(BZfE) – Wenn junge Menschen ein Studium aufnehmen, verändern sich ihre Lebensgewohnheiten oft grundlegend. Sie verbringen nicht selten mehr Zeit am Schreibtisch, treiben weniger Sport und ernähren sich weniger ausgewogen. Nach einer Studie der Tufts University in den USA könnten sich diese Veränderungen unter Umständen noch Jahrzehnte später auf das Körpergewicht auswirken.
Das frühe Erwachsenenalter zwischen 18 und 25 Jahren gilt als besonders sensible Phase, in der es häufig zu einer Gewichtszunahme kommt. Bei Studierenden kann dies unter anderem daran liegen, dass sie mit dem Auszug aus dem Elternhaus ihren Alltag erstmals eigenverantwortlich gestalten. In den USA beschreibt der Begriff „Freshman 15“ die Annahme, dass manche Studierende im ersten Jahr 15 Pfund (knapp 7 kg) zunehmen.
In der aktuellen Studie prüften die Forschenden, wie sich Lebensgewohnheiten und Körpergewicht nach Studienbeginn entwickeln. Dazu führten sie zwei Befragungen durch: eine vor Studienbeginn mit 4.641 Teilnehmenden und eine weitere 11 bis 20 Jahre später mit 970 der ehemaligen Teilnehmenden. Anhand von Angaben zu Ernährungs-, Bewegungs- und Schlafgewohnheiten teilte man die Teilnehmenden in fünf Kategorien ein: dauerhaft gesund (sowohl vor als auch nach dem Studium), dauerhaft mäßig gesund, dauerhaft minimal gesund, verschlechtert oder verbessert. Zusätzlich wurde anhand von Körpergröße und Gewicht der Body-Mass-Index (BMI) berechnet.
Die Ergebnisse zeigen: Etwa jede zweite Person behielt ihre Lebensweise – ob gesund oder weniger gesund – aus der Zeit vor dem Studium bis ins spätere Erwachsenenalter bei. Bei 32 Prozent verschlechterten sich die Gewohnheiten, während 19 Prozent ihr Verhalten verbesserten. Im gleichen Zeitraum stieg die Prävalenz von Übergewicht (12 auf 26 %) und Adipositas (2 auf 8 %) deutlich an. Personen mit dauerhaft gesunden Ernährungsgewohnheiten hatten das geringste Risiko für eine Gewichtszunahme, die im Durchschnitt bei knapp sechs Kilogramm lag.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, wie entscheidend es ist, gesunde Verhaltensweisen bereits vor Studienbeginn zu entwickeln und diese langfristig beizubehalten“, erklärt Studienautor Daniel Hatfield. Auch Hochschulen könnten hierzu beitragen, etwa durch ein qualitativ hochwertiges, gesundes Mensaangebot. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um die Ergebnisse auch bei Studierenden aus Europa zu bestätigen und zusätzliche Einflussfaktoren wie Stress oder Leistungsdruck einzubeziehen.
Heike Kreutz, bzfe.de
Weitere Informationen:
Zur Studie: Longitudinal Assessment of Changes in Lifestyle Behaviors and Body Weight from Precollege to Adulthood
BZfE: Gesund essen – mit der Ernährungspyramide
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