(BZfE) – Die erste Milch, die eine Frau nach der Geburt ihres Kindes bildet, ist das Kolostrum. Sie ist dickflüssig und gelblich und wird auch Neugeborenenmilch genannt. Sie hilft das anfangs noch unreife Immunsystem des Kindes aufzubauen. „Kolostrum ist für Babys echtes Superfood – jeder Tropfen zählt und ist wertvoll“, sagt Dr. Constance Rybak, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben im Bundeszentrum für Ernährung. „Es stärkt den Aufbau des kindlichen Immunsystems und die Darmfunktion, senkt das Risiko einer Gelbsucht und unterstützt eine gesunde Entwicklung.“
Bereits während der Schwangerschaft wird Kolostrum gebildet und ist unmittelbar nach der Geburt verfügbar. Das Baby nimmt es mit den ersten Stillmahlzeiten auf. Studien belegen, dass es wie ein „Immun-Shot“ wirkt und die Abwehrkräfte des Babys stärkt. Auch wenn eine Mutter nicht stillt, kann ihr Kind von der Neugeborenenmilch profitieren: Sie kann sie von Hand gewinnen und mit einem Löffel oder einem kleinen Becher füttern.
Kolostrum ist perfekt auf die individuellen Bedürfnisse des Babys und seinen Entwicklungsstand angepasst: Der anfangs gerade mal kirschgroße und kaum dehnbare Magen kann nur kleinste Mengen fassen. Aufgrund der hohen Nähr- und Immunstoffkonzentration des Kolostrums reichen in den ersten drei Tagen schon zwei bis zwanzig Milliliter Kolostrum pro Stillmahlzeit aus, um das Baby optimal zu versorgen und zu sättigen. Von einer größeren Menge Milch wäre es anfangs überfordert. Zudem muss es erst lernen, Atmen, Trinken und Schlucken zu koordinieren.
Kolostrum enthält viele Nährstoffe und bioaktive Substanzen, es ist durch kein anderes Lebensmittel ersetzbar:
- Reichhaltig: Kolostrum ist reich an fettlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen. Diese sind entscheidend für die Entwicklung von Gehirn, Sehkraft und Herz sowie für den Knochenaufbau.
- Individuell: Die Zusammensetzung des Kolostrums unterscheidet sich je nach Region und den dort auftretenden Krankheiten.
- Komplex: Über 200 komplexe Kohlenhydrate fördern die natürliche Entwicklung der Darmflora. Sie sorgen dafür, dass sich wichtige Bifidobakterien im Darm des Babys ansiedeln.
- Schützend: Immunglobuline der Mutter gehen in die Muttermilch über und schützen das Neugeborene vor Krankheiten, die die Mutter bereits durchgemacht hat.
- Risikominimierend: Enthält das Blut zu viel Bilirubin, kann das Baby Gelbsucht bekommen. Kolostrum wirkt abführend, so dass der gelbe Blutfarbstoff Bilirubin mit dem ersten Stuhlgang ausgeschieden wird und das Risiko einer Gelbsucht sinkt.
Weitere Informationen:
Netzwerk Gesund ins Leben: Stillen: Wissenswertes für den Start
Netzwerk Gesund ins Leben: Handbuch Basiswissen Stillen - Eltern praxisnah informieren und begleiten
Netzwerk Gesund ins Leben: Muttermilch: Superfood für die Immunabwehr
Youtube: Bundeszentrum für Ernährung – Stillbeginn: Breast Crawl
Netzwerk Gesund ins Leben: Infografik „So klein ist der Magen eines Babys“, Die Verwendung der Grafik ist ausschließlich im Rahmen einer redaktionellen Nutzung dieser Meldung erlaubt. Die Angabe des Copyrights ist verpflichtend. Copyright: BLE, Illustration: Jasmin Friedenburg, BZfE
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