(BZfE) – Eigentlich ist der Weg ziemlich klar: nachhaltiger Konsum ist auch beim Essen erforderlich, um die Klimaziele zu erreichen. Das zeigen zumindest die maßgeblichen Studien der vergangenen Jahre. Nun hat die unabhängige Denkfabrik Agora Agrar dazu eine weitere Studie vorgelegt, welche die Klimawirksamkeit der deutschen Ernährung analysiert. Dieser Thinktank nutzte dafür einen durchschnittlichen deutschen Warenkorb und untersuchte, wo eigentlich die Treibhausgas-Emissionen entstehen. So flossen in die Studie auch die importierten Emissionen ein, die sonst häufig außen vor bleiben. Die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt oder andere wichtige Kerngrößen für eine nachhaltige Ernährung waren allerdings nicht Teil der Analyse.
Die Ergebnisse zeigen: Nach Produkten getrennt betrachtet, entfallen 70 Prozent der ernährungsbedingten Emissionen auf Milch- und Fleischerzeugnisse. Das liegt unter anderem am sogenannten Käse-Paradoxon. Gerade Menschen, die sich als Flexitarier zu weniger Fleischkonsum entscheiden, konsumieren häufig reichlich Käse- und Joghurt. Allerdings ist die Wirkung von Käse auf das Klima besonders hoch, denn es wird viel Milch dafür benötigt.
Entlang der Wertschöpfungskette entstehen über die Hälfte der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion. Dies umfasst zum Beispiel die Tierhaltung und den Pflanzenbau – inklusive der Futtermittelproduktion. 26 Prozent der Emissionen entfallen auf den Konsum und jeweils fünf Prozent auf Weiterverarbeitung und Handel. Allerdings hat auch die Aussagekraft der aktuellen Agora-Studie ihre Grenzen: Es werden nur Durchschnittswerte erhoben und besonders klima- und diversitätsfreundliche Wirtschaftsformen wie der ökologische Landbau, aber auch konventionelle Sonderwege, lassen sich so nur unzureichend bewerten.
Agora Agrar schlägt vor, künftig mit einem Indikator fortlaufend zu überprüfen, wie sich das System weiterentwickelt und ob der Anteil der Ernährung an den Klima-Emissionen tatsächlich abnimmt. Das Individuum habe nur sehr begrenzte Einflussmöglichkeiten. Das System müsse sich verändern. Dazu gehöre eine Ernährung mit „viel Pflanze“ genauso, wie die Wiedervernässung der Moore und der Ausbau der erneuerbaren Energien. Und nicht zuletzt gelte es, die Ernährungsumgebungen so zu gestalten, dass gesunde Lebensmittel erschwinglich und verfügbar sind.
Zur Kommentierung der Studie waren zwei Externe mit sehr unterschiedlichen Ansätzen eingeladen: Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen unterstützte die Bedingungen des Indikators. Er warnte vor allem vor der Verantwortungsdiffusion, da viele verschiedene Politikfelder gefragt seien, um einen solchen Indikator umzusetzen und im Auge zu behalten. Viele verteilte Verantwortlichkeiten bedeuteten jedoch oft, dass man sich eben nicht selbst verantwortlich fühlt.
Dr. Julia Adou, verantwortlich für die Nachhaltigkeit von Aldi Süd, begrüßte die Idee des von Agora Agrar vorgeschlagenen Indikators ebenfalls. Sie erläuterte die Strategie ihres Unternehmens, die vor allem auf den Prinzipien der Planetary Health Diet basiere. Übrigens ist Wettbewerber LIDL sehr ähnlich unterwegs. Adou forderte mehr Verbindlichkeit bei den Vorgaben. Wenn alle den gleichen Regeln unterlägen, seien die Lebensmitteleinzelhändler durchaus bereit zu handeln. Im Moment müsse man leider feststellen, dass die Bereitschaft weniger tierische Produkte zu kaufen, stagniere. So sei es derzeit nicht möglich, weitere vegetarische oder vegane Produkte erfolgreich ins Sortiment aufzunehmen. Das sei schade, denn das gesamte Feld des veränderten Konsums sei voller Chancen für das Gemeinwohl und die gelte es zu nutzen.
Britta Klein, bzfe.de
Weitere Informationen:
Agora Agrar: Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland
BZfE: Was hat mein Essen mit dem Klima zu tun? Fünf Klimatipps fürs Essen und Trinken
BZfE: Planetary Health – Basis unseres Ernährungssystems
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