(BZfE) – Die Lebensmittelbranche setzt immer stärker auf nachhaltige Produkte. Pflanzendrinks aus Hafer, Soja oder Mandeln sind eine gute Alternative für Menschen, die weniger oder keine Milchprodukte zu sich nehmen können oder wollen. Im Vergleich zu Kuhmilch sind die durchschnittlichen Werte für Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Landnutzung niedriger. Doch auch die milchfreien Getränke haben ihre Schwächen. Zum Beispiel kann Soja Allergiesymptome auslösen und muss oft von weither importiert werden.
„Das geht besser und nachhaltiger“, sagen die Lebensmittel-Technologinnen Dr. Theresia Heiden-Hecht und ihre Doktorandin Maren Müller vom Forschungszentrum Jülich. Ihre aktuelle Alternative: die Luzerne. Anders als die essbaren Haferkörner fallen sie in der Landwirtschaft als Nebenprodukte an und werden für die menschliche Ernährung nicht genutzt. „Diese Ackerpflanze hat viele Vorteile: Sie ist günstig, sie wächst mehrjährig, wird in Europa angebaut und wird kaum für Lebensmittel verwendet. Bislang düngt sie vor allem in der regionalen Landwirtschaft als Zwischenfrucht die Felder oder wird an Tiere verfüttert“, sagt Heiden-Hecht.
Laut den Forscherinnen lassen sich Drinks im Prinzip aus vielen Pflanzen herstellen, aber entscheidend für die Qualität sind die darin enthaltenen Proteine. „Sie müssen nach ähnlichem Muster aufgebaut sein wie bei der Kuhmilch, denn sie sorgen bei einer Emulsion – der Verbindung zwischen Öl- und Wassertropfen – für die milchartige Konsistenz“, so Maren Müller. Drinks mit Haferproteinen muss man vor dem Trinken erst einmal aufschütteln, weil sich Bodensatz bildet. Das wollen die beiden Wissenschaftlerinnen mit den Proteinen der Luzerne besser machen. Die Konsistenz soll dem tierischen Original möglichst nahekommen. Damit dies gelingt, werden zunächst Größe und Struktur der Milchproteine in einem aufwändigen Verfahren genau untersucht. „Letzten Endes braucht man einen extrem hohen Reinheitsgrad“, erklärt Heiden-Hecht.
In Sachen Nachhaltigkeit ist die Luzerne ein spannender Kandidat. Das erste Etappenziel auf dem Weg zu einem echten Milchersatz sind zunächst absolut reine Proteine. Am Ende wollen die beiden Forscherinnen eine Liste mit Kriterien entwickeln, mit denen die Industrie dann weiterarbeiten kann. Man muss also noch abwarten, ob Luzerne-Drinks dem Hafer, der Mandel oder der Sojabohne Konkurrenz machen können.
Rüdiger Lobitz, bzfe.de
Weitere Informationen:
Forschungszentrum Jülich: Nachhaltige Milch-Alternativen
BZfE: Pflanzendrink versus Kuhmilch – worauf sollte man achten?
(Bildquelle: © Bernhard Ludewig, FRM II / TUM)
