- Bio-Städte verpflichten sich per Ratsbeschluss, die ökologische Landwirtschaft und das Bio-Lebensmittelangebot vor Ort zu fördern.
- Ein wichtiger Hebel ist die Erhöhung des Bio-Anteils in städtischen Einrichtungen wie Schulen und Kitas.
- Bisher haben sich in Deutschland 31 Kommunen im Netzwerk der deutschen Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise zusammengeschlossen.
- Im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte, die Akquise von Fördermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen.
Win-Win für Mensch, Natur und Wirtschaft
Bio-Städte setzen an zwei Stellschrauben gleichzeitig an: Sie verbessern die Qualität des Essens in der Gemeinschaftsverpflegung und stärken die biologische Lebensmittelproduktion. Das tun sie, in dem sie ihre Nachfrage verändern. Denn Städte, Gemeinden und Landkreise verfügen über einen großen Hebel: 240 Milliarden Euro geben sie jedes Jahr für Einkäufe aus. Ein Teil davon entfällt auf Lebensmittel. Zum Beispiel für städtische Kantinen, das Mittagessen in kommunalen Schulen und Kitas oder die Häppchen auf dem Empfang des Oberbürgermeisters. Hier können die Kommunen ansetzen und etwas dafür tun, um die Gesundheit von Mensch und Natur zu fördern und Folgekosten zu reduzieren. So setzen Städte wie Nürnberg, Leipzig, München oder Freiburg schon seit Jahren auf Biolandwirtschaft in ihrer Region, um ihre Trinkwassergebiete zu schützen und die Kosten für die Wasseraufbereitung zu senken.
Bio-Anteile in der Kita- und Schulverpflegung
Die Einführung von Bio-Lebensmitteln in städtischen Verpflegungseinrichtungen erfolgt in der Regel schrittweise, mit dem Ziel, ihren Anteil bei der Beschaffung kontinuierlich zu steigern. Einige Kommunen sind schon weit gekommen. So haben in München bereits 430 städtische Kitas bei der Verpflegung einen Bio-Anteil von 50 Prozent erreicht – die nächste Zielmarke sind 70 Prozent. Auch viele Schulen liegen bereits bei über 50 Prozent. In anderen Bio-Städten liegt der Bio-Anteil in Kitas ebenfalls um die 50 Prozent, in Nürnberg sind es sogar 75 Prozent. Umfrageergebnisse zu angestrebten und tatsächlich erreichten Bio-Anteilen in verschiedenen Bio-Städten (Stand: Februar 2024) hat das Informationsportal oekolandbau.de zusammengestellt: Bio-Anteile in den Schulen und Kitas der Biostädte
Der Weg zur Bio-Stadt
Wenn eine Kommune zur Bio-Stadt werden möchte, braucht sie einen Ratsbeschluss. Darin legt die Politik fest, wie viel Prozent Bio es demnächst in den städtischen Einrichtungen oder auch auf Empfängen geben soll. Und dann beginnt ein kleiner Hürdenlauf. Denn die Kommune muss ihre Ausschreibungsverfahren ändern und manchmal auch neue Anbieter finden. Der Leitfaden “Mehr Bio in Kommunen” unterstützt dabei. Er wurde vom Netzwerk deutscher Bio-Städte erarbeitet (siehe unten). Arbeitshilfen für das Vergabeverfahren bietet auch der Artikel Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung.
Aber auch in den Küchen braucht es Know-how und Mut zur Veränderung. Denn der Einsatz von regionalen und saisonalen Lebensmitteln verändert den Einkauf, die Planungen, die Rezepte und die Arbeitsabläufe. Und schließlich braucht es Lieferantinnen und Lieferanten, die zuverlässig die gewünschte Ware in der erforderlichen Qualität bereitstellen, so dass sie in Großküchen gut weiterverarbeitet werden können. Das ist in vielen Regionen der größte Engpass.
Beratung und Vernetzung
Um Küchenteams zu stärken, finanzieren einige Kommunen Beratungsangebote wie das “Haus der Kost” der Bio-Stadt München und die “Kantine Zukunft Berlin”. Neben Workshops zu Einkauf und Zubereitung bio-regionaler Lebensmittel, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Co. spielt hier der Vernetzungsgedanke eine große Rolle. Ein zentrales Ziel besteht auch darin, den Austausch zwischen Erzeugung und Verarbeitung zu fördern, um eine nachhaltige, möglichst regionale Beschaffung zu ermöglichen und gleichzeitig den Ökolandbau zu fördern.
Unterstützung in diesem Sinne bieten auch die Projekte KANNtine und Ganz große Küche! Regional. Bio. Regensburg, die im Rahmen des "Modellregionenwettbewerbs – Ernährungswende in der Region" gefördert werden. Der Wettbewerb wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ausgeschrieben und von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) koordiniert.
Das Netzwerk deutscher Bio-Städte
Aktuell haben sich 31 Kommunen im Netzwerk deutscher Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise zusammengeschlossen. Durch die Unterzeichnung ihrer Kooperationsvereinbarung haben sie sich unter anderem dazu verpflichtet, gemeinsame Strategien zu entwickeln, öffentliche Aufmerksamkeit zu schaffen und sich gegenseitig bei der Akquise von Fördermitteln zu unterstützen. Durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sind die Bio-Städte – genauer gesagt der Verein zur Förderung der Bio-Städte e. V. als rechtlicher Träger – Ende 2025 damit beauftragt worden, Kommunen in ganz Deutschland bei der Umsetzung der nationalen Bio-Strategie 2030 zu unterstützen. Im Rahmen der Fördermaßnahme "Bio Komm' Mit" erhalten ausgewählte Städte, Gemeinden und Landkreise gezielte Unterstützung, um Themen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft stärker in ihre Verwaltung integrieren zu können. Dafür stellt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aus seinem Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) rund 500.000 Euro zur Verfügung. Neben individueller und bedarfsorientierter Beratung bietet "Bio Komm' Mit" Fach- und Informationsveranstaltungen, außerdem Infoblätter und Anleitungen wie den Praxisleitfaden “Mehr Bio in Kommunen”, die als Werkzeuge die Arbeit für Kommunen erleichtern. Darüber hinaus werden Arbeitsgruppen gebildet, die Leitlinien für kommunenübergreifende Fragestellungen entwickeln, und kommunenübergreifende Aktionen für Bürgerinnen und Bürger organisiert.
„Dieser Auftrag bestätigt unsere bisherige Arbeit als ein „von unten“, aus Eigeninitiative entstandenes kommunales Netzwerk. Wir haben nun deutlich mehr Möglichkeiten, aber auch die Verpflichtung, die Förderung des Ökolandbaus und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Städten, Gemeinden und Landkreisen zu verankern und zu verstärken“.
Dr. Werner Ebert, Geschäftsführer des Netzwerks deutscher Bio-Städte
Praxisleitfaden des Netzwerks deutscher Bio-Städte
© Verein zur Förderung der Bio-Städte e. V.
Gesetzliche Regeln wie die Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung (Bio-AHVV) und wachsender Kostendruck machen Beschaffung und Verpflegungspraxis nicht einfacher. Der Praxisleitfaden „Mehr Bio in Kommunen“ stellt umfassend und praxisorientiert dar, wie Bio-Lebensmittel in der öffentlichen Gemeinschaftsgastronomie einsetzbar sind. Er wurde 2025 komplett überarbeitet und steht allen Interessierten zum kostenfreien Download zur Verfügung.
Die 31 deutschen Bio-Städte
© Verein zur Förderung der Bio-Städte e. V.
Mehr Informationen zum Netzwerk der Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise und zu den derzeit 31 Mitgliedern finden Sie auf www.biostaedte.de.
Tue Gutes und rede darüber
Wer Veränderung in Gang bringen möchte, braucht breite Unterstützung. Um möglichste viele Menschen für ihre Sache zu gewinnen, setzen Bio-Städte daher auf erlebnisorientiere Bildung und gute Öffentlichkeitsarbeit. Häufig arbeiten sie dabei eng mit örtlichen Bildungseinrichtungen, Umweltverbänden und Initiativen zusammen. Dazu gehören zum Beispiel Hofbesichtigungen, Bio-Wochen oder -Feste, Projekttage in den Schulen, Bio-Kochaktionen oder auch das Anlegen von Schulbeeten. Dadurch werden Bürgerinnen und Bürger mitgenommen und motiviert, an den geplanten Veränderungen mitzuwirken.
© Bio-Stadt Bremen
Das europäische Bio-Städte-Netzwerk
Das Netzwerk deutscher Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise ist eingebettet in das Organic Cities Network, dem Bio-Städte aus ganz Europa angehören. Wie auch im deutschen Netzwerk stehen Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Projekte im Mittelpunkt. Das Netzwerk verleiht den Bio-Städten Sichtbarkeit und erhöht die politische Schlagkraft auf EU-Ebene. Damit trägt es maßgeblich zur Stärkung der Rolle von Kommunen in der europäischen Agrar- und Ernährungspolitik bei.
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Mehr Informationen
Das Organic Cities Network präsentiert sich. Ein Einblick mit Statements von den Verantwortlichen Claudio Serafini (Organic Cities Network Europe, Direktor), Britta Walthelm (Referentin für Umwelt und Gesundheit, Nürnberg), Josef Taucher (SPÖ-Klubvorsitzender im Gemeinde- und Landrat, Wien), Ronny Meyer (Staatsrat für Umwelt und Verkehr, Bremen) und Dirk Behrendt (Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Berlin).
Was sind Öko-Modellregionen?
Auch Öko-Modellregionen haben sich vorgenommen, den Ökolandbau zu stärken und den Zugang zu regionalen Bio-Produkten zu verbessern. Bei Öko-Modellregionen oder Bio-Musterregionen handelt es sich um Zusammenschlüsse von Städten mit ihren Landkreisen, mehreren Kommunen, oder auch einzelnen Landkreisen. Sie haben dafür Konzepte entwickelt und in ihrem Bundesland an einem Wettbewerb teilgenommen. Diese staatlich anerkannten Bündnisse erhalten dann in der Regel eine mehrjährige Förderung durch das Bundesland. Die Managerinnen und Manager der Öko-Modellregionen sind die zentrale Schnittstelle zwischen Landespolitik, Kommunen, landwirtschaftlichen Betrieben, Verarbeitung und Gemeinschaftsverpflegung. Sie kümmern sich um den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, die Vernetzung und die Öffentlichkeitsarbeit.
Mehr Informationen zu Öko-Modellregionen bekommen Sie auf oekolandbau.de, einem Informationsportal der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
