(BZfE) – In den sozialen Medien wird die sogenannte „Lugol'sche Lösung“ zur Ergänzung der Jodversorgung beworben. Sie soll den Aussagen auf bestimmten Plattformen zufolge mehrmals wöchentlich bis mehrmals täglich als Tropfen eingenommen werden.
„Die orale Aufnahme der Lugol'schen Lösung oder anderer Jodtinkturen ist ein höchst bedenklicher Trend“, warnt Dr. med. Klaus-Peter Liesenkötter, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel. „Der extrem hohe Jodgehalt kann zu massiven Funktionsstörungen der Schilddrüse bis zur Blockade des Organs führen.“
Die nach dem französischen Arzt Jean Guillaume Lugol (1786–1851) benannte Lösung enthält neben Wasser fünf Prozent elementares Jod und zehn Prozent Kaliumjodid. Schon ein kleiner Tropfen (0,05 ml) einer fünfprozentigen Lugol'schen Lösung enthält mit rund 6.300 Mikrogramm (µg) das 40-fache der täglichen Zufuhrempfehlung für Erwachsene von 150 µg Jod.
Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Es ist Hauptbestandteil der Schilddrüsenhormone, die eine wichtige Rolle im Stoffwechsel übernehmen. Studien zeigen, dass sich die Jodversorgung der Menschen in Deutschland verschlechtert hat. Das kann ungünstige Folgen für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit haben.
Die Lugol'sche Lösung ist allerdings zur Nahrungsergänzung nicht geeignet. Das Produkt ist nur zur äußeren Anwendung als Antiseptikum oder Desinfektionsmittel zugelassen. Und das auch nur in Ausnahmefällen, da Jod in elementarer Form über die Haut aufgenommen werden kann. Hinweise wie „nur für Laborzwecke bestimmt“, etwa auf dem mitgelieferten Produktsicherheitsblatt, sollten unbedingt ernst genommen werden. Das Mittel wird im Labor meist zur Anfärbung von Bakterien verwendet.
Dr. Birgit Jähnig, bzfe.de
Weitere Informationen:
BZfE: Wenn Salz, dann Jodsalz
BMLEH: Wenn Salz, dann Jodsalz
Bundesinstitut für Risikobewertung: Aktualisierung (2025): Höchstmengenvorschläge für Jod in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
