände kochaffiner Pädagogen, die in der Lage sind, Unzulänglichkeiten auszubügeln und das ein oder andere sehr aufwändige Rezept der internationalen Küche zu simplifizieren, ohne den Charakter des Gerichts allzu stark zu verändern.

Servicekunde und Gästebetreuung – Modul C

Das Modul ist didaktisch sehr gut gegliedert, die Sprache der Zielgruppe angepasst. Sehr viele Fotos und Grafiken unterstützen das geschriebene Wort und tragen zur guten Verständlichkeit bei. Umfassende Basisinformation ohne Fehl und Tadel!

Reinigung, Wäschepflege und Wohnen - Modul D

Auch dieses Modul ist didaktisch sehr gut gegliedert. Außerdem positiv: die über Links abrufbaren Lernvideos. Beim Kapitel „Hygiene“ wäre ein Exkurs zur „Umwelthygiene“ wünschenswert. Dennoch ein gelungenes Kompendium mit allen wichtigen Basisinformation.

Fazit

Summa summarum bietet dieses Medienpaket Höhen und Tiefen, wobei die Höhen deutlich überwiegen. Allein die Sinnhaftigkeit des Moduls „Kochen und Backen mit Kids & Internationale Küche“ ist fraglich: Pädagogen, die Rezepte umsetzen möchten, sind mit anderen Quellen eventuell besser bedient.

Rüdiger Lobitz, Meckenheim

 

Kreativ Ernährung entdecken – Fachtheorie

Rita Richter
Europa-Lehrmittel Verlag 2018
Einzelpreis: 33,90 Euro

Kreativ Kochen lernen Modul A: Kochen und Backen mit Kids & Internationale Küche
Europa-Lehrmittel Verlag 2018
Einzelpreis: 9,90 Euro

Kreativ Kochen lernen - Modul B: Diätetik
Europa-Lehrmittel Verlag 2018
Einzelpreis: 11,90 Euro

Kreativ Kochen lernen - Modul C: Servicekunde und Gästebetreuung
Europa-Lehrmittel Verlag 2014
Einzelpreis: 12,30 Euro

Buchcover Detox, Baby!
Verlag Eugen Ulmer

Lesetipp

Buchrezension von Rüdiger Lobitz, Meckenheim Detox, Baby! - Entgiften mit Wildpflanzen und frischen Säften

Wer hat sich nur diesen Titel ausgedacht? „Detox, Baby!“ – Nun gut, die Autorin ist promovierte Gartenbauwissenschaftlerin, da darf man zumindest fundiertes Wissen um die Botanik von Wildpflanzen voraussetzen.

Für Christine Volm ist „Detox, Baby!“ eine Kur: „Durch den ausschließlichen Verzehr von frisch gepressten Säften aus Obst, Gemüse und Wildpflanzen und die Unterstützung durch Bewegung, natürliche Körperpflege und hilfreiche Übungen für unser gesamtes Wohlergehen wollen wir Körper, Geist und Seele entgiften und wieder ins Gleichgewicht bringen.“ Die Autorin beschreibt, welche Geräte und Hilfsmittel man braucht, wie und wo man Wildpflanzen kennen lernt und wie sie wirken. Bei letzterem bedient sie sich doch häufig des Konjunktivs, zum Beispiel soll Löwenzahn die Ausscheidung von Quecksilber fördern, ebenso Gundermann und Koriander. Bisweilen bleibt sie die Beschreibung einer Wirkung schuldig und erwähnt nur die Inhaltsstoffe. Und wieder andere Male lehnt sie sich weit aus dem Fenster, etwa wenn sie weiß, „dass Krebszellen keine Himbeeren mögen“.

Es folgen Rezepte für Säfte als komplette Mahlzeit, Limonaden und „leckere Wasser“. Die Rezepte sind grob nach Jahreszeiten eingeteilt. Das dient der Orientierung, welche Wildpflanze gerade gut zu finden ist. Naturgemäß ist das Zubereiten sehr aufwändig, setzt es doch das Suchen und Finden der entsprechenden Wildpflanzen voraus.

Unbestritten ist, dass viele Wildkräuter wertgebende Inhaltsstoffe in größeren Mengen enthalten als Kulturpflanzen. Unstrittig dürfte auch sein, dass viele Wildpflanzen positive Wirkungen haben können. Insofern lässt sich aus ernährungsphysiologischer Sicht nichts gegen die Rezepte sagen. Allerdings sind „Detox“, „entgiften“, ebenso wie „entschlacken“, „ausleiten“ Begriffe, die bestimmte Vorstellungen suggerieren: Etwas, das im Körper entsteht und nicht mehr weiterverarbeitet werden kann. Etwas, das sich ansammelt und schädlich ist. Und dass man dann das Fasten braucht, um diese „Schlacke“ wieder loszuwerden. Doch so funktioniert unser Körper nicht. Im Körper entstehen im gesunden Stoffwechsel bestimmte Stoffwechsel-Endprodukte, die wir auf natürlichen Wegen wieder ausscheiden. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Giftstoffe und schädliche Ablagerungen, die sich im Körper ansammeln und die man dann mit irgendwie entgiftenden Stoffen ausschwemmen müsste, ein Mythos.

Rüdiger Lobitz, Meckenheim
 

Detox, Baby!
Entgiften mit Wildpflanzen und frischen Säften

Christine Volm, 168 Seiten
Verlag Eugen Ulmer 2017
ISBN: 978-3800108978

Preis: 24,90 Euro

Veranstaltungstipp

VFED Kongress 27. Aachener Diätetik Fortbildung

Zum 27. Mal veranstaltet der Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) e. V. seine Ernährungsfachtagung. Eines der zentralen Themen in diesem Jahr ist „Magen-Darm-Erkrankungen“. Weitere Schwerpunkte: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Ernährung im Alter.

Der Festvortrag heißt: „Ist Schokolade das ‚gesündere‘ Gemüse? Warum Ernährungsforschung spannende Hypothesen generiert, jedoch ‚frei von Kausalitäten' ist‘“.

Als Highlight wird es am Samstag, den 14. September, eine Wissenschafts-Kochshow „T hoch 3 Kochen – Esskultur – Wissenschaft“ geben.

Termin: 13.-15. September 2019

Veranstaltungsort: Uniklinik RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Informationen und Anmeldung: www.vfed.de

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