Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften

Wenn die Region im Einkaufskorb landet

Verkäufer an der Kasse kontrolliert Mitgliedsausweis eines Genossenschaftsmitglieds. Auf dem Kassenband liegt buntes Obst und Gemüse. Dahinter eine einkaufenden Person. © VG Verbrauchergemeinschaft eG in Dresden
  • Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften schließen die Lücke zwischen Stadt und Land und stärken die Ernährungswirtschaft in der Region.
  • Sie lassen sich von Höfen, Bäckereien, Metzgereien, Mühlen, Imkern oder auch Nudelproduzenten aus der Region beliefern.
  • Die Genosseninnen und Genossen entscheiden gemeinsam, was in den Läden liegt und was es kosten darf, damit Alle gut davon leben können.
  • Auch Mitmach-Supermärkte und kooperative Lebensmittelläden sind häufig genossenschaftlich organisiert.
  • Kooperative, regionale Handelsunternehmen gelten als positive Entwicklung im Angesicht eines hoch konzentrierten Lebensmitteleinzelhandels.

Lebensmittelkooperativen

Dass kooperatives Wirtschaften möglich ist, zeigen Verbraucher-Genossenschaften (VGs) und Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften (EVGs) seit über 40 Jahren. Aus kleinen, engagierten Initiativen sind heute respektable Unternehmen erwachsen. 

Eines davon ist die Verbrauchergemeinschaft in Dresden. Sie startete im Jahr 1991 mit 20 Mitgliedern und einem provisorischen Laden in einer Mietwohnung. Heute zählt sie mit 10.000 aktiven Mitgliedern zu den größten Verbraucher-Gemeinschaften in Deutschland. Die Genossenschaft betreibt sieben Biomärkte und einen Naturkostladen. Aktuell wird sie von mehr als 140 regionalen Betrieben beliefert. 

Auch die EVG Landwege in Lübeck startete als Verbraucherinitiative. Den Impuls zum Handeln lieferte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Heute bündelt die Genossenschaft über 30 Betriebe und betreibt vier Märkte und ein Freibackhaus. Für ihre Pionierbeit wurde Landwege 2025 mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. 

Die Motive und Arbeitsweise von weiteren EVGs in München, Weimar und im Neckar-Alb-Kreis beschreibt ein Artikel auf Ökolandbau.de.

Win-Win-Win für die Menschen, die Betriebe und die Umwelt

Wer eine Erzeuger-Verbrauchergenossenschaft oder einen kooperativen Supermarkt in der Nähe hat, 

  • kann nachhaltig produzierte Lebensmittel zu günstigen Preisen kaufen – und das von Betrieben aus der Region.
  • Die Landwirtinnen und Landwirte sowie die Verarbeitungsbetriebe erzielen faire Preise.
  • Die Betriebe haben durch langfristige Abnahmeverträge Planungssicherheit, um auch innovative Formen der Erzeugung und Verarbeitung zu erproben.
  • Die Genossenschaften und ihre Mitgleider leisten einen wertvollen Beitrag zum Umwelt-, Wasser- und Klimaschutz, weil sie mit Betrieben kooperieren, die biologische und vielfältige Produkte anbauen, wasserschonend und humusfördernd arbeiten.

So hat die VG Dresden maßgeblich dazu beigetragen, die Biolandwirtschaft im Umland von Dresden zu fördern, die regionale Wirtschaft zu stärken und Stadt und Land wieder miteinander zu verbinden. 

Vertrauen und Verbindlichkeit

Eine Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft lebt von Vertrauen. Den rechtlich organisatorischen Rahmen bietet die Genossenschaft. Dort müssen alle Beteiligten Mitglied werden. Auf diese Weise sind sie stimmberechtigt und können sich aktiv in die Gestaltung miteinbringen. 

Welche landwirtschaftlichen und handwerklichen Zuliefer-Betriebe in die Genossenschaft aufgenommen werden, entscheiden in der Regel die Mitglieder gemeinsam. Kurze Transportwege sind ein wichtiges Auswahlkriterium. Daher darf ein Bauernhof oder ein Verarbeitungsbetrieb eine gewisse Distanz zum Zentrum nicht überschreiten. 

Die Mitglieder legen auch fest, welche Qualitätsstandards gelten. Die meisten Lebensmittelgenossenschaften bevorzugen Erzeugnisse aus ökologischer Landwirtschaft und handwerklicher Verarbeitung und vermarkten fast ausschließlich Bio-Produkte. Für die Mitglieder sind die Preise in der Regel günstiger als im herkömmlichen Bio- oder Naturkostladen. Dafür zahlen sie einen monatlichen Beitrag. In manchen genossenschaftlichen Läden können auch Nicht-Mitglieder zu handelsüblichen Ladenpreise einkaufen. 

Ganz ähnliche Ziele verfolgen kooperative Supermärkte, auch Mitmach-Supermärkte genannt. Auch sie sind genossenschaftlich organisiert und arbeiten partnerschaftlich mit landwirtschaftlichen und handwerklichen Betrieben zusammen. In diesen Modellen arbeiten Mitglieder auch im Laden mit.

„Wir sind davon überzeugt, dass es auf diesem Weg gelingt, die regionale Wertschöpfung und Vermarktung von Bio-Lebensmitteln zu stärken". 

Prof. Dr. Christian Herzig, Justus Liebig Universität Gießen
Leiter des Forschungsprojektes Wertschätzen.

Kooperative Lebensmittelläden

Die genossenschaftliche Organisation ist auch die Basis für kooperative Lebensmittelläden wie das FoodHub München, SuperCoop in Berlin oder das Kölner köllektiv. Die Mitglieder sind durch ihren Genossenschaftsanteil an den Läden beteiligt. Außerdem verpflichten sie sich dazu, monatlich eine bestimmte Anzahl an Stunden mitzuarbeiten. Menschen, die hier mitmachen, übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Konsumverhalten und leisten gemeinsam einen Beitrag für ein nachhaltigeres Ernährungssystem. 

Das Konzept kooperativer Lebensmittelläden steht seit 2023 im Mittelpunkt des Forschungsprojekts Wertschätzen – Kooperative Lebensmittelläden zur Stärkung bio-regionaler Wertschöpfungsketten der Justus-Liebig-Universität Gießen, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert wird. Das Forschungsteam möchte herausfinden welche Potenziale und Herausforderungen es für die Verbreitung von solchen Konzepten gibt. „Mit ihrem Fokus auf Beteiligung, Transparenz und solidarische Zusammenarbeit verstehen sich Mitmach-Supermärkte bzw. Kooperative Lebensmittelläden als bewusster Gegenentwurf einem durch Machtkonzentration gekennzeichneten Lebensmitteleinzelhandel“, so Projektmitarbeiterin Christin von Schönfeldt laut Pressemitteilung der Universität. 

EVG Tagwerk eG.

Beatrice Rieger, Vorstandsmitglied der TAGWERK eG, schildert im Video die Geschichte und Motivation hinter der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft. Was 1984 als mutige Initiative begann, ist heute zu einer starken Gemeinschaft gewachsen, die rund 950 Genossenschaftsmitglieder mit 5500 Genossenschaftsanteilen zählt. Heute betreibt TAGWERK einen Biogroßhandel mit eigener Transportlogistik, eine Metzgerei mit Schwerpunkt auf Tierwohl und mehrere eigene Läden. Rund 150 Erzeuger- und zahlreiche Verarbeitungsbetriebe gehören zum Netzwerk der Genossenschaft. Im Zentrum steht heute die Produktmarke TAGWERK für Bio-Lebensmittel aus der Region rund um München. Über eigene Läden, Lieferdienste, Märkte, Direktvermarktung und die Gastronomie gelangen die Produkte an einen wachsenden Kundenkreis. Dabei hilft eine aktive Öffentlichkeitsarbeit inklusive Nutzung der sozialen Medien (Länge 11:16 Minuten).

Wenn Sie externe Inhalte von YouTube aktivieren, werden Daten automatisiert an diesen Anbieter übertragen.
Mehr Informationen

Quelle: TAGWERK eG

EVG Landwege eG

In diesem Video stellt Klaus Lorenzen die Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft LANDWEGE vor. Er stammt vom Bauernhof, ist Agrarwissenschaftler und hat die EVG aufgebaut. Als Geschäftsleiter kümmert er sich um die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Die regionalen Bio-Partner liegen im Schnitt rund 30 Kilometer entfernt und liefern ein Drittel des Sortimentes der fünf beteiligten Bio-Märkte in Lübeck und Bad Schwartau. Es gibt eine eigene Bio-Bäckerei, eine Verarbeitungsküche und einen Lieferservice. Besonders wichtig sind der Genossenschaft Mitbestimmung und persönlicher Austausch. Diese finden im Aufsichtsrat und bei Versammlungen statt sowie bei den vielen Begegnungen in den Läden oder auf gemeinsamen Feiern (Länge 15:09 Minuten).

Wenn Sie externe Inhalte von YouTube aktivieren, werden Daten automatisiert an diesen Anbieter übertragen.
Mehr Informationen

Quelle: Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft LANDWEGE eG


Neues im BLE-Medienservice

  • Produktbild: Blüh- und Randstreifen in der Agrarlandschaft. Öffnet die Seite zum bestellen.
    © www.ble-medienservice.de

    Blüh- und Randstreifen in der Agrarlandschaft

    Die Broschüre "Blüh- und Randstreifen in der Agrarlandschaft" dient als Überblicks-Werk über Blühstreifen in der Kulturlandschaft. Es wird eine Entscheidungshilfe zur Saatgutwahl gegeben und die Maßnahmen Einsaatbrache, blühende Zwischenfrüchte sowie Uferrand-/Pufferstreifen vorgestellt. Diese werden durch Artenporträts geeigneter Wild- und Kulturpflanzen ergänzt.

    Jetzt bestellen

  • Produktbild: Lupinen-Anbau in der Praxis Ackerbauliche Ergebnisse zur Blauen Süßlupine ökologisch & konventionell. Öffnet die Seite zum bestellen.
    © www.ble-medienservice.de

    Lupinen-Anbau in der Praxis Ackerbauliche Ergebnisse zur Blauen Süßlupine ökologisch & konventionell

    Lupinen-Anbau in der Praxis Ackerbauliche Ergebnisse zur Blauen Süßlupine ökologisch & konventionell

    Jetzt bestellen