„Clusterfeeding“ – Stillen nach Bedarf

Abendliches Dauerstillen ist nur eine Phase

Eine junge Frau sitzt zuhause im Bett und stillt einen Säugling. © Pixel-Shot – stock.adobe.com

(BZfE) – Wenn das Baby plötzlich stündlich oder halbstündlich an der Brust trinken möchte, verunsichert das viele Eltern. Dabei ist es völlig normal, dass ein Baby phasenweise mehr Hunger hat und häufiger gestillt werden möchte. Das sogenannte „Clusterfeeding“ regt die Milchbildung an und ist ein natürlicher Teil des Milchbildungsprozesses. Die Sorge, dass das Baby nicht satt wird, ist meist unbegründet. 

Stillen ist sehr individuell und jedes Mutter-Kind-Paar hat seinen eigenen bedarfsgerechten Rhythmus. Still-Empfehlungen wie „x-mal in 24 Stunden“ oder „alle x Stunden“ sind nicht hilfreich. Gestillt wird am besten nach Bedarf: Möchte das Baby öfter gestillt werden, wird es entsprechend häufiger angelegt. Die Milchmenge passt sich dadurch „automatisch“ an den Bedarf des Babys an. 

Fakten und Tipps zum Clusterfeeding:

  • Stillen nach Bedarf: Wenn das Baby Hunger hat, kann es gestillt werden – auch wenn die Zeitabstände zwischen den Mahlzeiten phasenweise kurz sind. Clusterfeeding tritt überwiegend abends auf, oft in den ersten Lebenswochen des Babys, meist bei Wachstumsschüben. Erstmals kann es zwischen dem zweiten und vierten Lebenstag vorkommen. Nachdem das Baby tagsüber lange friedlich geschlafen hat, möchte es am Abend oder nachts plötzlich im Halbstundentakt gestillt werden. Hiervon sollte sich die Mutter nicht verunsichern lassen.
  • Die Milchmenge passt sich an: In der gesamten Stillzeit passt sich die Milchmenge dem Bedarf des Babys an. Anfangs ist sein Magen nur kirschgroß und fasst nur wenige Milliliter Milch. Nach vier Wochen ist er etwa so groß wie ein Hühnerei und fasst entsprechend mehr Milch. Durch häufiges Anlegen wird die Milchbildung angeregt und das Baby bekommt die passende Menge.
  • Das Baby wird satt: Saugt das Baby kräftig, schluckt hörbar und wird nach Bedarf angelegt, wird es in der Regel auch satt. Zufüttern mit Flaschennahrung führt ohne milchsteigernde Maßnahmen wie das zusätzliche Abpumpen letztendlich zu einer geringeren Milchproduktion.
  • Hungerzeichen erkennen: Typische Signale sind Unruhe und das Bewegen von Armen, Beinen oder Kopf. Das Baby führt die Hände zum Mund, leckt an den Lippen, öffnet suchend den Mund, streckt die Zunge heraus oder saugt an den Fingern. Dann wird es Zeit, es anzulegen.
  • Entlastung hilft: Die Still-Marathon-Phasen sind anstrengend für Mutter und Kind. Jede Entlastung zählt: Hilfe im Haushalt ebenso wie Kleinigkeiten wie ein Glas Wasser reichen oder ein Kissen für eine entspannte Stillposition zurechtrücken. Partner und Partnerinnen und die Familie können unterstützen und die Mutter in ihrem Stillwunsch bestärken.

Hebammen und andere kompetente Fachkräfte wie ausgebildete Stillberaterinnen können Müttern zur Seite stehen, sie bereits in der Schwangerschaft über das Stillen und Aspekte wie richtiges Anlegen, Hungersignale und Stillhäufigkeit aufklären und damit ihr Selbstvertrauen stärken.

bzfe.de

Weitere Informationen:

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