(BZfE) – Häufig werden Dinkel, Emmer und Einkorn als „Urgetreide“ bezeichnet. Das Max-Rubner-Institut (MRI) hat diesen Begriff aus wissenschaftlicher Sicht eingeordnet und als irreführend für Verbraucherinnen und Verbraucher eingeschätzt.
Dinkel, Emmer und Einkorn gehören zur Pflanzenfamilie der Süßgräser und sind frühe Formen aus der Gattung des modernen Weizens (Triticum). Es handelt sich um sogenannte Spelzweizenarten, deren Korn von einer festen Hülle umschlossen geerntet und vor der Verarbeitung geschält werden muss.
Der Begriff „Urgetreide“ ist in der EU rechtlich nicht geschützt und suggeriert, dass es sich um eine ursprüngliche, nicht veränderte Getreideart handelt. Tatsächlich haben sich Dinkel, Emmer und Einkorn durch natürliche Auslese und Züchtung deutlich weiterentwickelt. Die aktuell angebauten Sorten gehen größtenteils auf Genbanken zurück und sind meist um einiges jünger als 100 Jahre. Mit den ursprünglichen Arten aus der Antike bestehen kaum noch Gemeinsamkeiten.
Verbraucher und Verbraucherinnen könnten zudem den Schluss ziehen, dass solche Getreidearten gegenüber „normalem“ Weizen gesundheitliche Vorteile haben – etwa eine bessere Verträglichkeit und ein geringeres allergenes Potenzial (Stichwort Gluten). Das ist aber nicht der Fall.
Aus den genannten Gründen kommt das MRI zu dem Schluss, dass Bezeichnungen wie „Urgetreide“, „Urweizen“ oder „Urdinkel“ fachlich nicht korrekt sind. Darüber hinaus sprechen sich die Forschenden für eine eindeutige Kennzeichnung aller zur Gattung Weizen gehörenden und damit glutenhaltigen Getreidearten aus, um möglichen Gesundheitsrisiken bei Glutenunverträglichkeit vorzubeugen.
Heike Kreutz, bzfe.de
Weitere Informationen:
MRI: Pressemeldung „Dinkel, Emmer und Einkorn – Bezeichnung „Urgetreide“ als irreführend eingestuft
MRI: Wie sind Bezeichnungen wie Urgetreide oder Urweizen einzuordnen? Wissenschaftliche Einordnung
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