Lactoferrin – Hoffnung oder Hype?

Bessere Marktchancen durch neue Herstellungsverfahren

Auf einem weißen Tisch steht eine weiße Schüssel mit Pulver, daneben liegen weiße Kapseln und Buchstabenwürfel die das Wort Colostrum bilden. © Kristina – stock.adobe.com

(BZfE) – Ob in Säuglingsnahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln – Lactoferrin gilt als vielversprechender Inhaltsstoff, der künftig auch in funktionellen Lebensmitteln und Sportlerprodukten breiter eingesetzt werden könnte. Denn neue Herstellungsverfahren machen es möglich, das bioaktive Milchprotein in größeren Mengen herzustellen.

Lactoferrin ist ein eisenbindendes Protein, das natürlicherweise in Körperflüssigkeiten wie Tränen, Speichel und besonders in der ersten Muttermilch, dem Kolostrum, vorkommt; aber auch in Kuhmilch. Die hohe Lactoferrin-Konzentration im Kolostrum trägt zum natürlichen Schutz von Neugeborenen bei, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Daher wird Lactoferrin vor allem in Säuglingsnahrung eingesetzt. Aber auch als Bestandteil für Nahrungsergänzungsmittel ist es zunehmend gefragt. Es soll das Immunsystem unterstützen, die Eisenaufnahme verbessern und die Darmgesundheit fördern, außerdem entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften besitzen. Obwohl zahlreiche Studien potenzielle gesundheitliche Wirkungen von Lactoferrin beschreiben, reicht die wissenschaftliche Evidenz bislang nicht aus, um einen Nutzen für Erwachsene als gesichert anzusehen. Trotzdem wächst der weltweite Markt deutlich, weil Verbraucherinnen und Verbraucher verstärkt nach bioaktiven Substanzen für die Unterstützung von Immunsystem und Darmgesundheit suchen.

Bislang wird Lactoferrin überwiegend aus Kuhmilch beziehungsweise Molke gewonnen, die bei der Käseherstellung anfällt. Da das Protein dort nur in geringen Mengen vorkommt, sind mehrere Filtrations- und Reinigungsschritte erforderlich, um es in hoher Reinheit zu isolieren. Das macht die Herstellung aufwendig und kostenintensiv. Günstiger könnte es zukünftig mit der sogenannten Präzisionsfermentation werden. Dabei produzieren gentechnisch veränderte Mikroorganismen große Mengen an Lactoferrin im Fermenter und das ganz ohne Milch. Auf diese Weise kann sogar Lactoferrin hergestellt werden, das mit dem der Muttermilch identisch ist. 

Das Endprodukt enthält in der Regel keine gentechnisch veränderten Mikroorganismen mehr. Für eine Vermarktung als Lebensmittelzutat in der EU ist jedoch – unabhängig von der verwendeten Gentechnik – eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung erforderlich. Eine solche liegt aktuell noch nicht vor. Dennoch treiben mehrere Biotechnologie-Unternehmen die Kommerzialisierung voran: Sie kooperieren mit Herstellern von Lebensmittelzutaten und Säuglingsnahrung, bauen Produktionskapazitäten auf und schließen strategische Partnerschaften, um den Markteintritt nach einer Zulassung vorzubereiten.Gerade weil Lactoferrin so knapp und teuer ist, gilt es als aussichtsreiches Anwendungsgebiet für die Präzisionsfermentation. Ob und wann Getränke, Riegel und andere Produkte mit Lactoferrin in Deutschland erhältlich sein werden, lässt sich derzeit allerdings noch nicht absehen.

Melanie Kirk-Mechtel, bzfe.de

Weitere Informationen:

BZfE: Wie Präzisionsfermentation grundsätzlich funktioniert und welche Chancen und Hürden es gibt, lesen Sie hier

BZfE: Nahrungsergänzungsmittel | Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)

BMLEH: Biotechnologie als Schlüsseltechnologie