Rapsöl: Von der Ernte in den Handel

In Ölmühlen wird das wertvolle Speiseöl aus der Rapssaat gepresst

Blühender Raps in einer Vase und drei verschiedene Rapsölflaschen stehen in einer Reihe.   © dianaduda – stock.adobe.com
  • In Deutschland werden Rapssaaten überwiegend in industriellen Ölmühlen zu raffiniertem Rapsöl verarbeitet.
  • Kleinere regionale Ölmühlen stellen hauptsächlich kaltgepresstes oder natives Rapsöl her.
  • Rapskuchen und -extraktionsschrote aus der Rapsölherstellung sind wertvolle Nebenprodukte für die Ernährung von Tier und Mensch.
  • Da es nicht genügend heimische Rapssaaten aus ökologischem Anbau gibt, wird raffiniertes Bio-Rapsöl meist aus EU-Raps gepresst.
  • Kleinere Ölmühlen verarbeiten häufig Rapssaaten aus der Region, reine Bio-Betriebe sind selten.

Ölmühlen in Deutschland

In Deutschland werden Rapssaaten überwiegend in industriellen Ölmühlen verarbeitet. Durch Übernahmen und Fusionen hat sich die Verarbeitung von Ölsaaten in Deutschland stark konzentriert. Dabei haben einige wenige der insgesamt rund 50 Unternehmen sehr große Marktanteile. Ein Großteil der Ölsaaten wird in Norddeutschland verarbeitet. Das erklärt sich zum einen durch die dort vorhandenen Wasserwege für den An- und Abtransport. Zum anderen gibt es im Norden Deutschlands große Viehbestände und somit einen hohen Bedarf an Rapsschrot und Rapskuchen. Beide Nebenprodukte fallen bei der Rapssaatenverarbeitung an und sind eine wertvolle Eiweißkomponente im Futter für Rinder und Schweine.

Während in den großen Ölmühlen überwiegend raffiniertes Rapsöl hergestellt wird, erzeugen kleinere regionale Ölmühlen hauptsächlich kaltgepresstes Rapsöl. 

Wirtschaftsfaktor Raps

Raps ist die vierthäufigste Anbaukultur in Deutschland. Im Jahr 2025 wurden rund 4 Millionen Tonnen Rapssaaten geerntet. Zusammen mit importierten Rapssaaten wurden daraus insgesamt 4,1 Millionen Tonnen Rapsöl gepresst. Die Wirtschaftlichkeit der Rapsölherstellung wird wesentlich vom Rapsschrot mitbestimmt. Denn die Gewinnspannen der Ölmühlen hängen stark vom Verkauf dieses Nebenprodukts auf dem Futtermittelmarkt ab.

Herstellung von Rapsöl

Der größte Teil des in Deutschland produzierten und verwendeten Rapsöls ist das geschmacksneutrale Raffinat. Dessen Herstellung lässt sich in vier Arbeitsschritte gliedern: 

Ablauf der industriellen Ölsaatenverarbeitung

Kaltgepresstes Rapsöl

Wie der Name schon sagt, werden kaltgepresste Öle ohne Vorwärmung der Saaten ausschließlich durch mechanische Verfahren gewonnen. Wenn anschließend beispielsweise nur noch eine Filtration erfolgt, gelten diese Öle als weitestgehend naturbelassen und werden auch als „nativ“ bezeichnet. Bei allen anderen kaltgepressten Ölen dürfen bestimmte Vor- oder Nachbehandlungen wie Rösten der Rapssaaten oder schonendes Dämpfen des Rapsöls (Wasserdampfwäsche) vorgenommen werden. Welche das sind, steht in den Leitsätzen für Speisefette und Speiseöle der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission.

Merksatz: Natives Rapsöl ist immer kaltgepresst, aber kaltgepresstes Rapsöl ist nicht immer nativ.

Kaltgepresstes Rapsöl enthält wertvolle fettlösliche Nährstoffe wie Vitamin E und Carotinoide, außerdem geringe Anteile weiterer sekundärer Pflanzenstoffe wie Polyphenole. 

Wertvolle Nebenprodukte für Tier und Mensch

Rapskuchen und Extraktionsschrote sind natürliche Nebenprodukte aus der Rapsölherstellung. Sie werden heute schon als eine nachhaltige und gentechnikfreie Alternative zu importierten Eiweißfuttermitteln wie Soja eingesetzt. Grundsätzlich sind sie essbar und auch genießbar, sofern es gelingt, den durch den verbliebenen Gehalt an Glucosinolaten verursachten unangenehm bitteren Geschmack zu entfernen. Eine Möglichkeit zur Reduzierung der Bitterkeit ist die Fermentation, bei der Mikroorganismen einen Teil der Glucosinolate abbauen. Im April 2025 erhielt beispielsweise ein dänisches Unternehmen von der EU-Kommission eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung für fermentierten Rapspresskuchen als Lebensmittelzutat. Dieser könnte beispielsweise eine eiweißreiche Zutat für Brot und Backwaren, pflanzliche Fleischalternativen oder Aufstriche sein.

Rapsöl aus Deutschland

Damit die großen Ölmühlen wirtschaftlich arbeiten können, ist eine kontinuierliche Auslastung wichtig. Daher werden heimische Rapssaaten häufig zusammen mit Importware verarbeitet, sodass die Herkunft der Rohstoffe im Endprodukt Rapsöl für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr eindeutig nachvollziehbar ist. Anders ist das zum Beispiel beim heimischen Vertragsanbau für bestimmte Hersteller, die ihre Produkte gezielt mit Angaben wie „zu 100 % aus deutschem Raps“ vertreiben. 

Da es für die Gesamtnachfrage nicht genügend heimische Rapssaaten aus ökologischem Anbau gibt, wird raffiniertes Bio-Rapsöl meist aus EU-Raps gepresst. 

Nur ein Teil des Rapsöls wird direkt in den Ölmühlen in Flaschen abgefüllt. Der andere Teil des raffinierten Rapsöls geht an Unternehmen, die Speiseöle für den Einzelhandel abfüllen.

Kaltgepresstes Rapsöl kommt häufig aus kleineren Ölmühlen, die Rapssaaten sogar möglichst aus der Region verarbeiten. In vielen Fällen sind die Produkte bio-zertifiziert. Ein Blick aufs Etikett gibt genauere Auskunft zur Einordnung der Produktherkunft und -kategorie.

 


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