Fleisch und Fisch aus dem Bioreaktor

Eine Alternative zu Fleisch von Schlachttieren?

Ein Mann mit Laborkittel und Schutzbrille hebt mit einer Pinzette ein Stück Fleisch aus einer Petrischale und betrachtet es. © Synthex – stock.adobe.com

(BZfE) – In der Fleischerzeugung der Zukunft könnte es aussehen wie in einer modernen Brauerei: Anstelle von Nutztieren reihen sich Edelstahlbehälter aneinander – sogenannte Bioreaktoren. Sie ersetzen praktisch den tierischen Körper. In ihnen werden tierische Zellen zu Fleisch vermehrt. Dazu müssen den Tieren Stammzellen entnommen werden. Allerdings muss dabei kein Tier sterben.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) bietet auf seiner neuen Webseite „Fleisch und Fisch aus dem Bioreaktor“ fundierte Hintergrundinformationen zu diesem Thema. Die Seite beleuchtet, wie zellbasierte tierische Produkte hergestellt werden, welche möglichen Vorteile sie bieten und welche Herausforderungen noch vor einer Markteinführung liegen. 

Dass Lebensmittel auf Basis von tierischen Zellen in naher Zukunft – auch in Europa – auf den Markt kommen, ist nach aktuellem Stand wahrscheinlich. Vorher müssen jedoch verschiedene Hürden überwunden werden, die einen Markteintritt derzeit noch schwierig machen. Neben der langwierigen Zulassung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt es technische Herausforderungen. Viele Unternehmen arbeiten noch unter Laborbedingungen mit sehr kleinen Bioreaktoren oder ersten Pilotanlagen. Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten, ist so nicht möglich. Um nicht nur einzelne Restaurants, sondern auch Supermärkte beliefern zu können, müssten die Produkte in viel größerem Maßstab hergestellt werden. Solche Produktionsanlagen sind jedoch noch in der Entwicklung.

Eine weitere Hürde: Auch Verbraucherinnen und Verbraucher sind noch nicht überzeugt von Produkten aus dem Bioreaktor. In den vergangenen Jahren haben Akzeptanzstudien aus verschiedenen Ländern gezeigt, dass es als „unnatürlich“ und als „weniger gut für die Gesundheit“ angesehen wird. Dr. Ramona Weinrich von der Universität Hohenheim sagt dazu im Interview mit dem BZfE: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher stehen lebensmitteltechnologischen Herstellungsverfahren skeptisch gegenüber. Diese Skepsis gilt es durch Aufklärung zu überwinden, um eine Akzeptanz auf breiter Basis zu erreichen.” Ob alleine Information hierzu beitragen kann, bleibt erstmal ungewiss. Die neue BZfE-Seite liefert das notwendige Wissen zur persönlichen Meinungsbildung, um Vorteile, Chancen und Risiken von zellbasierten tierischen Produkten einzuordnen. 

bzfe.de

Weitere Informationen:

BZfE: Fleisch und Fisch aus dem Bioreaktor – sind zellbasierte tierische Produkte eine Alternative zu Fleisch von Schlachttieren?

BZL: Fleisch aus dem Labor – Ein Markt der Zukunft?

Verbraucherzentrale Hamburg: Laborfleisch, In-vitro-Fleisch, Clean Meat – Fleisch der Zukunft?