- Ein gepflegter Vorrat ist in vielen Situationen hilfreich und für Notfälle wichtig.
- Im privaten Haushalt lässt sich ein Notfallvorrat leicht aufbauen und pflegen.
- Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt eine Versorgung für zehn Tage, aber auch Vorräte für drei Tage helfen bereits.
- Jede Vorbereitung zählt. Am einfachsten ist es, auf Vorhandenem und schrittweise aufzubauen.
- Wasser ist das Wichtigste beim Lebensmittelvorrat.
Was ist Ernährungsvorsorge?
Ernährungsvorsorge ist die Überbrückung von kurzfristigen oder mittelfristigen Versorgungsengpässen mit Nahrungsmitteln.
Um das zu gewährleisten, gibt es zwei Säulen: die staatliche und die private Ernährungsvorsorge. Denn obwohl im Regelfall das Verteilersystem für Lebensmittel sehr zuverlässig funktioniert, können verschiedene Ereignisse dazu führen, dass die Infrastruktur und das Versorgungssystem aus dem Gleichgewicht geraten: Das können beispielsweise Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Schneechaos, ein Stromausfall oder eine Pandemie sein. Oder im Privaten eine länger anhaltende Krankheit, die einen hindert aus dem Haus zu gehen und einzukaufen. Unvorhergesehene Situationen können alle treffen. Gute Gründe dafür, mit einem privaten Vorrat zur persönlichen Versorgungssicherheit in Krisenzeiten beizutragen.
Der Hauptbestandteil der privaten Ernährungsvorsorge ist die Vorratshaltung.
Was gehört zur privaten Ernährungsvorsorge?
Auf den Ausnahmefall vorbereiten – wenn Einkaufen, Essengehen und Kühlen von Vorräten plötzlich unmöglich sind, hilft ein Vorrat an (haltbaren) Lebensmitteln zu Hause. Damit können Sie sich eine gewisse Zeit versorgen, bis Infrastrukturen wiederhergestellt oder staatliche Unterstützungen angelaufen sind. Dazu gehört sowohl ein Grundstock an Wasser und Lebensmitteln, aber auch Medikamente und Hygieneprodukte spielen eine Rolle. Dieser Vorrat sollte außerdem an persönliche Bedürfnisse oder besondere Lebenssituationen angepasst werden. Menschen mit Unverträglichkeiten, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder bspw. benötigen ggf. spezielle Produkte wie glutenfreie Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Säuglingsnahrung oder Brei.
Für welche Dauer sollten Vorräte angelegt werden?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, Lebensmittel möglichst für zehn Tage zu bevorraten. Aber auch ein Vorrat für drei Tage kann schon einiges bewirken, denn: Jeder Vorrat hilft.
Welche Mengen benötigt man für einen Vorrat?
Welche Menge von welcher Lebensmittelgruppe empfehlenswert ist, lässt sich mit dem Vorratskalkulator der staatlichen Website Ernährungsvorsorge.de einfach und individuell ermitteln. Dort sind Beispiele für die verschiedenen Lebensmittelgruppen aufgeführt, die sich an den eigenen Geschmack und die persönlichen Bedürfnisse anpassen lassen.
Das Wichtigste: Wasser
Im Ernstfall unverzichtbar ist Wasser. Denn der Körper verliert fortlaufend Flüssigkeit über Urin, Schweiß etc. und diese muss durchs Trinken ersetzt werden. Ohne Wasser kann der Mensch nur wenige Tage überleben. Sollte kein (sauberes) Leitungswasser verfügbar sein, zum Beispiel bei Stromausfall, ist es nicht nur für die Flüssigkeitsversorgung wichtig. Sondern auch für die Zubereitung von Lebensmitteln, zum Spülen von Geschirr und für die Hygiene.
Für einen Erwachsenen sollte pro Tag etwa 1,5 Liter Flüssigkeit zum Trinken und zusätzlich 0,5 Liter zum Kochen eingeplant werden.
Der Großteil des Getränkevorrats sollte aus Wasser bestehen, ein Teil der Reserve kann durch Säfte ergänzt werden. Wasser kann für sämtliche Belange eingesetzt werden; Fruchtsäfte haben den Vorteil, zusätzlich zur Flüssigkeit Energie, Vitamine und Mineralstoffe zu liefern.
Für einen Zeitraum von 3 Tagen würde das in einem Zwei-Personen-Haushalt eine Lagerungsmenge von 12 Litern bedeuten, bei einer vierköpfigen Familie entsprechend 24 Liter. Ein größerer Vorrat kann in der Praxis eine Herausforderung sein. Hier bietet es sich an, Kellerräume oder Garagen als Lagerstätte mit zu nutzen.
Bei dunkler und kühler Lagerung bleibt Mineralwasser in einer original verschlossenen und unbeschädigten Glasflasche fast unbegrenzt haltbar. Wasser in PET-Flaschen ist ungefähr ein Jahr haltbar.
Lagerung von Wasser: Zimmertemperatur oder kühler und dunkel
Kann Leitungswasser als Vorrat abgefüllt werden?
Vorab abgefülltes Leitungswasser hat ein hohes Verkeimungsrisiko und eignet sich deswegen nur bedingt als Trinkwasser. Da die Empfehlung zur Lagerung von 1,5 L Wasser pro Tag sich auf Trink- und Kochwasser bezieht, kann abgefülltes Leitungswasser jedoch als Brauchwasser (Ersatz der Toilettenspülung o.ä.) verwendet werden. Für die Lagerung eignen sich speziell dafür vorgesehene Wasserkanister oder -beutel . Diese Behälter sollten ebenfalls am besten an einem kühlen (Zimmertemperatur oder kühler) dunklen Ort aufbewahrt werden, BPA-frei und für Lebensmittel geeignet sein. Gut sortierte Baumärkte, Outdoor-Geschäfte oder entsprechende Online-Shops haben sie im Sortiment.
Wichtig ist es trotzdem, beim Abfüllen besonders auf die Hygiene zu achten, indem die Behälter gründlich gereinigt, mit heißem Wasser ausgespült werden und das Wasser gegebenenfalls abkocht wird. Eine andere Möglichkeit ist es, speziell dafür vorgesehene Entkeimungstabletten zu verwenden.
Feste Lebensmittel liefern Energie und Nährstoffe
Es ist möglich, einige Tage ohne feste Nahrung auskommen. Dennoch hilft es in Notsituationen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sowie der Psyche, regelmäßig zu essen. Besonders wichtig ist es dabei, dem Körper ausreichend Energie (Kalorien) zu liefern und Hunger zu vermeiden. An zweiter Stelle steht, dem Körper Nährstoffe zu liefern.
“Private Ernährungsvorsorge ist nicht kompliziert und jeder Schritt zählt. Das BZfE zeigt, wie ein Lebensmittelvorrat sicher angelegt werden kann und gut im Alltag nutzbar ist.”
Dr. Barbara Kaiser, BZfE-Leiterin
Wie lege ich einen Vorrat sinnvoll an?
Zwei Grundprinzipien, um leicht den Überblick zu behalten:
Kaufen – Prüfen – Erneuern
Die Lebensmittel, die bevorratet werden sollen, werden zeitgleich eingekauft, gelagert und die Haltbarkeit in regelmäßigen Abständen (beispielsweise einmal im Halbjahr) überprüft. Bevor die Lebensmittel nicht mehr haltbar sind, werden die zeitnah ablaufenden Produkte in den Essalltag integriert und im Vorrat durch neue Ware ersetzt.
Kaufen – Verbrauchen – Erneuern
Bei dieser Variante spricht man auch von einem „lebendigen Vorrat“. Hier werden über einen längeren Zeitraum bei jedem Einkauf ein bis zwei Packungen von den benötigten, haltbaren Produkten mehr eingekauft, als für den Alltag notwendig wären. So baut sich langsam eine Reserve auf, die regelmäßig im Alltag verbraucht und erneuert wird. Wichtig hierbei: die „first in, first out“-Methode, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden: Die Lebensmittel, die am längsten Teil des Vorrats sind, werden als erstes verbraucht.
Beide Methoden lassen sich beliebig kombinieren. Je nach Lagerungsmöglichkeiten und Budget können verschiedene Optionen möglich sein.
Checkliste zum Anlegen eines Ernährungsvorrats
Auf der Internetseite ernahrungsvorsorge.de lassen Sie die für Ihren Haushalt empfohlene Mengen der einzelnen Lebensmittelgruppen für mindestens drei Tage berechnen.
Begutachten Sie das Ergebnis: Welche vorgeschlagenen Lebensmittel sind für Sie passend und welche nicht? Welche alternativen Produkte werden in Ihrem Haushalt benötigt und gegessen?
Wählen Sie Lebensmittel, die auch im Alltag auf Ihren Tisch kommen. So können Sie sie vor Ablauf der Haltbarkeit in Ihren Essalltag integrieren.
Welche Lebensmittel sind bereits Teil Ihres alltäglichen Lebensmittelvorrats?
Checken Sie Ihre gut erreichbaren und geeigneten Lagerungsmöglichkeiten. Trockene und dunkle Räume sind ideal.
Machen Sie sich einen Plan: Jede Woche die Menge für eine Lebensmittelgruppe zusätzlich einkaufen.
Fangen Sie mit dem Wichtigsten an: Wasser. (siehe Tipps weiter oben)
Möchten Sie Ihren Vorrat insgesamt oder in mehreren Schritten anschaffen? Welche Lebensmittel in den einzelnen Lebensmittelgruppen sind teuer/günstiger? Sollen es Marken oder No-Name Produkte sein?
Etablieren Sie ein System, mit dem Sie Ihre Vorräte im Blick behalten: Setzen Sie sich Termine im Kalender, wann Sie die Haltbarkeit überprüfen. Damit können Sie Verschwendung entgegenwirken und Kosten reduzieren.
Was benötigen Sie, um die Haltbarkeit zu gewährleisten? Brauchen Sie zusätzlich luftdichte Aufbewahrungsbehältnisse aus Glas, Metall oder Kunststoff?
Wo werden Lebensmittel für den Vorrat gelagert?
Der beste Vorrat nutzt nichts, wenn er nicht genutzt wird oder gar verdirbt. Die wichtigsten Faktoren für eine gute und dauerhafte Lagerung sind die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Dunkelheit und der Ausschluss von Schädlingen. Dies gilt für alle Lebensmittel.
Grundsätzlich gilt: Je wärmer Lebensmittel gelagert werden, umso schneller verderben sie. Bei Zimmertemperatur (15 bis 20 Grad Celsius) lagern lange haltbare Lebensmittel wie Mehl, Reis, Nudeln, getrocknete Hülsenfrüchte wie Erbsen und Konserven am besten. Aber auch die Luftfeuchtigkeit bei der Lagerung spielt eine Rolle, genau wie der Schutz vor Sauerstoff. Ideal ist daher eine trockene, luftige, dunkle Speisekammer oder ein trockener Keller.
Diese Bedingungen sind insbesondere für größere Mengen nicht immer gegeben. Dann ist es wichtig, Lebensmittel in Papier- oder Folienverpackungen (wie Mehl oder Nudeln) in dicht verschließenden Behältern aus Glas, Metall oder Kunststoff zu lagern. Damit wird auch der Schutz vor Schädlingen sichergestellt. Sind diese Behälter durchsichtig, erleichtert das einen guten Überblick über den Vorrat.
Weitere Orte wie Balkon, Autokofferraum oder Dachboden sind weniger zur Lagerung geeignet. Im Sommer mindert sowohl die Temperatur, als auch die Sonneneinstrahlung die Haltbarkeit der Lebensmittel. Wasserflaschen aus Kunststoff sollten immer geschützt vor Sonnenlicht aufbewahrt werden, da sonst unerwünschte Stoffe aus der Verpackung in das Wasser übergehen können. Im kälteren Herbst oder in milden Winter können diese Orte ggf. eine Option sein. Verpackungen aus Glas können bei besonders kalter Witterung allerdings platzen.
Ergänzend zu haltbaren Lebensmitteln kann ein Vorrat auch aus frischeren Lebensmitteln bestehen, die gekühlt gelagert werden müssen. Diese sollten idealerweise zuerst gegessen und getrunken werden.
Wie lange sind die Lebensmittel haltbar?
Das Lebensmittel-Lexikon der Initiative “Zur gut für die Tonne” informiert von A wie Apfel bis Z wie Zucker, wie Lebensmittel gelagert werden können. Außerdem gibt es Tipps zur Haltbarkeit von Lebensmitteln und liefert einfach praktische Ratschläge, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden.
Informationen des BZfE rund um die Lagerung von Lebensmitteln
Wieviel kostet das Anlegen eines Vorrates?
Die durchschnittlichen Kosten für die Anschaffung eines 10-tägigen Vorrats betragen knapp über 90 Euro pro Person. Je nach Lebensmittel- und Produktwahl variiert der Betrag. Durch das schrittweise Anlegen können die finanziellen Ausgaben über einen Zeitraum gestreckt werden. Auch das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung belastet das Budget nicht zusätzlich.
Links rund um die Ernährungsvorsorge:
- Das Portal ernaehrungsvorsorge.de des BMLEH soll interessierten Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu Informationen zur Ernährungsvorsorge erleichtern sowie über Aufgaben, Zuständigkeiten und staatliche Tätigkeiten in diesem Bereich informieren.
- Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat umfassendes Material zur Krisenvorsorge.
- Fit für den Notfall: Informationen der Verbraucherzentrale-Sachsen
- Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) nimmt im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) vielfältige Aufgaben im Bereich der Ernährungsnotfallvorsorge (ENV) wahr.
