- Fisch im deutschen Handel stammt meist aus Importen, denn der Selbstversorgungsgrad liegt nur bei zwanzig Prozent.
- Überfischung, die einzelne Bestände bedroht, gefährdet Ökosysteme und die Existenz von Fischereibetrieben.
- Mit einer nachhaltigen Fischereipolitik sollen Ökosysteme und Fischbestände geschont werden.
- Die Zucht von Fischen und Meeresfrüchten in Aquakultur deckt die steigende Nachfrage, kann aber neue Probleme für Ökosysteme und das Tierwohl schaffen.
- Lachs, Alaska-Seelachs, Thunfisch, Hering und Garnelen sind die beliebtesten Arten in Deutschland.
Woher stammt unser Fisch?
Die Menschen in Deutschland essen im Schnitt rund zwölf Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr (Stand 2024). Nur zwanzig Prozent sind aus deutscher Fischerei und Aquakultur. Heimische Kutter fangen Fische hauptsächlich vor den Küsten der Nord- und Ostsee. Wenige Hochseeschiffe fischen in europäischen Gewässern wie dem Nordatlantik.
Während die deutsche Fischerei und Zahl der Berufsfischer seit den 1990er Jahren zurückgegangen ist, hat sich die Aquakultur in Deutschland zunehmend etabliert. Sie kann aber nicht mit der boomenden Entwicklung in anderen Ländern mithalten. Asien liegt dabei mit Abstand vorn.
Den Großteil der Nachfrage in Deutschland decken daher Importe aus Norwegen, Dänemark und den Niederlanden.
Weltweit hat das Bevölkerungswachstum den Bedarf für Fisch stark in die Höhe getrieben. Das hat zu jährlichen Wachstumsraten der Aquakultur um die fünf Prozent geführt. 2022 wurden erstmals mehr Wassertiere gezüchtet als gefangen. Führender Hauptproduzent und wichtigste Fangnation ist dabei China.
Die beliebtesten Top 5 Fische und Meeresfrüchte im Kurzporträt
Ein Viertel der hierzulande verzehrten Fische sind Lachse. Der Lachs bzw. Atlantische Lachs ist ein Raub- und Wanderfisch: Zum Laichen zieht er in Flüsse, wo auch die Jungfische aufwachsen. In freier Natur können Lachse bis zu 1,5 Meter lang und 45 Kilogramm schwer werden. Doch der Fang von Wildlachsen ist zurückgegangen, weil die Bestände schrumpfen. Neunzig Prozent unserer Lachse stammen daher heute aus norwegischer Aquakultur. Dort werden sie bis zu einem Gewicht von drei bis sechs Kilogramm herangezogen und geschlachtet, bevor ihr Wandertrieb einsetzt. Norwegen produziert mehr als die Hälfte der weltweit verzehrten Zuchtlachse. Die Erzeugerbetriebe bemühen sich mit neuen Methoden um Tierwohl und eine umweltfreundliche Zucht. So kommen heute so gut wie keine Antibiotika mehr zum Einsatz. Besondere Regeln gelten für Bio-Lachse aus ökologischer Aquakultur. Sie haben zum Beispiel doppelt so viel Platz.
Der Alaska-Seelachs ist nicht mit dem Seelachs (Köhler) oder Lachs verwandt, sondern mit dem Kabeljau. Er wird auch Alaska-Pollack genannt, ist bis zu 90 Zentimeter lang und 1,5 Kilogramm schwer. Die Fische leben in großen Schwärmen im Nordpazifik. Sie gehören nach der peruanischen Sardelle zu den weltweit am meisten gefangenen Fischarten. In Deutschland wird der milde Fisch meist zu Tiefkühl-Produkten verarbeitet und verkauft. Er steckt vielseitig in Schlemmerfilets und Backfisch, vor allem in Fischstäbchen. Dazu wird er bereits auf den modernen Fangschiffen vollautomatisch bearbeitet und zu großen Blöcken gefroren. Ein großer Vorteil ist, dass sich Alaska-Seelachs gut zu grätenfreien Erzeugnissen verarbeiten lässt.
Thunfisch gibt es in vielen Arten mit verschiedenen Bezeichnungen. Sie heißen Roter bzw. Großer Thun, Gelbflossen-Thun oder Skipjak-Thun (gleich Echter Bonito). Der Große Thun kann bis zu fünf Meter lang, sechshundert Kilogramm schwer und vierzig Jahre alt werden. Die Raubfische schaffen Sprints von bis zu 80 Kilometer pro Stunde. Sie leben überall auf der Welt in tropischen und gemäßigten Meeresgewässern. Etwa drei Viertel des in Deutschland verzehrten Thunfischs steckt in Konserven oder auf Tiefkühl-Pizza. Dabei handelt es sich meist um den Echten Bonito. Sechzig Prozent der weltweiten Bestände sind in einem guten Zustand und gelten als nicht überfischt. Frischer Thunfisch ist wie Lachs eine gefragte Zutat für Sushi. Am 2. Mai rufen die Vereinten Nationen jährlich den Welt-Thunfisch-Tag aus. Er soll für einen bewussten Konsum sowie eine nachhaltige Fischerei und Erzeugung von Thunfisch sensibilisieren. Dazu gehören auch Fangmethoden, die Delfine schützen. Sie sind durch das internationale Logo „Safe“ gekennzeichnet.
Heringe leben in großen Schwärmen, die wegen ihrer glitzernden Flanken „Silber des Meeres“ genannt werden. Die im Schnitt 15 Zentimeter langen, schlanken Fische stehen mengenmäßig mit Abstand auf Platz 1 der deutschen Fischerei. Sie stammen aus dem Nordostatlantik, der Nord- und Ostsee. Bei der Fischerei mit Schleppnetzen im Freiwasser entsteht kaum Beifang oder Beeinträchtigung des Meeresbodens. Einige Bestände gelten aber als bedroht. In Deutschland gehören haltbare Produkte mit Hering zu den beliebtesten Fischerzeugnissen. Das Angebot ist sehr vielfältig: von Hering in Tomatensoße über Rollmöpse und Brathering bis zu Heringssalat und Matjes.
Der Begriff Garnelen fasst verschiedene Arten von so genannten Langschwanzkrebsen zusammen. Dazu gehören Hummer, Langusten, Nordsee- und Tiefseegarnelen wie die Eismeergarnele. Typisch sind die langen Antennen und Scheren. Garnelen kommen überall auf der Welt im Salz- und Süßwasser vor. Für die deutsche Fischerei ist besonders die Nordseegarnele interessant. Sie wird auch Granat oder Krabbe genannt. Ihre Vermehrung und die daraus folgenden Fangraten hängen stark von den jeweiligen Umweltbedingungen ab. Sie sind daher von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Bei guter Saison sinken die Preise. Immer hochpreisig sind Kaisergranate. Nur sie dürfen als „Scampi“ auf der Speisekarte bezeichnet werden.
Fisch aus Wildfang
Werden Fisch und Meeresfrüchte in ihrem natürlichen Lebensraum gefangen, spricht man von „Wildfang“. Die deutsche Fangflotte besteht überwiegend aus kleinen Booten. Sie fischen meist mit Stellnetzen – die wie eine Wand im Wasser stehen – Dorsch und Hering. So steuern sie zwei Prozent der deutschen Fänge bei. In diese passiven Fanggeräte schwimmen die Fische selber hinein. Durch die Größe der Maschen lässt sich bestimmen, welche Exemplare darin bleiben und welche nicht gefangen werden.
Dazu kommen deutsche Boote für den Krabbenfang oder Schleppnetzfahrzeuge, die zum Beispiel Kabeljau, Plattfische und Seelachs aktiv fangen. Zwei weitere von vielen Fangmethoden sind Langleinen, an denen hunderte Haken mit Ködern hängen, oder fallenartige Hummerkörbe.
Über 1.000 kleineren Kuttern stehen nicht mal zehn Hochseetrawler gegenüber, von denen drei Viertel der deutschen Fänge stammen. Diese modernen Schiffe sind teils über achtzig Meter lang und fischen im Freiwasser oder nahe dem Meeresgrund. Sie stehen im Wettbewerb mit den Fischereiflotten überall auf der Welt.
Die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der Europäischen Union zielt auf eine nachhaltige, umweltverträgliche und wettbewerbsfähige Fischwirtschaft ab. Sie regelt unter anderem, wie viele Fische wo und mit welchen Methoden gefangen werden dürfen.
Was bedeutet Überfischung?
Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelten etwa ein Drittel der 2.600 weltweiten Fischbestände als überfischt. Zu den Gründen gehören die steigende Nachfrage durch immer mehr Menschen auf der Welt und eine zunehmend industrielle Fischerei.
Überfischung bedeutet nicht automatisch Ausrottung von Fischarten, sondern zunächst eine Bedrohung einzelner Bestände. Ein Bestand ist die Fortpflanzungs-Gemeinschaft einer Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Werden dort mehr Fische gefangen, als in den Folgejahren nachwachsen können, ist das jedoch hochproblematisch sowohl für die Ökosysteme der Meere als auch für die Fischerei. Denn fängt diese immer weniger Fisch in einem Bestand, lohnt sich die Fischerei dort nicht mehr. Auf Dauer verlieren insbesondere kleine Betriebe dadurch ihre Existenzgrundlage.
Ob und wie schnell sich ein Bestand erholt, hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend ist eine nachhaltige Fischerei mit angemessenen Fangquoten. Diese werden in der EU jährlich aufgrund einer Schätzung der Bestände neu verhandelt und auf Länder und Fischereiflotten verteilt. Diese Schätzungen müssen stets kritisch geprüft werden, damit die daraus abgeleiteten Fangquoten nicht zu hoch liegen.
Fisch aus Aquakultur
Die Erde ist zu siebzig Prozent von Wasser bedeckt. Es könnte als quasi „blauer Acker“ ein wichtiger Eiweißlieferant der Zukunft sein. In Deutschland stammen etwa fünfzig Prozent der angebotenen Fische aus der Zucht bzw. Aquakultur. Die Formen reichen von traditionellen Karpfenteichen bis zu High-Tech-Anlagen im offenen Meer. Die Zunahme der gezüchteten Arten und Produktionsmengen haben unter anderem moderne Netzgehege ermöglicht. Darin wachsen zum Beispiel Lachse in den Fjorden Norwegens oder Doraden im Mittelmeer.
Geschlossene Kreislaufanlagen lassen sich auch an Land betreiben, zum Beispiel für die Zucht von Warmwasserarten wie Wolfsbarsch oder Aal. Auf der einen Seite ist die Erzeugung von Fischen, Muscheln, Krebsen und Algen in Aquakultur nachhaltiger als die Erzeugung von Landtieren: Sie sind bessere Futterverwerter, verbrauchen weniger Wasser und erzeugen weniger Treibhausgase.
Auf der anderen Seite führt die weltweite Ausweitung der Aquakultur zu neuen Problemen. Dazu gehören die mögliche Beeinträchtigung natürlicher Ökosysteme durch die geschaffenen Anlagen, der hohe Bedarf an Fischmehl oder Fischöl, der meist durch Wildfang gedeckt wird. Außerdem müssen das Tierwohl und die Tiergesundheit gewährleistet sein.
Tierwohl in der Aquakultur
Die Zucht von Fischen in Aquakultur stellt große Herausforderungen an das Tierwohl und die Tiergesundheit. So sind besonders Krankheiten problematisch, gegen die es kaum zugelassene Arzneimittel gibt. Auch vorbeugende Impfstoffe fehlen hier bislang weitgehend. Sie wären jedoch eine gute Möglichkeit, den Einsatz von beispielsweise Antibiotika zu senken. Soll die Aquakultur in Deutschland ausgeweitet werden, braucht es weitere gezielte Schutzmaßnahmen. Dazu gehören eine optimale Hygiene, gute Wasserqualität und artgerechte Haltungsdichte. Sie tragen dazu bei, Fische widerstandsfähig gegen Krankheiten zu machen.
Tierwohl bedeutet außerdem, Schmerz und Stress bei der Schlachtung zu vermeiden. Wie das gelingen kann, zeigen Handreichungen für Aquakulturbetriebe zu einer „guten fachlichen Praxis”. Auch die nationale und internationale Forschung beschäftigt sich mit Lösungen rund um das Tierwohl und die Tiergesundheit in der Aquakultur.
Mehr Details enthält der „Nationale Strategieplan Aquakultur für Deutschland”: portal-fischerei.de
Fisch aus Aquaponik
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Ein nahezu perfekter Kreislauf ohne Emissionen entsteht, wenn in Aquaponik-Anlagen gleichzeitig Fisch gezüchtet und Gemüse angebaut wird.
Ein Film des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL).
Fisch aus Flüssen und Seen
Heimische Süßwasserfische, gefangen in ihrem natürlichen Lebensraum? Die gibt es auch, aber vor allem aus großen Gewässern wie dem Bodensee und seenreichen Regionen in Norddeutschland und Brandenburg. Die Binnenfischerei in kleinen Gewässern ist oft begrenzt, weil sie in Naturschutzgebieten liegen oder eine Konkurrenz zu Freizeitaktivitäten wie Baden und Wassersport besteht.
Die meisten heimischen Süßwasserfische leben in Aquakultur-Betrieben in Bayern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Im Gegensatz zur weltweiten Entwicklung ist die Zahl der deutschen Betriebe und die Produktionsmenge in den letzten Jahren jedoch gesunken. Um beispielsweise neue Teichanlagen einzurichten, müssen auch die behördlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften berücksichtigt werden.
Hätten Sie's gewusst? Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Angelschein und angeln geschätzt die Hälfte aller in deutschen Binnengewässern gefangenen Fische.






