Neuer metabolischer BMI entwickelt

Stoffwechselstörungen frühzeitig erkennen

Eine Ärztin bespricht mit einem übergewichtigen Patienten die Testergebnisse. © Halfpoint – stock.adobe.com

(BZfE) – Der Body-Mass-Index, kurz BMI, ist ein weit verbreitetes Maß zur Einschätzung des Körpergewichts. Diese einfache Formel gibt jedoch keinen Aufschluss darüber, ob eventuelle Stoffwechselstörungen vorliegen. Forschende der Universität Leipzig und der Universität Göteborg haben daher einen neuen Ansatz entwickelt, mit dem sich das individuelle Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Fettleber deutlich besser einschätzen lässt.

Der klassische BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat (kg/m2) und dient der Bestimmung von Übergewicht und Adipositas. Allerdings weisen bis zu 30 Prozent der Menschen mit einem laut BMI „normalen“ Körpergewicht bereits bedenkliche Stoffwechselveränderungen auf, die häufig unentdeckt und unbehandelt bleiben. Umgekehrt gibt es Menschen mit einem erhöhten BMI, deren Stoffwechsel weitgehend unauffällig ist. Ein möglicher Lösungsansatz ist ein metabolischer BMI (metBMI), mit dem sich das Risiko für Stoffwechselerkrankungen besser einschätzen lassen soll.

Für seine Untersuchung nutzte das internationale Forschungsteam Daten von zwei großen Bevölkerungsstudien aus Schweden mit insgesamt knapp 2.000 Teilnehmenden. Mithilfe eines auf künstlicher Intelligenz basierenden Rechenmodells wurde der metBMI vorhergesagt. In die Analyse flossen Angaben zu Lebensstil und Ernährung sowie Laborwerte aus dem Blut und dem Darmmikrobiom ein. Aus ursprünglich über 1.000 analysierten Stoffwechselprodukten ließen sich 66 Metabolite identifizieren, die auf mögliche Stoffwechselerkrankungen hinweisen.

Die Ergebnisse zeigen: Normalgewichtige mit einem hohen metBMI hatten ein zwei- bis fünfmal höheres Risiko für verschiedene Krankheiten und Beschwerden wie Fettleber, Diabetes, Entzündungen und Fettansammlungen um die inneren Organe.

Die Studienresultate lassen vermuten, dass das metabolische Profil im engen Zusammenhang mit der Darmflora steht. So hatten Menschen mit einem hohen metBMI eine geringere bakterielle Vielfalt im Darm, und es wurden weniger Ballaststoffe in gesundheitsfördernde Fettsäuren umgewandelt. Genetische Faktoren spielten für den metBMI offenbar eine geringere Rolle als Lebensstil und Umweltfaktoren.

„Unser metabolischer BMI deckt versteckte Stoffwechselstörungen auf, die auf der Waage nicht immer sichtbar sind. Zwei Menschen mit dem gleichen BMI können je nach Funktion ihres Stoffwechsels und ihres Fettgewebes völlig unterschiedliche Risikoprofile aufweisen“, fasst Dr. Rima Chakaroun von der Universität Leipzig zusammen. Der metBMI könnte in Zukunft helfen, gefährdete Personen früher zu identifizieren und therapeutische Maßnahmen anzupassen. Zukünftig sollen insbesondere Wechselwirkungen zwischen Fettgewebe und Darmmikrobiom weiter erforscht werden.

Heike Kreutz, bzfe.de

Weitere Informationen:

Zur Studie: Multi-omic definition of metabolic obesity through adipose tissue–microbiome interactions

Pressemitteilung Universität Leipzig: Neuer BMI deckt versteckte Stoffwechselstörung auf

BZfE: Neue Erkenntnisse zur Beschreibung von Adipositas – Hat der BMI ausgedient?

BZfE: Übergewicht und Adipositas in Deutschland – massives gesellschaftliches Problem