Textversion Audio "Foodsteps" – Folge 7

Von Kängurus und tanzenden Hühnern

Podcaster unterhält sich mit einem Ehepaar © BLE

"Foodsteps" Folge 7: Von Kängurus und tanzenden Hühnern

Bettina Drewes:

Dann kam mir das irgendwie, irgendwas mit Hühnern. Das haben wir im Vordergrund, das müssen wir jetzt irgendwie noch hervorheben. Und irgendwie bin ich auf diese Wette gekommen.

Carsten Drewes:

Wir haben hier gesessen, hauptsächlich Bettina und ich. Vielleicht waren unsere Kinder noch dabei und der Lehrling, aber wir haben überlegt, wie machen wir dieses Fest interessant und wie kriegen wir möglichst viele Leute auf unseren Hof an dem Tag. Und Bettina ist so ein Mensch, der sprudelt vor Ideen. Und ich muss dann immer filtern, was Umsetzbarkeit angeht. Also es ist eindeutig auf ihrem Mist gewachsen.

Bettina Drewes:

Man hat noch überlegt, wie hoch setzt man die Zahl. Eine meinte, ja, 100. Reicht das nicht, wenn wir 100 zusammenkriegen. Und ich habe dann gesagt, nee, 250, die will ich schon sehen.

Carsten Drewes:

Und am Ende ist dann so gewesen, dass wir beim Maibaumaufstellen, hier auf dem Dorfplatz gestanden haben.

Bettina Drewes:

Und bevor dieser Maibaum fertig bestückt war und bevor er hochgezogen worden ist, ist mein Mann aufgesprungen auf einen Baumstamm und hat die Herausforderung, also die Wette, gestellt.

Carsten Drewes:

Bettina und ich wetten gegen die Dorfgemeinschaft Baven, dass sie es nicht schafft, am Tag des offenen Hofes am 19. Juni um 15:00 Uhr 250 als Huhn, Hahn oder Hähnchen verkleidete Leute auf die Bühne zu bringen, die den Ententanz tanzen.

Bettina Drewes:

Erstmal war Ruhe. Die mussten erst mal irgendwie nachdenken, was da passiert ist. Aber es war schnell klar, dass nehmen wir an. Das kriegen wir hin.

Sebastian H. Schroeder:

Und wie diese Wette ausgegangen ist, das hören wir heute. Wir erfahren aber auch, was das mit Landwirtschaft, Nahversorgung und dem Leben in einem Dorf zu tun hat. Familie Drewes betreibt Landwirtschaft in dritter Generation. Die beiden haben ihren Hof in den vergangenen 25 Jahren vollständig umgekrempelt. Wo früher die Schweine grunzten, steht heute ein hochmoderner Hofladen mit selbst produzierten Lebensmitteln. Ich möchte wissen, warum haben sie das gemacht? Warum sind sie ein derart großes wirtschaftliches Risiko eingegangen? Grund genug für mich, mal dorthin zu fahren und mir diese Geschichte anzuhören. 

Herzlich willkommen zur zweiten Staffel von Foodsteps: Nachhaltigkeitsstorys aus dem Bundeszentrum für Ernährung. Mein Name ist Sebastian H. Schroeder, und dieser Podcast ist produziert von Subtext Stories. Folge 7: Von Kängurus und tanzenden Hühnern. 

Baven-Hermannsburg, ein Dorf zwischen Lüneburg und Hannover, irgendwo in der Lüneburger Heide. Man muss schon genau wissen, wo man hinmöchte, denn wenn man blind die Adresse in sein Navi eingibt, dann kann es passieren, dass man ein paar Orte weiterlandet. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Endlich angekommen stehe ich auf dem Parkplatz zwischen zwei großen Gebäuden. Links von mir so ein ziemlich schicker, ganz neu gebauter Hofladen. Auf der rechten Seite liegt ein Fachwerkhaus. 1784 steht auf einem Balken. Davor ein Tiergehege mit zwei Kängurus.

Carsten Drewes:

Die laufen da vorne direkt noch vorm Hofladen schon. Die haben ihr festes Gehege vorm Hof. Und bei den beiden Kängurus sind auch noch sechs Puten, also vier weibliche Puten und zwei Hähne.

Sebastian H. Schroeder:

Carsten und Bettina Drewes zeigen mir ihren Hof. Carsten lebt hier in dritter Generation. Seine Großmutter kam 1936 hierher, mit fast nichts. Als er rund um die Jahrtausendwende dann den Hof von seinen Eltern übernommen hat, hatten die knapp 90 Hektar. Und heute ist es nochmal mehr als doppelt so viel. Bettina, seine Frau, kommt ursprünglich aus dem Nachbarkreis Bergen, rund 11 Kilometer entfernt. Sie arbeitet hier mit, seitdem sich die beiden mit 14 und 16 Jahren kennengelernt haben. Also wortwörtlich seit dem ersten Date.

Bettina Drewes:

Und dann kam ich halt hier mit meinen Inlinern am Hoftor an und da hatte Carsten mich schon begrüßt und aber irgendwie gesagt, Du, wir müssen heute noch Kartoffel roden. Ich habe eigentlich gar keine Zeit für dich. Ich so, naja, okay, dann gehe ich mit auf den Kartoffelroder. Wenn ich jetzt zurück nach Hause fahre, muss ich auch auf den Roder. Also von daher, also das war so der erste Tag hier.

Carsten Drewes:

Vor allem stand ich nicht mit auf dem Roder. Ich habe die Kartoffeln abgefahren. Ich habe sie also immer nur mal von Weitem gesehen.

Sebastian H. Schroeder:

Ihr wolltet eigentlich Zeit miteinander verbringen.

Carsten Drewes:

Wir haben dann schon Kaffee getrunken hinterher und sowas. Das war alles in Ordnung.

Bettina Drewes:

Aber nicht in Zweisamkeit. Gleich mittendrin.

Carsten Drewes:

Du wusstest gleich wo es lang geht.

Bettina Drewes:

Ja, genau.

Sebastian H. Schroeder:

Ja, und tatsächlich, wo es lang geht, das wissen die beiden bis heute. Wir sind wieder am Känguru-Gehege. Das Weibchen trägt gerade das erste Mal ein Junges aus. Aber gesehen hat es noch keiner.

Carsten Drewes:

Guck mal, jetzt siehst du auch, dass sich im Beutel was bewegt. Bei dem Känguru, was hier weiter zu uns ist, da bewegt sich unten der Beutel. Wir werden nicht sehen, dass es rausguckt heute. Dazu muss es richtig ruhig sein, dazu ist es so unruhig heute.

Sebastian H. Schroeder:

Die Kängurus leben erst seit vergangenem Jahr auf dem Hof. Ihr Sohn Maarten, der später auch mal den Hof übernehmen möchte, hat seine Eltern dafür begeistert. Er kam nach acht Monaten in Australien zurück mit der Idee, dass Kängurus hier auch gut fürs Marketing sein könnten. Genau wie Hängebauchschweine, die Heidschnucken, Ziegen. Eben Tiere, die Leute anziehen, die dann länger bleiben. Und vielleicht irgendwann dann auch in den Hofladen gehen. 

Carsten Drewes:

Weil das ist eigentlich eine richtig große Hauptattraktion hier. 

Sebastian H. Schroeder:

Ja, also er meint die Kängurus, nicht den Hofladen. Und dann, ganz plötzlich, passiert etwas Unerwartetes.

Bettina Drewes:

Ja, da guckt da jetzt was raus. Es guckt. Ach, Quatsch.

Carsten Drewes:

Guck. Ach, geil. Das sehe ich auch das erste Mal. Ach, wie toll. Das Kleine guckt raus.

Bettina Drewes:

Ist auch für uns das erste Mal jetzt, dass wir es sehen.

Carsten Drewes:

Ja, jetzt können wir es nochmal richtig.

Bettina Drewes:

Das ist ja süß.

Carsten Drewes:

Oh, das ist schon der Kopf.

Bettina Drewes:

Ja.

Carsten Drewes:

Voll süß.

Sebastian H. Schroeder:

So, aber natürlich bin ich nicht hier, um Kängurus anzuschauen, sondern um über die Besonderheit dieses Hofes zu sprechen. Beziehungsweise herauszufinden, was es mit dieser Hühnerwette vom Anfang auf sich hat. Aber was soll ich sagen? Das Känguru-Marketing, das hat schon mal geklappt, so für den Anfang. Dieser Hof sieht heute nicht so aus, wie er mal aussah. Carsten hat ihn 1999 übernommen. Mit 23 Jahren. Und seine erste Entscheidung war radikal.

Carsten Drewes:

Als ich dann nach Hause kam, praktisch nach der Schule, war das Erste, was ich zu meinen Eltern sagte, wir müssen die Kühe rausschmeißen. Das geht nicht mehr. Das ist zu viel Arbeit, wir arbeiten uns kaputt, die Arbeit ist körperlich zu anstrengend und es rechnet sich auch nicht.

Sebastian H. Schroeder:

Die Kühe waren damals das Herzstück des Hofes. Aber in der Landwirtschaftsschule hatte Carsten eben durchgerechnet und die Rechnung war eindeutig: zu viel Arbeit, zu wenig Ertrag, kein Spielraum zum Wachsen. Seine Eltern waren zu der Zeit damit beschäftigt, die bettlägerige Oma zu pflegen. Dazu hatte sein Vater auch gesundheitliche Beschwerden. Und in der Folge hatte Carsten eben schon mit 23 Jahren komplett freie Hand. Also hat er entschieden: Kühe raus, mehr Kartoffeln und mehr Schweine. Das sei wirtschaftlicher.

Carsten Drewes:

Wir haben dann noch ein paar Tiere behalten, aber die Milchquote wurde verkauft damals und wir haben aufgehört zu melken. Und haben dann unsere Tiere noch über einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr vermarktet. Aber dann war Schluss mit Rindvieh und dann musste ja irgendwas anderes gemacht werden. Und das war dann mehr Schweine und mehr Kartoffeln.

Sebastian H. Schroeder:

Die Schweine sollten das neue Standbein werden. Und das waren sie auch, über Jahre hinweg. Knapp ein Drittel des gesamten Umsatzes kam von den Schweinen. 

Carsten Drewes:

Ja, die Schweine sind bis 2008 geblieben. Das Dumme war...

Sebastian H. Schroeder:

Carsten hatte nie so einen richtig guten Draht zu den Tieren. Für ihn waren sie immer eher so eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Dazu kam, dass er zunehmend den Eindruck gewann, er und eigentlich seine ganze Familie seien vielleicht nicht für die Schweinehaltung gemacht. Also seien vielleicht auch gesundheitlich besonders anfällig.

Carsten Drewes:

Ich habe immer Probleme mit der Atemluft gehabt. Das hatte ich auch vorher schon. Auf meinen Lehrhöfen, auf dem ersten Lehrhof zum Beispiel, brauchte ich nicht in den Schweinestall, weil ich immer tatsächlich so dieses Gefühl hatte, ähh, du kriegst ja nicht richtig Luft. Und wir hatten zwei kleine Kinder, drei kleine Kinder. Unser zweites Kind, Maarten, hatte damals Probleme mit einer Lungenentzündung. Mein Vater hatte Probleme mit der Lungenentzündung. Ich hatte Probleme mit Nasennebenhöhlen-Entzündungen und unsere Schweine hatten auf den Schlachtprotokollen immer hohe Werte bei den Lungenentzündungen. Und da war dann schon so, oh, irgendwie passt das hier alles nicht, was wir hier machen.

Sebastian H. Schroeder:

Und dann kam ein Morgen, an dem vom Schlachter einige Schweine abgeholt werden sollten und Carsten mit Kopfschmerzen zu tun hatte. Denn bei ihm war es nicht nur die Lunge, sondern eben auch der Kopf, der ständig Probleme gemacht hat.

Carsten Drewes:

Ich bin in den Schweinestall rein, und das stank da wie verrückt. Ich habe so einen Kopfschmerz gekriegt, ich bin also nach nicht mal fünf Minuten wieder rausgerannt, hab gesagt, ich kann es nicht. Ich kann heute keine Schweine verladen. Es geht nicht.

Bettina Drewes:

Ja, dadurch, dass Carsten ja immer auch diese Kopfschmerzen hatte und auch so Äußerungen gemacht hatte von wegen, ich habe solche Schmerzen, ich könnte vor Schmerz in Holz beißen. Und du auch gesehen hast, was er so für Schmerztabletten auch eingeworfen hat, dass du gedacht hast, boah, nee, das kann es doch irgendwie nicht sein, oder steckt noch was anderes. Also es waren auch Ängste. Also habe ich das dann noch übernommen, aber man kommt ja auch an seine Grenzen. Lotte war noch klein. Wir hatten damals Erdbeeren, also noch Erdbeerpflücken, dann die Direktvermarktung, dann Wochenmarkt. Also das war auch wirklich so ein Hamsterrad. Und du siehst deinen Mann dort, ja, mit Schmerzen. Da kriegt man auch Angst. Und da habe ich kurzerhand gesagt, es ist Schluss. Es muss jetzt sein. 

Alles, alle Schweine weg. Ich bin einfach zum Lkw-Fahrer gegangen, weil er musste mir ja auch helfen, weil ich kriege die da ja gar nicht allein aus diesen Boxen raus, und habe nur gefragt, ob der LKW leer ist, weil sie ja manchmal auch von verschiedenen Betrieben die Schweine einsammeln. Er hat gesagt, ja wieso? Alles raus. Du nimmst jetzt alle Schweine mit. Und da hat er mich wirklich nur angeguckt. Wirklich so, als ob ich, sag ich mal, irgendwie hier keinen Überblick habe. Er sagte, sie sind doch noch gar nicht dick, also noch nicht mastfertig. Und da habe ich gesagt, egal. Alles, Du nimmt jetzt alle Schweine mit. Das ist das letzte Mal!

Carsten Drewes:

Ich war reingegangen, ich hatte dann schon geduscht und hatte mich sogar aufs Sofa gelegt oder Frühstück gegessen oder was.

Bettina Drewes:

Und als dieser LKW vom Hof fuhr, da habe ich echt gedacht, was hast du jetzt gemacht? Du hast einen ganzen Betriebszweig gecancelt gerade. Ohne Rücksprache mit deinem Mann. Du musst jetzt irgendwie ins Haus rein, erstmal gucken, wie es allen geht, und dann musst du ihm das irgendwie, ich will nicht sagen schonend beibringen, aber du musst ihm ja sagen, dass du gerade, was du gerade getan hast.

Carsten Drewes:

Und irgendwann kam Bettina rein, roch natürlich auch nach Schwein, und sagte dann, sie sind alle weg. Ich habe sie alle weggejagt. So! Ich glaube, ich habe gesagt, gut. Also ich weiß nicht, sie ist dann ja auch duschen gegangen. Ich glaube nicht, dass wir uns so lange drüber unterhalten haben.

Sebastian H. Schroeder:

Was ich sehr erstaunlich finde. Denn als ich mit ihnen so darüber rede, kommen bei beiden die Emotionen durch. Selbst der sonst so sachliche Carsten hat für einen Moment glasige Augen. 

Carsten Drewes:

Nee, das hat mich schon mitgenommen. Also weil ich da rein musste, obwohl ich es eigentlich nicht wollte, weil ich mich selbst gezwungen habe, da reinzugehen Das war ja meine bewusste Entscheidung. Ich mache Schweine, weil es wirtschaftlich sinnvoll ist, weil ich das muss. Ich hatte ja vorher eigentlich in der Lehre schon gewusst, Schweine ist nicht mein Ding. Das, klar, ist vielleicht dann aus persönlicher Sicht eher eine Fehlentscheidung gewesen.

Sebastian H. Schroeder:

Eine Entscheidung, die seine Frau Bettina dann für ihn abgeschlossen oder korrigiert hat. Sie hat an dem Morgen eine Entscheidung getroffen, die sie unter normalen Umständen niemals alleine getroffen hätte. Aber Carsten hat sie gelassen und er hat es am Schluss auch gutgeheißen. Das ist, wie die Beiden funktionieren.

Carsten Drewes:

So glaube ich, gehen wir auch miteinander um. Wenn der andere nicht gesundheitlich nicht kann und wir merken, ey, der traut sich jetzt nicht oder schätzt sich jetzt selbst falsch ein, dass wir uns dann gegenseitig sagen: Hey, ich pass jetzt auf dich auf. Ich übernehme jetzt eine Entscheidung, die du nicht treffen kannst. Das ist auch in Ordnung.

Sebastian H. Schroeder:

Und genau das sollte noch einmal wichtig werden, aber dazu später. Tatsächlich fühlte sich die Familie mit dem Abgeben der Schweine wohler auch Carstens Kopfschmerzen ließen nach. Wie aber nun die Verdienstausfälle kompensieren? Das stellte sich erstaunlicherweise einfacher dar als vermutet. Der Schweinestall stand leer und konnte fortan als neues Kartoffellager dienen. Kartoffeln waren nun doppelt so wichtig als Einkommensquelle. Dazu kam, dass Bettina schon jahrelang Zeit und Muße in eine andere Idee gesteckt hatte, die inzwischen Früchte trug. Als bei der Hofübernahme der alte Kuhstall leer gestanden hatte, hat sie diesen Platz für etwas Neues genutzt.

Bettina Drewes:

Ja, also das war halt so, ich wollte ja immer so mein eigenes Aufgabengebiet auf dem Hof haben, wo ich das Sagen habe oder wo ich meine Kraft reinstecken kann. Also ich wollte nicht nur so ein Mitläufer sein. Also es gab ja hier schon immer diesen Kartoffelwagen mit der Milchkanne. Also Direktvermarktung war schon immer irgendwie auf dem Hof und wir hatten auch schon das Blumenfeld. Dann haben wir mal ausprobiert uns mit den Freilandstichmütterchen oder auch die Kürbisse. Dann war ja dieser Kuhstall frei, dass wir den dann umgebaut haben und dass wir dann auch einen Raum geschaffen haben, wo man uns auch mal so präsentieren kann. Und du musst abends nicht immer alles wegräumen, sondern du drehst den Schlüssel um und es ist Feierabend.

Sebastian H. Schroeder:

Und so entstand der erste Hofladen. Der war zwar noch klein und kaum ausreichend, aber neben dem Wochenmarkt, der Erziehung von damals drei kleinen Kindern und einem Haushalt war das schon eine große Überlastung. Was fehlte, war lediglich die Bestätigung, dass das, was sie tat, auch wirklich etwas war. Die kam 2010 von einer eher unerwarteten Stelle.

2010 hat Carsten noch seine Meisterprüfung gemacht. Zum Abschluss kamen die Prüfer für den praktischen Teil auf den Hof. Die Prüfung lief gut. Er war mit sich und seinem Hof inzwischen im Reinen, sodass er keine Sorgen gehabt hatte, etwas nicht zu bestehen. Da kam dann eine Rückfrage eines der Prüfer recht unerwartet.

Carsten Drewes:

Und dann sagte der eine Prüfer zu mir, ja, jetzt haben wir so viel über den landwirtschaftlichen Teil und über den Pflanzenbau hier geredet, aber Herr Drewes, Sie haben ja noch einen Betriebszweig. Was ist denn das? Ich sage, ja, das ist die Direktvermarktung, Wochenmarkt und Hofladen, was wir machen.

Bettina Drewes:

Da fangen wir mal ein bisschen vorher an. Er hat immer gesagt, meine Frau macht so ein bisschen Direktvermarktung. Die probiert sich da so ein bisschen aus. Und durch diese Meisterschule hatte ich schon einen gehobenen Stellenwert. Ich war schon ein Betriebszweig. Und da habe ich mich natürlich groß gefühlt.

Carsten Drewes:

Er sagt, ja, und Sie haben jetzt Investitionsplanungen gemacht. Im Ackerbau wollen Sie investieren und so. Was ist denn, wie wäre es denn, wenn Sie diesen Betriebswald nochmal weiter machen, forcieren und voranstellen? Wäre da nicht auch was möglich. Und dann sind wir eingestiegen, haben da diskutiert.

Bettina Drewes:

Ja, er ist eigentlich wirklich der Ackerbauer, der Kartoffelbauer. Und ja, er findet das ganz gut mit den Kunden, aber zu Anfang wusste er, würde ich sagen, auch nicht so recht so von wegen, hm, ob das wohl zu uns passt, ob das angenommen wird. Also ich will nicht sagen, dass das belächelt hat, sondern er hat auch unterstützt, aber hat das Ende offengelassen.

Sebastian H. Schroeder:

Aber schlussendlich hat er sich überzeugen lassen.

Carsten Drewes:

Dieser Hinweis von dem Prüfer, da habe ich dann doch hinterher so intensiv drüber überlegt, dass ich sagte, ja, der hat recht, wir müssen beide Betriebszweige, die müssen eigentlich gleich stark werden. Wir müssen beide Betriebszweige weiterentwickeln. Der Betriebszweig Direktvermarktung, da müssen wir uns intensiv Gedanken machen, ob wir da nicht nochmal stärker einsteigen.

Sebastian H. Schroeder:

Und damit ging es los. Von 2010 bis 2014 haben die beiden geplant. Dann haben sie investiert: Neuer Hofladen, neue Kartoffelhalle. Dazu haben sie noch die ganze Hofanlage neu gepflastert, damit es schöner ist für die Kundschaft. Der Umsatzanteil des Hofladens, der davor vielleicht bei einem Viertel lag, wuchs und wuchs.

Bettina Drewes:

Ja, man überlegt ja, was kann man noch machen, was man selber noch produziert.

Sebastian H. Schroeder:

Und 2014 fand Bettina dann einen ersten Artikel in einer Zeitschrift über Mobilställe für Hühner im Freiland. Mobil, weil man die Ställe einfach weiterschieben kann, wenn die Hühner einen Teil des Feldes abgegrast haben.

Bettina Drewes:

Und haben dann überlegt, wie viele Hühner können wir denn halten? Und dann haben wir gesagt: Ja, so 200. Das kommt hin für Wochenmarkt und Hofladen. Und dann haben wir uns einen Stall angeguckt für 350 Hühner. Ich habe gesagt, das ist doch viel zu viel. Nee, wir machen den gleich voll. Und das war wirklich so, genau. Die Kunden haben gesehen, Mensch, die haben Hühner, die laufen draußen rum und auch im Wochenmarkt ging der Eierverkauf auch hoch. Und dann kam schon der zweite nach einem halben Jahr und dann der dritte, genau.

Sebastian H. Schroeder:

Binnen kürzester Zeit hatten die beiden also drei Hühnerställe und damit eine riesige Eierproduktion, die sie im Hofladen, neben allerhand anderer selbst produzierter Waren, verkaufen konnten. Sie haben die Lage im Ort als Chance genutzt, ihre Erzeugnisse stärker regional zu vermarkten. Die offene Art von ihnen hat dabei geholfen, die Fragen der Kundschaft so zu beantworten, dass die sie verstehen konnten. Auch Hintergründe konnten sie erklären und so die Sicht der Landwirte besser verständlich machen.

Carsten Drewes:

Also was man ja bei ganz vielen Berufskollegen auch merkt oder überhaupt merkt, dass ganz viele Betriebe ein Zusatzeinkommen generieren. Und dass wir eigentlich alle gucken müssen, wo kriegen wir noch zusätzlich eine Möglichkeit, was zu verdienen oder tatsächlich unser Einkommen zu gestalten, weil die Betriebe in der Landwirtschaft zu unsicher laufen. Du musst schon genau gucken, wo du noch eine gewisse Sicherheit an Einnahmen hast.

Sebastian H. Schroeder:

Woran liegt das?

Carsten Drewes:

Die Märkte sind deutlich volatiler geworden, das Weltgeschehen ist unruhiger und es gibt diese ganze Marktordnung nicht mehr. Das fing ja an mit der Milchquote zum Beispiel und dadurch wurde ja der Milchpreis relativ hochgehalten. Zuckerrübenquote war sehr sicher, dadurch wurden die Preise hochgehalten und die Intervention ganz früher hat die Getreidepreise hochgestemmt. Vor zwei Jahren hatten wir irgendwo was, Kartoffelpreise bei 30 Euro. Und jetzt dieses Jahr sind sie gerade so bei 5 Euro, oder zum Teil hast du Glück, wenn überhaupt was los wirst. Das sind schon gewaltige Schwankungen und das auszugleichen das ist schon schwierig, das muss man dann irgendwie puffern können. Und für viele Betriebe ist es dann erneuerbare Energie und für unseren Betrieb ist es halt die Direktvermarktung und dass wir am Kunden dran sind.

Sebastian H. Schroeder:

Und um an der Kundschaft dran zu sein, macht Bettina vieles. Nicht weil sie es muss, sondern weil sie Freude daran empfindet. Mit dem großen Umschwung im Jahr 2014 hat sich bei ihr auch noch etwas anderes ergeben. Sie hat eine Fortbildung für Bauernhofpädagogik gemacht.

Bettina Drewes:

Das habe ich jetzt immer beibehalten, den Kindern die Landwirtschaft spielerisch und interessant zu gestalten, dass sie einfach lernen von klein auf. Was macht die Landwirtschaft überhaupt, beziehungsweise wofür ist sie da?

Sebastian H. Schroeder:

Die Kinder kommen in den Schulferien über den Ferienpass der Region zu ihnen. Für einen Vormittag sammeln sie zum Beispiel Eier und lernen, was der Stempel auf dem Ei bedeutet. Und parallel dazu ist natürlich für die Eltern auch der Hofladen geöffnet.

Bettina Drewes:

Und wenn man auch die Kinder in den Bann gezogen hat und sie sagen, wir wollen da unbedingt wieder hin, dann hat man natürlich die Eltern auch mit auf dem Hof.

Sebastian H. Schroeder:

Und es ist natürlich eine gute Gelegenheit, um die heute teils sehr großen Gräben zwischen Produktion und Konsum zu schließen. Hier ist das Ei dann eben nicht nur ein anonymes Ei, sondern das Ei von Huhn Mathilda, Erna oder eben Hildegard. Und so landen wir wieder im Jahr 2018, bei den Hühnern, wo unsere Geschichte begonnen hat. Carsten ist seit einigen Jahren Bezirksvorsitzender im Landvolkverband. Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand ist ihm wichtig. Und ein Hoffest ist beides: Werbung für den eigenen Betrieb und Sichtbarkeit für die Landwirtschaft im Allgemeinen. Carsten und Bettina möchten zeigen, dass es auf verschiedenen Wegen möglich ist, einen gesunden Betrieb zu führen und gute Tierhaltung zu machen, nicht nur als Bio-Betrieb. Sie wirtschaften konventionell.

Carsten Drewes:

Ich sehe da nicht so die große Diskrepanz, Bio und Konventionell. Das hat beides seine Berechtigung. Also eine Schere zwischen Bio und Konventionell will ich möglichst schließen, die will ich nicht haben. Und es gibt bei beiden Vor- und Nachteile. Und ich bin der Meinung, man soll voneinander lernen. Wichtig ist ja, dass du dir wirklich überlegst, was tue ich eigentlich und was ist sinnvoll und natürlich, wo kann ich Geld mitverdienen, aber was ist auch nachhaltig. Wo schädige ich meine Umwelt nicht? Wo finde ich Akzeptanz bei meinen Nachbarn, bei meinen Mitmenschen sozusagen?

Sebastian H. Schroeder:

Und beim Tag des offenen Hofes soll genau das entstehen: Akzeptanz und Verständnis für das, was in der Landwirtschaft läuft. Und weil die Hühnerställe gerade alle noch recht neu sind, möchten Bettina und Carsten in diesem Jahr die Hühner in den Vordergrund stellen und die Mobilställe und die Freilandhaltung zeigen. Und da kam eben Bettinas Kreativität ins Spiel. Sie hatten sich überlegt, so eine Art Rahmenprogramm zu machen. Alle halbe Stunde sollte etwas anderes passieren.

Bettina Drewes:

Ich meine, morgens hat es mit dem Gottesdienst angefangen. Dann war der Wildpark Müden da. Die Volkstanzgruppe, die Jagdhornbläser zum Schluss, und irgendwie hatten wir so ein Zeitfenster, das war nicht belegt. Und irgendwie bin ich auf diese Wette gekommen.

Sebastian H. Schroeder:

Ja, die wurde dann ausgearbeitet und beim Maibaumaufstellen verkündet. Hier nochmal ganz kurz die Bedingungen.

Carsten Drewes:

Bettina und ich wetten gegen die Dorfgemeinschaft Baven, dass sie es nicht schafft, am Tag des offenen Hofes am 19. Juni um 15 Uhr 250 als Huhn, Hahn oder Hähnchen verkleidete Leute auf die Bühne zu bringen, die den Ententanz tanzen.

Sebastian H. Schroeder:

Die Wette war also im Raum. Wetteinsatz war ein neues Spielgerät in Hühnerform für den örtlichen Spielplatz. Und was soll ich sagen? Der Ort war on fire.

Bettina Drewes:

Ja, wir wurden aus sämtlichen Gruppen rausgeschmissen. Wir wurden ignoriert. Wenn man in einen Kreis gekommen ist, waren dann auf einmal die Gespräche...

Carsten Drewes:

Die fand das so geil. Das ging sogar so weit, dass in den Schulklassen in Hermannsburg, ich weiß gar nicht, ob es Sport oder Musik war, aber in einem von den Unterrichten wurde Ententanz geübt.

Bettina Drewes:

Und da ist mir, uns erst bewusst geworden, was wir da so für eine Welle losgetreten haben.

Sebastian H. Schroeder :

Und dann war irgendwann der große Tag da.

Carsten Drewes:

Und als es hier morgens dann losging, ich denke, was ist das denn hier? Da baute jemand ein Zelt auf, das gar nicht eingeplant war, so ein kleines Pavillon-Zelt oder zwei Stück nebeneinander. Ja, waren Leute aus dem Dorf, ich sag, was macht ihr denn da? Ja, wir müssen hier was machen. Und dann haben die in diesem Zelt die Kostüme ausgegeben für die Leute, die noch keins hatten. Und haben das so organisiert, dass eben auch an dem Tag selbst noch Leute angesprochen wurden: Hier, komm mit, wir tanzen heute Ententanz. Wer kein Kostüm hat, der kriegt noch eins. 

Sebastian H. Schroeder:

Und dann ging es los.

Die Menschen haben sich versammelt, die Anlage angeschmissen. Carsten und Bettina standen auf einem Traktor, gemeinsam mit dem örtlichen Rechtsanwalt.

Carsten Drewes:

Ach, mit dem Rechtsanwalt, genau, mit Herrn Zienterra, unserem örtlichen Rechtsanwalt hier. 

Sebastian H. Schroeder:

Der hat dem Ganzen einen offiziellen Charakter verliehen und dann wurde getanzt. 

Ja, es wurde dann minutenlang getanzt. Ich habe hier das Originalvideo vorliegen.

Dann wurde nochmal die Geschwindigkeit angezogen. 

Rechtanwalt

Und Endspurt.

Sebastian H. Schroeder:

Das war der Rechtsanwalt, der auch nochmal ein bisschen Feuer dazu gegeben hat, ist ja klar. So, und dann war es geschafft.

Sprecher:

Sind sich denn alle einig, dass die Wette von der Dorfgemeinschaft gewonnen wurde?

Sebastian H. Schroeder:

Das ist sehr eindeutig und natürlich musste dann auch Bettina eingestehen, dass sie die Wette verloren haben.

Bettina Drewes:

So einen geilen Ententanz hatte ich lange nicht mehr. Einstimmig, die Wette ist gewonnen. Das Spielgerät kommt.

Sebastian H. Schroeder:

Und damit war es besiegelt. Das Spielgerät kam und der Erfolg auch. Aber damit meine ich jetzt nicht nur den Wirtschaftlichen für den Hof, sondern auch noch etwas ganz anderes. Etwas, in meinen Augen viel Wichtigeres.

Bettina Drewes:

Viel Zusammenhalt!

Sebastian H. Schroeder:

Ja.

Bettina Drewes:

Und auch in dem, was sie, was ja auch dahintersteckt, Gemeinschaft, gemeinsam was zu erreichen, auch gestärkt hat.

Sebastian H. Schroeder:

Und hat das auch nachhaltig gewirkt? Also würdest du sagen, bis heute ist das eine Aktion, an die sich jeder erinnert?

Bettina Drewes:

Ja.

Carsten Drewes:

Es wird noch darüber geredet, ja.

Bettina Drewes:

Ja, es wird noch drüber geredet und vor allen Dingen, sie haben ja auch dann irgendwann auch mal, auch den Mut gehabt, was Neues anzufassen, so was wir ja auch in dem Sinne getan haben. Die haben dieses Seifenkistenrennen angefangen.  Das ist auch ein bisschen Herausforderung, weil, das gab es hier so noch nicht. Aber komm: Wenn wir das hingekriegt haben mit der Hühnerwette, dann kriegen wir das auch hin.

Sebastian H. Schroeder:

Ja, und so hat sich die Hühnerwette nicht nur für Bettina und Carsten als Glücksgriff erwiesen, sondern im ganzen Ort nachhaltig etwas bewegt.:

Fast Forward ins Jahr 2026. Die Hühnerwette ist nun acht Jahre her. Wir stehen im Hofladen, im nigelnagelneuen Hofladen, denn vor sechs Jahren haben Bettina und Carsten das Nachbargrundstück kaufen können. Auf diesem Land haben sie nun einen noch größeren Hofladen gebaut und eröffnet und jetzt sogar mit Café.

Carsten Drewes:

Und in der Mitte als erstes der Blickfang der Trecker für die Kinder mit der Eiskiste dran.

Sebastian H. Schroeder:

Da kann man reingehen, ja?

Carsten Drewes:

Da kann man reingehen, da kann man Trecker fahren, wenn man ein kleines Kind ist und man kann natürlich dann auch das Eis rausnehmen vorne. Das Lenkrad dreht sich, da können die Kinder dran spielen. Und wenn wir hier weitergucken, haben wir in der Mitte den großen Tresen, wo unsere freundlichen Verkäuferinnen hinter stehen. Und dahinter den Café-Bereich mit den tollen Sitzecken und Sitzgelegenheiten.

Sebastian H. Schroeder:

Die Produktion und der Hofladen, beide Betriebszweige der Drewes, erwirtschaften inzwischen gleich viel. Tendenz des Hofladens steigend. Bettinas Stolz ist in diesem Moment für jeden im Hofladen sichtbar. Aber, wie es bei den Beiden eben scheinbar üblich ist, war auch dieser Laden hier ein Gemeinschaftswerk der Beiden. Ohne Bettina stünde der Laden nicht hier, ohne Carsten aber auch nicht. Insbesondere weil die Beiden anscheinend wirklich am besten funktionieren, weil sie aufeinander aufpassen. Bettina hat mit der Eröffnung im vergangenen Sommer täglich nach der Arbeit auf dem Hof, im Laden, nach dem Wochenmarkt, nach all dem, je nach Wochentag, noch bis zu 21 Kuchen gebacken, meist bis spät in die Nacht rein. Und das ist natürlich auf die Substanz gegangen. 

Carsten Drewes:

Das war in 2025 so. Das wird jetzt in diesem Jahr ein bisschen entspannt.

Bettina Drewes:

Das wird anders, weil wie gesagt.

Carsten Drewes:

Die Küche ist drüben, der Wochenmarkt ist abgeschafft.

Bettina Drewes:

Jetzt lass mich doch auch mal reden. Ich wollte es doch nochmal sagen. So wie ich bei den Schweinen auf dich aufgepasst habe, hast du jetzt auf mich aufgepasst und hast gesagt, so geht es nicht weiter. Du musst von deinen Stunden runter. Und hat mir dann nahegelegt, hast du schon mal überlegt, mit dem Wochenmarktfahren aufzuhören. Und ich habe dann gesagt, von wegen, man schmeißt doch keine 25 Jahre weg. Und dann: ja, zu wann denn? Am besten zu sofort. Ich so, nee, das kannst du auch nicht machen den Kunden gegenüber. Dann hatte ich mir so ein Datum gesetzt und dann war der 15. November letztes Jahr der letzte Wochenmarkttag. Und ich muss sagen, ich vermisse ihn nicht.

Sebastian H. Schroeder:

Was habe ich also heute gelernt? Auf der einen Seite ist das eine Geschichte über einen Bauernhof, der erfolgreich umgebaut wurde. Den Drewes ist auch im Konventionellen die Nachhaltigkeit wichtig. Sie bringen heimische Lebensmittel für die Region auf den Tisch und die Kundschaft wertschätzt das. Und auf der anderen Seite steckt hinter all dem eben auch eine Geschichte über Tradition und Zukunft und Familie und über schwierige Entscheidungen, so wie die Drewes sie eben treffen. Bettina hat 2008 die Schweine verkauft. Carsten hat den Wochenmarkt beendet. Beide Male hat der andere eine Entscheidung getroffen, die der erste nicht treffen konnte, und zwar wirtschaftlich sehr relevante und auch riskante. Beide Male gab es danach aber keine lange Debatte. Es war einfach Gut! Danke! Es klingt simpel, ist es aber nicht. Denn die Voraussetzung dafür ist Vertrauen, das über Jahrzehnte gewachsen ist, und die Bereitschaft zuzugeben, wenn man selbst an einer Grenze ist. 

Was mich an dieser Geschichte auch beschäftigt hat, ist das, was hinter der betrieblichen Geschichte steckt. Landwirtschaft in Deutschland funktioniert heute anders als vor 30 Jahren. Die Märkte sind volatiler, die Planungssicherheit ist weg, der gesellschaftliche Druck größer. Wer sich nur auf eine Einkommensquelle verlässt, der kann schnell in Gefahr geraten. Und gleichzeitig, Bio mag zwar besonders nachhaltig sein, passt aber vielleicht nicht zu jedem Hof oder Betrieb. Auch ein konventioneller Landwirt wie Carsten setzt sich für den Erhalt seiner Böden ein, denkt nachhaltig. Denn natürlich wollen Carsten und Bettina ihr Land für ihren Sohn Maarten erhalten. Der steht nämlich schon in den Startlöchern und arbeitet mit am Hof. Na und dann war da noch die Hühnerwette. Was mich daran fasziniert, sind nicht die 250 tanzenden Menschen oder ein Hühnerspielgerät auf dem Dorfplatz, sondern was aus dieser Aktion heraus entstanden ist: Eine Gemeinschaft, die sich nähergekommen ist. Denn Gemeinschaft entsteht nicht automatisch. Vielleicht braucht es gerade in der heutigen Zeit manchmal nur jemanden, der auf einen Baumstamm steigt und eine große Zahl in den Raum stellt. Den Rest macht das Dorf dann selbst. 

Beim nächsten Mal bin ich in Bonn, in LiMa´s fairpackter Welt, einem Unverpacktladen.

Lisa Hagels:

Genau, also wir haben hier im Eingangsbereich unsere Kundenkontrollwaage. Da kommt nicht der Kunde drauf, sondern das Gefäß.

Sebastian H. Schroeder:

Und wie ihr hört, geht es da sehr munter umher.

Lisa Hagels:

Dann erkläre ich dir mal, wie der Bums hier so läuft.

Sebastian H. Schroeder:

Jawohl.

Lisa Hagels:

Genau, also.

Sebastian H. Schroeder:

So machen wir das. Das und mehr nächstes Mal bei Foodsteps: Nachhaltigkeitsstorys aus dem Bundeszentrum für Ernährung. Produziert von Subtext Stories. Ein großer Dank geht heute an Bettina und Carsten Drewes. Mitgewirkt an dieser Folge haben vom Bundeszentrum für Ernährung Bettina Heuke und Lars Winterberg. Redaktion von Subtext Stories, Felix Epstein-Adam und ich. Mein Name ist Sebastian H. Schroeder und ich freue mich schon auf das nächste Mal.