- In Deutschland wird Raps überwiegend in industriellen Ölmühlen zu raffiniertem Rapsöl verarbeitet.
- Kleinere regionale Ölmühlen stellen hauptsächlich kaltgepresstes Rapsöl her.
- Rapskuchen und -extraktionsschrote aus der Rapsölherstellung sind wertvolle Nebenprodukte für die Ernährung von Tier und Mensch.
- Da es nicht genügend heimische Rapssaat aus ökologischem Anbau gibt, wird raffiniertes Bio-Rapsöl meist aus EU-Raps gepresst.
- Kleinere Ölmühlen, die Rapssaat aus der Region verarbeiten, sind oft bio-zertifiziert.
Ölmühlen in Deutschland
In Deutschland wird Raps überwiegend in industriellen Ölmühlen verarbeitet. Durch Übernahmen und Fusionen hat sich die Verarbeitung von Ölsaaten in Deutschland stark konzentriert. Dabei haben einige wenige der insgesamt rund 50 Unternehmen sehr große Marktanteile. Ein Großteil der Ölsaaten wird in Norddeutschland verarbeitet. Das erklärt sich zum einen durch die dort vorhandenen Wasserwege für den An- und Abtransport. Zum anderen gibt es im Norden Deutschlands große Viehbestände und somit einen hohen Bedarf an Rapsschrot und Rapskuchen. Beide Nebenprodukte fallen bei der Rapsölpressung an und sind eine wertvolle Eiweißkomponente im Futter für Rinder und Schweine.
Während in den großen Ölmühlen überwiegend raffiniertes Rapsöl hergestellt wird, erzeugen kleinere regionale Ölmühlen hauptsächlich kaltgepresstes Rapsöl.
Wirtschaftsfaktor Raps
Raps ist die vierthäufigste Anbaukultur in Deutschland. Im Jahr 2024 wurden rund 4 Millionen Tonnen Rapssaat geerntet. Zusammen mit importiertem Raps wurden daraus insgesamt 4,3 Millionen Tonnen Rapsöl gepresst. Die Wirtschaftlichkeit der Rapsölherstellung wird wesentlich vom Rapsschrot mitbestimmt. Denn die Gewinnspannen der Ölmühlen hängen stark vom Verkauf dieses Nebenprodukts auf dem Futtermittelmarkt ab.
Herstellung von Rapsöl
Der größte Teil des in Deutschland produzierten und verwendeten Rapsöls ist das geschmacksneutrale Raffinat. Dessen Herstellung lässt sich in vier Arbeitsschritte gliedern:
Die Rapssaat wird gereinigt und für eine bessere Ölausbeute zerkleinert. Zusätzlich wird sie leicht erwärmt, damit das in der Saat enthaltene Öl dünnflüssiger wird und sich besser auspressen lässt.
Der erste Teil des Öls wird mechanisch mit Hilfe von Schneckenpressen gewonnen. Damit lässt sich jedoch nicht das gesamte Öl gewinnen, das in der Saat enthalten ist.
Der sogenannte Presskuchen enthält noch etwa sechs bis zwölf Prozent Rapsöl. In einem zweiten Verarbeitungsschritt wird dieser weiter in einem Extrakteur entölt, bis er nur noch einen Restölgehalt von ein bis zwei Prozent hat.
Anschließend wird in mehreren Arbeitsschritten ein Großteil der Geruchs-, Geschmacks- und Farbstoffe aus dem Öl entfernt. Dadurch hat das Rapsöl nicht nur einen neutralen Geschmack, sondern ist auch länger lagerfähig und stärker erhitzbar.
© OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V.
Ablauf der industriellen Ölsaatenverarbeitung
© OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V.
Kaltgepresstes Rapsöl
Wie der Name schon sagt, werden kaltgepresste Öle ohne äußere Wärmezufuhr hergestellt. Dennoch entstehen durch Pressung und Druck Temperaturen um die 40 Grad Celsius. Da anschließend lediglich noch eine Filtration erfolgt, gelten diese Öle als weitestgehend naturbelassen und werden auch als „nativ“ bezeichnet.
Kaltgepresstes beziehungsweise natives Rapsöl enthält wertvolle fettlösliche Nährstoffe wie Vitamin E und Carotinoide, außerdem sekundäre Pflanzenstoffe.
Wertvolle Nebenprodukte für Tier und Mensch
Rapskuchen und Extraktionsschrote sind natürliche Nebenprodukte aus der Rapsölherstellung. Sie werden heute schon als eine nachhaltige und gentechnikfreie Alternative zu importierten Eiweißfuttermitteln wie Soja eingesetzt. Grundsätzlich sind sie essbar und auch genießbar, sofern es gelingt, den durch den hohen Gehalt an Glucosinolaten verursachten unangenehm bitteren Geschmack zu entfernen. Eine Möglichkeit zur Reduzierung der Bitterkeit ist die Fermentation, bei der Mikroorganismen einen Teil der Glucosinolate abbauen. Im April 2025 erhielt beispielsweise ein dänisches Unternehmen von der EU-Kommission eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung für fermentierten Rapspresskuchen als Lebensmittelzutat. Dieser könnte beispielsweise eine eiweißreiche Zutat für Brot und Backwaren, pflanzliche Fleischalternativen oder Aufstriche sein.
Rapsöl aus Deutschland
Damit die großen Ölmühlen wirtschaftlich arbeiten können, ist eine möglichst kontinuierliche Auslastung wichtig. Daher wird heimische Rapssaat häufig zusammen mit Importware verarbeitet, sodass die Herkunft der Rohstoffe im Endprodukt Rapsöl für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr eindeutig nachvollziehbar ist. Anders ist das zum Beispiel beim heimischen Vertragsanbau für bestimmte Hersteller, die ihre Produkte gezielt mit Angaben wie „zu 100 % aus deutschem Raps“ vertreiben.
Da es für die Gesamtnachfrage nicht genügend heimische Rapssaat aus ökologischem Anbau gibt, wird raffiniertes Bio-Rapsöl meist aus EU-Raps gepresst.
Nur ein Teil des Rapsöls wird direkt in den Ölmühlen in Flaschen abgefüllt. Meist geht das raffinierte Rapsöl von dort an Unternehmen, die Speiseöle für den Einzelhandel abfüllen.
Kaltgepresstes Rapsöl kommt häufig aus kleineren Ölmühlen, die Rapssaat sogar möglichst aus der Region verarbeiten. In vielen Fällen sind die Produkte bio-zertifiziert. Ein Blick aufs Etikett gibt genauere Auskunft zur Einordnung der Produktherkunft und -kategorie.
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