Einkaufen für die Forschung

Forschungssupermarkt in Bonn eröffnet

Eine junge blonde Frau in Jeans mit gefülltem Einkaufswagen nimmt eine Kuchenbackmischung aus einem Supermarktregal und betrachtet sie. © Valerii Apetroaiei – stock.adobe.com

(BZfE) – Um das Einkaufsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern unter realitätsnahen Bedingungen zu erforschen, hat die Universität Bonn einen eigenen kleinen Supermarkt eröffnet. Auf einer Verkaufsfläche von 55 Quadratmetern ist so ziemlich alles für den täglichen Bedarf zu haben. Dort analysieren Forschende aus den Bereichen Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Psychologie, Ökonomie und Verhaltensforschung das Verhalten der Kundschaft.

Bei der Forschung geht es unter anderem um folgende Fragen: Welche Anreize lassen sich im Geschäft schaffen, damit Konsumierende bevorzugt zu gesünderen Produkten mit weniger Fett, Zucker oder Salz greifen? Wie müssen nachhaltige Produkte platziert und gestaltet sein, damit sie eine echte Chance haben? Und wie landen trotz höherer Preise mehr Erzeugnisse mit höherem Tierwohlstandard im Einkaufskorb? 

Erste Experimente zum Einkauf von Hülsenfrüchten laufen bereits in dem Labor-Supermarkt. Dabei gehen die Forschenden der Frage nach, inwiefern Rezeptpakete für einfache Rezeptideen im Supermarkt den Konsum von Hülsenfrüchten steigern können. Die zugrunde liegende Idee ist, mehr Convenience anzubieten, ohne auf Junk-Food zurückzugreifen. Nach Einschätzung der Forschenden ist die grundsätzliche Bereitschaft, mehr Hülsenfrüchte zu essen, bei vielen Kunden vorhanden. Damit auch wirklich mehr gekauft werden, würde es jedoch die passenden Angebote brauchen. 

Wer an den Studien teilnimmt, kann mit einem Einkaufsgutschein in festgelegter Höhe kostenlos einkaufen. Währenddessen wird das Verhalten der Testpersonen mit Kameras aufgezeichnet. Eine spezielle Software stellt sicher, dass lediglich ihre Silhouetten erfasst werden. Übriggebliebene Lebensmittel werden kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums an Hilfsinitiativen wie Tafeln gespendet.

Nach Ansicht der Forschenden lassen sich Kaufgewohnheiten auf diese Weise deutlich besser untersuchen als mithilfe von Umfragen oder virtuellen Supermärkten, in denen Personen per Tastatur und Mausklick einkaufen. Darüber hinaus dient der „Labor-Supermarkt“ als Test für den Einsatz von Robotern. So erforscht das „Humanoid Robots Lab“ an der Universität Bonn, wie Roboter Regale effizient und kundenorientiert beladen können.

Heike Kreutz und Julia Seeher, bzfe.de

Weitere Informationen:

Universität Bonn: Universität Bonn eröffnet eigenen Supermarkt

Wer an einer Teilnahme interessiert ist, kann sich hier als Testperson bewerben. 

(Bildquelle: © Valerii Apetroaiei – stock.adobe.com)