Wenn gute Vorsätze am Alltag scheitern

Umfrage zu gesunder und nachhaltiger Ernährung in Europa

Eine junge Frau sitzt am Tisch und schaut auf ihr Smartphone, wo Kalorien und Nährwerte angezeigt werden. Vor ihr stehen Behälter mit verschiedenen Gemüsesorten. © ChayTee – stock.adobe.com

(BZfE) – Viele Europäerinnen und Europäer möchten sich gesünder und nachhaltiger ernähren. Die Umsetzung der guten Vorsätze scheitert jedoch häufig an finanziellen Hürden oder eingefahrenen Alltagsroutinen. Das ist zumindest das Resultat eines aktuellen Berichts des von der Europäischen Union unterstützten Innovations- und Technologienetzwerks „EIT Food“ (European Institute of Innovation and Technology). An der Umfrage nahmen im Sommer 2025 knapp 20.000 Erwachsene aus 18 europäischen Ländern teil, darunter auch Deutschland. 

Die Ergebnisse zeigen, dass bei alltäglichen Lebensmittelentscheidungen Gesundheit und Preis wichtiger sind als Nachhaltigkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte sich gesünder ernähren, aber hat Schwierigkeiten bei der Umsetzung im Alltag – etwa aufgrund hoher Preise oder fester Essgewohnheiten. Besonders groß sind diese Herausforderungen bei jüngeren Menschen. Obwohl sie häufiger unzufrieden mit ihrem Essverhalten sind, gelingt es ihnen nur schwer, etwas daran zu ändern. 

Zwar wissen die meisten Menschen, dass salzige, fettige und zuckerreiche Lebensmittel „ungesund“ sind. Doch nur rund ein Drittel meidet solche Produkte. Gleichzeitig gibt die Mehrheit an, zu wenig ballaststoffreiche und gesündere Lebensmittel wie Obst zu essen. 

69 Prozent der Befragten haben Interesse an einer nachhaltigen Ernährung. Aber lediglich 48 Prozent davon geben an, sich tatsächlich nachhaltig zu ernähren. Und 16 Prozent achten beim Einkauf bewusst darauf, tierische Lebensmittel zu vermeiden. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Jüngere greifen häufiger zu nachhaltigen Produkten, etwa mit dem Bio- oder Fairtrade-Siegel. Ältere Menschen ab 55 Jahren legen dagegen mehr Wert darauf, selbst zu kochen und Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Europäer grundsätzlich verstehen, wie eine gesunde und nachhaltige Ernährung aussieht. Doch gute Vorsätze allein reichen nicht aus“, erklärt Klaus G. Grunert, Professor für Marketing an der Universität Aarhus und Leiter des EIT Food Consumer Observatory. Ohne eine bessere Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit schmackhafter, gesunder und nachhaltiger Lebensmittel sei es unwahrscheinlich, dass sich das Ernährungsverhalten in Europa in naher Zukunft grundsätzlich verändert.

Im Alltag stellen sich dann die konkreten Fragen: Wie kann ich mich am Supermarktregal schnell orientieren? Wie bereite ich aus frischen Lebensmitteln einfache Gerichte zu? Welche Möglichkeiten habe ich in der Kantine gesund und nachhaltig zu essen? Dazu sagt Dr. Barbara Kaiser, Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung: „Um den Sprung vom Wissen zum Handeln zu schaffen und das eigene Essen und Trinken aktiv zu gestalten, brauchen Menschen weiteres Rüstzeug in Form von Kompetenzen und Fähigkeiten. Aus diesem Grund setzt sich das BZfE für mehr und bessere Ernährungsbildung in Deutschland ein, zum Beispiel mit Materialien und Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen oder speziell für bestimmte Zielgruppen aufbereitete Informationen in den Sozialen Medien.“ 

Heike Kreutz, bzfe.de

Weitere Informationen:

Die erste Ausgabe des „EIT Trust Report“ („Europe wants to eat better, so why doesn´t it happen?“) gehört zu einer vierteiligen Reihe. Künftige Themen sind unter anderem, ob Konsumierende dem europäischen Lebensmittelsystem vertrauen und welche Einstellung sie zu Lebensmittelinnovationen haben. 

BZfE: Nachhaltiges Essen für Mensch und Erde