(BZfE) – „Vitamine sind harmlos, die kann man gar nicht überdosieren“, solche oder ähnliche Aussagen sind, vor allem in Sozialen Medien, weit verbreitet. Aber: Insbesondere bei fettlöslichen Vitaminen sollte man vorsichtig sein. Dazu gehören die Vitamine A, D, E und K. Diese Vitamine werden in der Leber und im Fettgewebe als Reserve gespeichert und können bei einer überhöhten Aufnahme – je nach Menge – zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
Zu viel Vitamin A beispielsweise kann akut Übelkeit, Erbrechen, starke Kopfschmerzen und Schwindel hervorrufen. Wird chronisch zu viel aufgenommen, können Leberschäden die Folge sein. Die sichere tägliche Aufnahmemenge aus allen Quellen bei Vitamin A beträgt 3 Milligramm (mg). Das bedeutet Vitamin A aus Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln wie zum Beispiel Obst und Gemüse zusammengerechnet. Ein Ei liefert beispielsweise etwa 0,3 mg, eine mittelgroße Karotte etwa 0,8 mg.
Auch Vitamin D, das der Körper größtenteils durch Sonnenlicht produziert, kann durch Nahrungsergänzungsmittel überdosiert werden. Vor allem mit hochdosierten Tropfen vertut man sich schnell und es werden mehr als geplant. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet aktuell über schwere Vergiftungen bei Säuglingen durch eine Überdosierung von Vitamin D.
Wer über einen längeren Zeitraum deutlich zu viel Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, riskiert zum Beispiel Nierenschäden. Die tägliche sichere Aufnahmemenge beträgt laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit 4.000 Internationale Einheiten (IE). Dieser Wert bezieht sich auf Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel und die normale Ernährung. In Lebensmitteln wie Fisch, Eiern oder Pilzen ist zwar Vitamin D enthalten, die Mengen sind jedoch so gering, dass sie für die Versorgung kaum eine Rolle spielen. Nahrungsergänzungsmittel sind allerdings häufig so hoch dosiert, dass eine viel höhere Dosis erreicht wird, als die maximal sichere Menge. Gleichzeitig ist Vitamin D ein lebensnotwendiger Stoff und ein Mangel sollte ebenso vermieden werden. Im Zweifel kann bei Verdacht auf einen Mangel nur eine Blutuntersuchung Klarheit schaffen.
Doch nicht nur fettlösliche, sondern auch wasserlösliche Vitamine können negative Folgen bei Überdosierung haben. Ein Überschuss an wasserlöslichen Vitaminen wird zwar mit dem Urin ausgeschieden, allerdings können überdosierte wasserlösliche Vitamine in der Zeit, in der sie im Körper sind, einen gewissen Schaden anrichten. Das gilt vor allem für B-Vitamine wie B6 und B12, die in sehr hohen Mengen etwa zu Nervenschäden oder einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führen können. Was „sehr hohe Mengen“ bedeuten kann, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2023: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für den Zusatz von Vitamin B6 in Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 0,9 mg pro Tagesverzehrempfehlung für Personen ab 15 Jahren. Über das Warnportal der Bundesländer (lebensmittelwarnung.de) wurde vor dem Verzehr eines Nahrungsergänzungsmittels zur Einnahme bei Migräne gewarnt: Das Produkt enthielt pro Kapsel 60 mg Vitamin B6, mit einer Verzehrempfehlung der Herstellerfirma von bis zu vier Kapseln täglich. Damit wären also 240 mg B6 eingenommen worden und die toxikologisch unbedenkliche Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln um das 260-fache überschritten worden.
Mit Lebensmitteln wie Obst und Gemüse können Vitamine übrigens nicht überdosiert werden. Allgemein reicht eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung aus, um Defizite zu vermeiden. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei einem ärztlich festgestellten Mangel eingenommen werden und nicht nach Gefühl.
Merle Schonvogel, bzfe.de
Weitere Informationen:
BZfE: Wie informiere ich mich über Nahrungsergänzungsmittel?
Deutsches Krebsforschungszentrum: Erhöhen B-Vitamine das Lungenkrebsrisiko? Studie zur Krebsvorbeugung mit hochdosierten B-Vitaminen
Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
Bundesinstitut für Risikobewertung Vitamin D-Vergiftung bei Säuglingen
