True Cost Accounting

Win-Win für Wirtschaft, Mensch und Erde

Hummel bestäubt Tomatenpflanzen © Ferlx – stock.adobe.com

(BZfE) – Der Produktpreis ist für viele Menschen ein wichtiger Anhaltspunkt beim Einkauf. Er sagt jedoch nichts über die wahren Kosten der Produktion aus, die sogenannten True Costs. Dazu gehören langfristige Effekte auf die Böden, die Gewässer, die Gesundheit oder das Klima. Hier setzt die Forschung zu True Costs an. Die neue Artikelseite des Bundeszentrums für Ernährung informiert darüber, wie sich der Nutzen und die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion immer besser beziffern lassen.

Die True-Cost-Forschung hat in den vergangenen Jahren viele neue Methoden, Erkenntnisse und interaktive Tools hervorgebracht, zum Beispiel den SAFAD Rechner. SAFAD steht für Sustainability Assessment of Foods and Diets. Damit lässt sich der ökologische Fußabdruck von Lebensmitteln, Getränken, Gerichten und sogar von nationalen Verzehrsmustern ermitteln und anschaulich grafisch darstellen. Zugrunde liegen acht Umweltindikatoren sowie Indikatoren für Tierwohl und Antibiotikaeinsatz. 

In einem beispielhaften Vergleich im SAFAD-Rechner schneidet eine Fleischlasagne bei den dort zugrunde liegenden zehn Indikatoren schlechter ab als eine Gemüselasagne. Die Ergebnisse hängen von den zugrunde liegenden Daten, Systemgrenzen und Annahmen ab und lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf alle Produkte und Produktionsweisen übertragen. Häufig zeigt sich, dass tierische Lebensmittel mehr und pflanzliche Lebensmittel im Durchschnitt weniger gesellschaftliche und ökologische Folgekosten verursachen. Ein Produktvergleich kann aber auch überraschen. Zum Beispiel ist der CO2-Fußabdruck – als Basis für die wahren Kosten – von einem Liter Malzkaffee höher, als der von einem Liter fettarmer Milch. Das liegt am hohen Verarbeitungsgrad des Malzkaffees. Bei Espresso hingegen schlagen Land-, Stickstoff- und Phosphorverbrauch und die Folgen für die Biodiversität negativ zu Buche. Allerdings erlauben die Daten noch keine Differenzierung zwischen Bio- und Nicht-Bio-Produkten und zeigen auch noch nicht an, ob Weidemilch einen Unterschied machen würde.

Gut 23 Methoden gibt es mittlerweile zur Analyse der wahren Kosten im Ernährungsbereich, stellte der Thinktank TMG fest. Er hat im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat eine „True Cost Accounting Roadmap“ für den deutschen Agrar- und Ernährungssektor erarbeitet. Ein wichtiger Schritt wäre der Aufbau einer öffentlichen True Cost-Datenbank und die Verständigung auf einheitliche Analyse-Methoden heißt es in dem Gutachten. „Solche Daten müssten Allgemeingut sein, das heißt, frei zugänglich sein und es braucht jemanden, der sie pflegt und die Datenqualität sichert“, meint Alexander Müller, Geschäftsführer von TMG.

Doch schon jetzt beginnen Unternehmen mit Hilfe von True Cost Accounting ihre Produktion zu optimieren. Eine Drei-Länder-Studie zeigte, dass Schulmensen durch den Einsatz von regionalem Getreide oder Hülsenfrüchten gesunde Mahlzeiten anbieten und gleichzeitig weniger externe Kosten verursachen können. Die neuen Menüs kamen bei den Kindern gut an und waren in den meisten Fällen sogar günstiger. Ein echter Win-Win für Menschen, Erde und Wirtschaft.

Sicher ist, dass sich Kundinnen und Kunden mehr Klarheit wünschen. In einer Befragung der Verbraucherzentrale von 2025 wurde deutlich, dass 66 Prozent der Befragten gern mehr Transparenz über die wahren (Klima-)Kosten hätten. Bis sich aus den unterschiedlichen Ansätzen belastbare und allgemein verständliche Informationen für Verbraucherinnen und Verbraucher ableiten lassen, sind weitere methodische Fortschritte und eine bessere Datengrundlage erforderlich. Aber die Vielzahl an aktuellen Forschungsergebnissen, Initiativen und neuen Analysemethoden bringen Bewegung in den Prozess.

Dr. Gesa Maschkowski, bzfe.de

Weitere Informationen:

BZfE: True Cost Accounting – wahre Kosten und Hebel für ein resilientes Ernährungssystem

Swedish University of Agricultural Science: SAFAD –Sustainability Assessment of Foods and Diets

TMG Think Tank for Sustainability: True Cost Accounting Roadmap für den deutschen Agrar- und Ernährungssektor

Ökolandbau.de: Mehr Nachhaltigkeit und weniger externe Kosten in Schulkantinen

Verbraucherzentrale: Die wahren Kosten unseres Konsums

(Bildquelle: © Ferlx – stock.adobe.com)