Impulse für gesundes Essen

Nudging in Schulen

Drei Mädchen und zwei Jungen im Teenageralter bedienen sich an einer Essensausgabe mit frischem Obst und Gemüse. © Robert Kneschke – stock.adobe.com

(BZfE) – Der Begriff „Nudge” stammt aus der Verhaltensökonomie und bezeichnet kleine „Anstupser“, die das Verhalten von Menschen beeinflussen. In Schulen bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler durch gezielte Gestaltung ihrer Umgebung oder kleine Impulse zu bestimmten Entscheidungen angeregt werden – etwa zu gesünderem Essen, einem aktiveren Schulweg oder besseren Lerngewohnheiten. 

Ein besonders effektiver Einsatzbereich für Nudging in Schulen ist die Mensa. Durch kleine Änderungen, wie die Positionierung von Lebensmitteln oder die Gestaltung von Aufstellern, kann die Auswahl ausgewogener Speisen gefördert werden. Ein praktisches Beispiel: Wasserkaraffen stehen auf den Tischen, während Saftschorlen nur auf Nachfrage verfügbar sind. Auf diese Weise greifen die Schülerinnen und Schüler mit hoher Wahrscheinlichkeit „automatisch“ zu den gesünderen Optionen.

Studien zeigen, dass Nudging in der Schulverpflegung wirkt: Geeignetere Lebensmittel werden häufiger gewählt, wenn sie gut sichtbar und attraktiv präsentiert werden. Dabei ist die sogenannte Entscheidungsarchitektur ausschlaggebend – wenn Obst, Gemüse oder Wasser leicht erreichbar sind und ansprechend präsentiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche diese Produkte wählen. Wichtig ist jedoch, dass Nudges transparent und nicht manipulativ gestaltet werden, um die Wahlfreiheit nicht einzuschränken. Nudging soll gesunde Optionen einfacher und attraktiver machen, ohne Menschen zu bevormunden. 

Nudging bietet Schulen zahlreiche Vorteile: Es lässt sich kostengünstig umsetzen – da oft kleine Änderungen ausreichend sind – und ergänzt klassische Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen. Zudem bietet es kreativen Spielraum, etwa in der Gestaltung der Mensa, der Raumgestaltung oder durch digitale Impulse. Bei Bestell-Apps können zum Beispiel gesundheitlich ausgewogene Gerichte farblich markiert werden oder weiter oben stehen.

Allerdings gibt es auch Herausforderungen: Viele Studien zeigen nur kurzfristige Effekte. Wichtig ist, dass die Änderungen regelmäßig umgesetzt werden, damit sie tatsächlich eine langfristige Wirkung haben. Die Messung der Auswirkungen einzelner Maßnahmen ist oft schwierig. Zudem ist es wichtig, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten, also Mensateams, Lehrkräfte, Eltern und Schülervertretungen.

Zwar ersetzt Nudging keine gute Ernährungsbildung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen, um gesündere Entscheidungen im Alltag ganz praktisch zu fördern. In dem neuen Beitrag „Nudging in Schulen: gesunde Ernährung fördern“ zeigt IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung anschauliche Praxisbeispiele für Schulen und erläutert, wie bereits kleine Veränderungen den Schulalltag und die Verpflegung nachhaltig verbessern können.

bzfe.de

Weitere Informationen:

IN FORM: Nudging in Schulen: Gesunde Ernährung fördern

BZfE: Schulessen ist Teil der Ernährungsbildung –Materialien und Praxisbeispiele zur Verzahnung von Unterricht und Schulverpflegung

Vernetzungsstelle Schulverpflegung Hessen: Fachinformation Nudging in der Gemeinschafsverpflegung

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Bayern: Kleine Änderung, große Wirkung? – Nudging in der Schulverpflegung